Homeoffice: Wie werden die Chancen zur Attraktivitätssteigerung der ­Arbeitgeber bislang genutzt?

04.11.2021
Kommentieren
Merken
Drucken

Corona hat den Stein ins Rollen gebracht und nun ist er nicht mehr aufzuhalten. Zahlreiche Studien und Befragungen belegen, wie attraktiv das Homeoffice ist. Zugleich wird nach den ersten Erfahrungen der Heimarbeiter der Ruf nach einer professionellen und gesundheitsförderlichen Ausstattung des Homeoffices lauter. Doch erfolgen daraus auch Konsequenzen? Der Industrieverband Büro und Arbeitswelt e. V. (IBA) hat sich den brandaktuellen Status Quo angeschaut: „Pandemiebedingt haben viele Büromitarbeiter in den vergangenen Monaten mehr als zuvor im Homeoffice gearbeitet. Viele mussten dafür zunächst einmal die notwendigen Voraussetzungen schaffen und sich einen zumindest provisorischen Arbeitsplatz einrichten. Dabei war jedoch die Mehrheit der betroffenen Beschäftigten auf sich selbst gestellt – viele ­Arbeitgeber sehen sich offenbar bislang nicht in der Pflicht.“

Eine Aussage, die der Verband mit folgenden Daten untermauert: „Im Rahmen einer im Auftrag des Industrieverbandes Büro und Arbeitswelt e.V. (IBA) durchgeführten Civey-Befragung gaben zwar 58,4 Prozent der für die Arbeitsplatzgestaltung zuständigen Entscheider an, dass ihre Mitarbeiter Unterstützung bei der Möblierung der Homeoffice-Arbeitsplätze gebraucht hätten, aber weniger als ein Drittel (26,6 %) wurde tatsächlich aktiv. 9,1 Prozent der Befragten kauften neue ­Möbel, 9,2 Prozent stellten vorhandenes Mobiliar leihweise zur Verfügung und 10,9 Prozent beteiligten sich mit einem Zuschuss an den Anschaffungen ihrer Mitarbeiter. Ein kleiner Anteil von 0,4 Prozent stellte den Mitarbeitern Arbeitsmöbel auf Leasing- und Mietbasis. Dabei wurden den Beschäftigten teilweise auch Kombinationen aus finanziellen Mitteln und Bereitstellung von Möbeln angeboten.“

Insgesamt wurden über 1.000 Personen, die in ihren Unternehmen Entscheidungen über die Arbeitsplatzgestaltung treffen, befragt. Dabei konzentrierte sich die im September 2021 durchgeführte Untersuchung auf diejenigen Unternehmen, deren Mitarbeiter aufgrund der Corona-Pandemie mehr als zuvor im Homeoffice arbeiten. Eine weitere Frage war, wie die künftigen Planungen für die Unterstützung bei der Möbel-Ausstattung im Homeoffice aussehen. Dies ist besonders interessant, weil ein großer Teil der Arbeitnehmer auch zukünftig den heimischen Arbeitsplatz vermehrt nutzen möchte. Und auch viele Unternehmen wollen das Homeoffice langfristig in den Arbeitsalltag integrieren.

Mit welchen Maßnahmen unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter bei der Möblierung der ­Homeoffice-Arbeitsplätze?
Quelle: IBA
Mit welchen Maßnahmen unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter bei der Möblierung der ­Homeoffice-Arbeitsplätze?

Dies unterstreicht auch eine im Juli 2021 durchgeführte repräsentative Betriebsbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB):  Jeder fünfte Betrieb gab hier an, die Homeoffice-Option gegenüber dem Vorkrisen-­Niveau ausbauen zu wollen – vor allem große Betriebe mit mehr als 250 Mitarbeitern  Als Gründe dafür wurden besonders häufig mehr Flexibilität für die Beschäftigten sowie Vereinbarkeit von Familie und Beruf genannt – einhergehend mit der Erwartung, sich damit als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.

Der IBA kommt zu folgendem Ergebnis: „An der Bereitschaft, ihre Mitarbeiter bei der Möblierung des Homeoffice zu unterstützen, scheint das jedoch wenig zu ändern. 39,9 Prozent der befragten Unternehmensvertreter sehen weiterhin keinen Bedarf, sich bei der Ausstattung der Homeoffice-Arbeitsplätze zu engagieren. 28,8 Prozent erkennen zwar eine grundsätzliche Notwendigkeit, planen aber dennoch keine Unterstützung. Der Anteil derjenigen, die ihre Mitarbeiter bei der Anschaffung der Möbel unterstützen wollen, steigt geringfügig auf 31,3 Prozent. Davon planen 13,8 Prozent eine finanzielle Unterstützung, 10,3 Prozent sehen den Kauf der Möbel vor und 9,0 Prozent werden vorhandene Möbel bereitstellen. 2,2 Prozent wollen künftig Leasing- und Mietangebote nutzen.“

„Unter dem Strich bleibt damit eine gute Möglichkeit zur Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit ungenutzt“, stellt der Indus­trieverband auf Basis der Befragung fest. „Frühere Umfragen haben bereits gezeigt, dass die Mehrzahl der Home­office-­Arbeitsplätze alles andere als gut ausgestattet ist. Auch dort, wo bereits erste Unterstützung geleistet wurde, besteht häufig noch Optimierungsbedarf. Dabei sind gute Arbeitsbedingungen nicht nur im Büro, sondern auch zu Hause wichtige Faktoren für die Gesundheit der Mitarbeiter, für effizientes Arbeiten und die Stärkung der Arbeitgeberattraktivität“, sagt Helmut Link, Vorsitzender des IBA. „Nichts zu tun, bedeutet daher in den meisten Fällen eine vertane Chance“, so Link.

Wir meinen: Bleibt zu hoffen, dass der Verband weiterhin alle Möglichkeiten nutzt, um bei den richtigen Zielgruppen auf diese Problematik aufmerksam zu machen. Die Arbeitgeber-Attraktivität wird schließlich ein zunehmend wichtiges Attribut für jedes Unternehmen, auch für den Mittelstand. Wer in die Ausstattung von Arbeitsplätzen investiert und ­dabei das Homeoffice nicht außen vor lässt, hat gute Argumente auf seiner Seite. Wie ein mittelständisches SHK-­Unternehmen äußerst erfolgreich in der Akquise von Auszubildenden ist, haben wir auf unserem TdM vorgestellt (vgl. B 43/21). Ein Beispiel, das vor Augen führt, dass man die zukünftigen Arbeitnehmer und Auszubildenden dort abholen muss, wo sie sind – mit FÜR SIE attraktiven Angeboten!

Perola Müller
Chefredakteurin
Schlagwörter:
,
,
,
Kontakt
Zur Redaktion
Ausgaben und Beilagen
Neue Ausgaben und Beilagen als PDF oder direkt im Browser lesen:
Alle Ausgaben und Beilagen
Beliebte Schlagwörter miDirekt

miDIREKT Login

Dieser Inhalt ist nur mit einem entsprechenden miAbo zugänglich. Falls Sie über ein miAbo verfügen, können Sie sich hier einloggen.

Abbrechen
Wir haben Ihnen einen Link zur Erstellung eines neuen Passwortes geschickt. Bitte überprüfen Sie Ihren Posteingang.

Sie benötigen Unterstützung? - Hier geht´s zum Hilfebereich.
Wenn Sie sich über unsere Abo-Angebote informieren möchten, klicken Sie hier:
Liebe Leserinnen und Leser,
in unserem monatlichen Newsletter erhalten Sie regelmäßig einen Überblick über die wichtigsten Nachrichten, Standpunkte, Experten-Tipps, Ratgeber sowie aktuelle Verlagsaktionen, die Sie im täglichen Geschäft gewinnsteigernd einsetzen können.
Abonnieren Sie jetzt den kostenlosen markt intern-Newsletter






* Pflichtfelder

Artikel teilen

Bitte wählen Sie eine Plattform, auf der Sie den Artikel teilen möchten:

Merkliste
Sie sind noch nicht angemeldet.
Bitte melden Sie sich als User an, dann können wir Ihre Merkliste erweitern.

Abbrechen

Legende
  • frei zugängliche, gekaufte oder jene Artikel, die in Ihren Abonnements enthalten sind.
  • Artikel, die Sie mit Ihrem erworbenen Pass-Kontingent
    (Tagespass oder 5 Artikel PLUS Pass) freischalten können.
  • gesperrte Artikel, die Sie durch den Kauf eines Passes
    (Tagespass oder 5 Artikel PLUS Pass) oder Abonnements freischalten können.

Bitte beachten Sie, dass der Tagespass nur Artikel beinhaltet, die nicht älter als 7 Tage sind. Details entnehmen Sie bitte unserer Abo-Übersicht. Alle Ihre gekauften Produkte finden Sie nach Login unter MEIN MI rechts oben im Hauptmenü.