Zalando: Aktienoptionsprogramm verstößt gegen Corporate Governance-Vorgaben

13.05.2016
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Düsseldorf. Das Aktienoptionsprogramm des Berliner Online-Modehändlers Zalando/ weicht in wesentlichen Punkten von den Vorgaben des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) ab. Darauf weist aktuell markt intern/Düsseldorf hin. Während der Kodex bei Optionsprogrammen vorsieht, „auch negativen Entwicklungen Rechnung“ zu tragen, fehlt beim Zalando-Optionsprogramm eine entsprechende Regelung. Darüber hinaus enthält das Aktienoptionsprogramm, anders als der Kodex empfiehlt, keine betragsmäßigen Höchstgrenzen.

Zalando begründet die Abweichungen damit, dass „das aktuelle Vergütungssystem bereits vor der erstmaligen Börsennotierung und damit vor Geltung der Empfehlungen des Kodex durch den Aufsichtsrat festgesetzt“ wurde. Der Aufsichtsrat des Unternehmens sieht laut Zalando keine Notwendigkeit, die Regelung an die Vorgaben des Corporate Governance Kodex anzupassen, da die Aufsichtsräte „von der Ausgewogenheit und Angemessenheit des Optionsprogramms für den Vorstand überzeugt“ seien.

Auch der Aufsichtsrat selbst erfüllt nicht alle Vorgaben des DCGK: Branchenüblich hat Zalando für seine Aufsichtsräte eine sogenannte Directors-and-Officers-Versicherung abgeschlossen, jedoch ohne den im Corporate Governance Kodex vorgesehenen Selbstbehalt. Zalando rechtfertigt diesen Verzicht damit, „ein entsprechender Selbstbehalt ist nicht grundsätzlich dazu geeignet, die Leistung und das Verantwortungsbewusstsein der Aufsichtsratsmitglieder zu steigern. Zudem mindert er die Attraktivität der Aufsichtratstätigkeit und damit auch die Chancen der Gesellschaft im Wettbewerb um qualifizierte Aufsichtsratskandidaten.“

Dr. Frank Schweizer-Nürnberg, Chefredakteur markt intern-Mittelstand, kommentiert: "Den Kodex-Vorgaben kommt bei Optionsprogrammen zwar nur eine Empfehlungsfunktion zu. Es hat aber seinen guten Grund, weshalb Abweichungen von den Kodex-Empfehlungen begründet werden müssen. Im Fall von Zalando wird auf diese Weise sehr deutlich, was sich die Leitungsgremien unter ausgewogen und angemessen vorstellen. Nach außen gibt sich der Zalando-Vorstand vergleichsweise bescheiden, das Gehalt der drei Vorstände mit insgesamt 600.000 Euro pro Jahr liegt für ein börsennotiertes Unternehmen im unteren Bereich. Doch ein Blick auf das Aktienoptionsprogramm spricht eine andere Sprache. In den vergangenen beiden Jahren haben die drei Vorstände hieraus insgesamt 19,2 Mio. Euro erhalten. Ob das Unternehmen dauerhaft gut beraten ist, Sonderregelungen abweichend vom DCGK in Anspruch zu nehmen, darf bezweifelt werden. Aktienoptionen selbst bei negativer Entwicklung des Unternehmens zuzusagen, widerspricht dem Leistungsprinzip und ist ein Schlag ins Gesicht der Aktionäre.“

Dr. Bastian Peiffer
Pressesprecher
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