eFuels auf verlorenem Posten?

22.03.2021
Kommentieren
Merken
Drucken

Der Rechtsanwalt und Gründer der von Beust & Coll. Beratungsgesellschaft, Ole von Beust, ist Geschäftsführer der so genannten eFuel Alliance, die sich für den Einsatz von synthetischen Kraftstoffen einsetzt. Die alternativen Kraftstoffe können mithilfe erneuerbarer Energien hergestellt werden. Von Beust war von 2001 bis 2010 Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg und Mitglied des CDU-Bundesvorstandes. Er ist Initiator der Maritimen LNG Plattform. Zum Atomausstieg hat er als Co-Vorsitzender der ­Atomausstiegskommis­sion beitragen können. Neben seinem Engagement in der eFuel Alliance bringt er seine Erfahrung in verschiedene Aufsichts- und Beiräte ein, er ist u. a. Mitglied der Nachhaltigkeitsbeiräte der ECE und von TUI ­Cruises. Was will die eFuel Alliance, zu der ein paar in ­unserer Branche bekannte Namen wie ­Liqui Moly, Jet oder Mazda gehören (s. A 03/21), und welche Chancen hat sie in Zeiten eines gehypten Markt­umfeldes, das voll auf Elektrifizierung setzt? Dazu hat sich 'mi' mit von Beust aktuell ausgetauscht.

'mi': Wie und wann kam es zur Gründung der Initiative und warum setzen Sie sich im Rahmen der Allianz überhaupt für eFuel-Produktion ein?

Ole von Beust
© eFuel Alliance
Ole von Beust

O. v. Beust: „Die Allianz wurde im Sommer 2020 in Zusammenarbeit mit mittelständischen Mineralölunternehmen ins Leben gerufen. Inzwischen ist die Initiative deutlich gewachsen und wir vertreten mittlerweile europäische Unternehmen entlang der gesamten eFuels-Wertschöpfungskette. Hauptgrund für die Gründung war, die industrielle Produktion von klimafreundlichen Kraft- und Brennstoffen aus erneuerbaren Energien voranzutreiben. Es gibt vor allem auf regulatorischer Seite noch einiges an Verbesserungsmöglichkeiten, um erneuerbaren Kraftstoffen zum Erfolg zu verhelfen und deren enormes Klimaschutzpotenzial auch tatsächlich zu heben. Aus unserer Sicht bedarf es gleicher Rahmenbedingungen für die verschiedenen Klimaschutztechnologien, sodass ein Mix verschiedener Inno­vationen zur Verfügung steht. Nur so können wir das bestmögliche Ergebnis für den Klimaschutz erzielen.“

'mi': Welche Maßnahmen unternimmt die eFuel Alliance denn, um ihre Ziele zu verfolgen, und auf welchen Ebenen versuchen Sie, Ihre Interessen durchzusetzen?

O. v. Beust: „Die EU-Ebene ist von ganz zentraler Bedeutung, weil im Rahmen des Green Deal in den kommenden zwei bis drei Jahren elementare Weichenstellungen vorgenommen werden. Innerhalb des von der Europäischen Kommission vorgestellten Green Deals werden sämtliche für einen Markthochlauf erneuerbarer Kraftstoffe wichtigen Gesetze überprüft und gegebenenfalls überarbeitet. Hier werden sich Europäische Kommission, Europäisches Parlament und der Rat als Vertretung der Mitgliedstaaten auf den künftigen rechtlichen Rahmen verständigen. Es bietet sich also die einmalige ­Chance für die Politik, ein positives Umfeld für eFuels zu gestalten. Aber auch die jeweilige nationale Umsetzung der ­ent­­sprechenden Gesetze ist selbstverständlich wichtig für uns. So beteiligt sich die eFuel Alliance beispielsweise aktiv an der Umsetzung der RED II in Deutschland, die noch in dieser Legislatur abgeschlossen wird. Gemeinsam mit zwölf weiteren Verbänden und Initiativen sind wir in Kontakt mit dem Kanzleramt sowie den beteiligten Ministerien. Wir weisen dabei insbesondere auf verbesserungsbedürftige Punkte im Gesetz­entwurf hin und machen Vorschläge, die einen Markthochlauf von Wasserstoff und seinen Folgeprodukten wie synthetische Kraftstoffe, ermöglichen. Auch ist es uns ein Anliegen, ganz grundsätzlich über die Klimaschutzmöglichkeiten von eFuels zu informieren. Wir stehen daher gerne als Ansprechpartner für Politik, Behörden, Öffentlichkeit, Wissenschaft und ­Medien bereit, um dieses wichtige Thema zu diskutieren.“

'mi': Allerdings wirkt derzeit alles, sowohl Politik als auch Industrie, stark auf Elektromobilität festgelegt. Wie bewerten Sie diesen Weg und für wie realistisch halten Sie es angesichts dessen noch, an dieser einseitig wirkenden Ausrichtung etwas zu ändern? Stehen die Chancen gut?

O. v. Beust: „Die Elektromobilität ist ein wichtiger Bestandteil für das Gelingen der Energiewende. Es ist daher richtig, sie weiter auszubauen. Aber die Frage ist: Erreichen wir damit allein die Klimaziele im Verkehrssektor? Selbst wenn die optimistischsten Hochlaufszenarien für E-Fahrzeuge eintreten sollten, werden 2030 immer noch eine Mehrheit der Fahrzeuge einen Verbrennungsmotor haben. Und dann haben wir noch nicht über den Schwerlastverkehr gesprochen. Daher sollte ­E-Mobilität nicht der einzige Baustein im Verkehrssektor sein, um unsere Klimaziele zu erreichen. Wir setzen uns für einen fairen Technologiewettbewerb und ein 'sowohl als auch' in der Klimapolitik ein. Projekte wie Norsk e-Fuel unter Beteiligung unseres Mitgliedes Sunfire in Norwegen oder der Aufbau ­einer kommerziellen eFuel-Großanlage in Chile durch u. a. Porsche und Siemens Energy zeigen, dass sich hier auch indus­trieseitig einiges tut.“

'mi': Was muss ein Unternehmen oder Verband denn mitbringen, um Mitglied zu werden? Mit welchen Kosten ist es verbunden und wie können Mitglieder der Allianz darüber hinaus helfen?

O. v. Beust: „Grundvoraussetzung für eine Mitgliedschaft in der eFuel Alliance ist, unsere Werte und Ziele zu teilen. Der industrielle Ausbau und die Förderung der weltweiten Produktion von eFuels und deren Anwendung in verschiedenen Sektoren in einem technologieoffenen Umfeld sind die entscheidenden Stichwörter. Wir haben verschiedene Möglichkeiten und Formen der Mitgliedschaft eingerichtet, die sich auch entsprechend in den Mitgliedsbeiträgen widerspiegeln. Gerne können sich Ihre Leserinnen und Leser für weitere Informationen hierzu unter [email protected] an uns wenden, wir stehen gerne für Rück­fragen und weitergehende Diskussionen bereit.“

Martin Brandt M.A.
Chefredakteur
Schlagwörter:
,
,
Kontakt
Zur Redaktion
Ausgaben und Beilagen
Neue Ausgaben und Beilagen als PDF oder direkt im Browser lesen:
Alle Ausgaben und Beilagen
Beliebte Schlagwörter miDirekt

miDIREKT Login

Dieser Inhalt ist nur mit einem entsprechenden miAbo zugänglich. Falls Sie über ein miAbo verfügen, können Sie sich hier einloggen.

Abbrechen
Wir haben Ihnen einen Link zur Erstellung eines neuen Passwortes geschickt. Bitte überprüfen Sie Ihren Posteingang.

Sie benötigen Unterstützung? - Hier geht´s zum Hilfebereich.
Wenn Sie sich über unsere Abo-Angebote informieren möchten, klicken Sie hier:
Liebe Leserinnen und Leser,
in unserem monatlichen Newsletter erhalten Sie regelmäßig einen Überblick über die wichtigsten Nachrichten, Standpunkte, Experten-Tipps, Ratgeber sowie aktuelle Verlagsaktionen, die Sie im täglichen Geschäft gewinnsteigernd einsetzen können.
Abonnieren Sie jetzt den kostenlosen markt intern-Newsletter






* Pflichtfelder

Artikel teilen

Bitte wählen Sie eine Plattform, auf der Sie den Artikel teilen möchten:

Merkliste
Sie sind noch nicht angemeldet.
Bitte melden Sie sich als User an, dann können wir Ihre Merkliste erweitern.

Abbrechen

Legende
  • frei zugängliche, gekaufte oder jene Artikel, die in Ihren Abonnements enthalten sind.
  • Artikel, die Sie mit Ihrem erworbenen Pass-Kontingent
    (Tagespass oder 5 Artikel PLUS Pass) freischalten können.
  • gesperrte Artikel, die Sie durch den Kauf eines Passes
    (Tagespass oder 5 Artikel PLUS Pass) oder Abonnements freischalten können.

Bitte beachten Sie, dass der Tagespass nur Artikel beinhaltet, die nicht älter als 7 Tage sind. Details entnehmen Sie bitte unserer Abo-Übersicht. Alle Ihre gekauften Produkte finden Sie nach Login unter MEIN MI rechts oben im Hauptmenü.