Zweitmarkt für Fußballtickets: Keine Steuer auf Spekulationsgewinne

28.06.2018
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Das Berliner Olympiastadion
Das Berliner Olympiastadion

Düsseldorf. Während sich die FIFA bei Weltmeisterschaften vom Veranstalterland regelmäßig Steuererleichterungen einräumen lässt, versucht die Finanzverwaltung in Deutschland bei den Fans Steuern einzutreiben. Im Fall eines Bayern-Anhängers, der Karten für ein Champions-League-Finale erworben und dann weiterverkauft hatte, schob das Finanzgericht (FG) Baden-Württemberg den Begehrlichkeiten des Fiskus jetzt einen Riegel vor. Das berichtet aktuell der bei ʹmarkt internʹ in Düsseldorf erscheinende ʹsteuertipʹ.

In der Hoffnung, beim Champions-League-Finale am 6.6.2015 in Berlin Bayern München spielen zu sehen, hatte der Fan zwei Eintrittskarten für 330 Euro erworben. Nachdem die Münchner im Halbfinale am FC Barcelona scheiterten, verkaufte er die Tickets über eine Plattform im Internet und erlöste dabei 2.907 Euro. Auf den Gewinn in Höhe von 2.577 Euro wollte das Finanzamt Spekulationssteuer gemäß § 23 EStG kassieren. In der Begründung des Fiskus heißt es u. a.: „Da die Nachfrage bei Champions League-Finalkarten das Angebot extrem übersteigt, handelt es sich um Gegenstände, die von vielen als Spekulationsobjekt mit garantiertem Gewinn angeschafft werden. Der Schwarzmarkt ist diesbezüglich riesig. Somit ist eine Wertsteigerungskomponente gegeben.“

Das FG Baden-Württemberg wies die Ansprüche des Fiskus in einem aktuellen Urteil (Az. 5 K 2508/17) zurück: Zwar habe der Fan mit den Eintrittskarten ein Wirtschaftsgut innerhalb eines Jahres verkauft, allerdings handele es sich um Wertpapiere, die seit 2009 nicht mehr unter § 23 EStG (Private Veräußerungsgeschäfte) fallen, so die Richter. Selbst wenn diese Vorschrift zur Anwendung käme, wäre eine Spekulationsbesteuerung verfassungswidrig. Hier gebe es ein strukturelles Vollzugsdefizit, weil viele Ticketbörsen ihren Sitz im Ausland hätten und Verkauf und Kauf anonymisiert abliefen.

Laut FG scheidet auch eine Besteuerung nach § 20 EStG (Einkünften aus Kapitalvermögen) aus. Insbesondere handele es sich bei einer Eintrittskarte nicht um eine Kapitalforderung, „da der in ihr enthaltene Anspruch nicht auf Geld, sondern auf den Zutritt zu einer Veranstaltung gerichtet ist.“

Wegen grundsätzlicher Bedeutung wurde die Revision zum BFH zugelassen. Die Besteuerung von Gewinnen aus dem Verkauf kontingentierter und damit hochpreisiger Eintrittskarten sei bislang ebenso wenig wie die ggf. ähnlich zu beurteilenden Spekulationsgeschäfte mit Kryptowährungen höchstrichterlich entschieden. Betroffenen rät der ʹsteuertipʹ daher unter Hinweis auf das BFH- Az. IX R 10/18 Einspruch gegen den eigenen Steuerbescheid einzulegen und das  Ruhen des Verfahrens zu beantragen.

Dr. Bastian Peiffer
Pressesprecher
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