Wie sich mit kreativen Ideen die Coronakrise bewältigen lässt

07.05.2020
Kommentieren
Merken
Drucken

Unternehmen kommt von 'unternehmen' und nicht von 'unterlassen'. Der Spruch ist ein alter Hut, gilt aber in diesen außergewöhnlich herausfordernden Zeiten mehr denn je. Wir ­haben in der Fotoausgabe in den vergangenen Wochen immer mal wieder von kleineren oder größeren Ideen Ihrer Kollegen ­berichtet, die auch Sie inspirieren sollen, der Krise so kreativ wie möglich zu begegnen. Heute möchten wir genau da anknüpfen und Ihnen zwei Aktionen vorstellen, die sich Ihr Kollege Folke Weber/Foto Weber in Haigerloch während der Corona-Schließzeit ausgedacht und kurzfristig umgesetzt hat.

'mi' hat WhatsApp-Print getestet
© Julia Lappert
'mi' hat WhatsApp-Print getestet

Kurz nachdem im März die inhabergeführten Geschäfte schließen mussten, hat sich Fotografenmeister Folke Weber an die Entwicklung einer neuen Geschäftsidee gemacht: „Ich hatte kurz zuvor wieder einmal eine Kundin im Geschäft, die Bilder von ihrem Smartphone wollte, was sich als extrem schwierig erwiesen hat. Natürlich helfen wir jedem Kunden immer gern bei uns vor Ort, doch ich wollte endlich eine ­Lösung haben, wie man das Bildergeschäft vom Smartphone ankurbeln und eine leicht zu handhabende Option für die Kunden zuhause anbieten kann“, erläutert der Fotounternehmer im Gespräch mit der 'mi'-Redaktion. Von der Idee zur Umsetzung des WhatsApp-Bilderservice vergingen nur knapp zwei Wochen: Die Kunden sollten einfach per Messenger ihre ­Fotos an die Handynummer des Fachgeschäfts schicken und dabei nicht auf die gewohnte Qualität verzichten müssen. Weber sicherte sich zunächst die URL www.whatsapp-print.de und ließ sich von einem Programmierer eine einfache Homepage bauen.

Folke Weber in Aktion
© Foto Weber
Folke Weber in Aktion

„Auf unserem Firmenrechner nutzen wir die WhatsApp-Desktop-App. Kommt ein Auftrag rein, sichern wir die Daten mit unserer Kiosksoftware von Silverlab und senden die Bilder auf unser Digitallab von Epson. Dort machen wir eine automatische Bildoptimierung und legen die Größe, die uns der Kunde per WhatsApp mitgeteilt hat, fest. Die komplette Kundenkommunikation läuft über den Messenger. Darüber erfahren wir alles, was wir wissen müssen. Die Bilder über WhatsApp-Print kosten genauso viel wie bei mir im Geschäft, hinzu kommt eine Versandgebühr von 4,99 €. Die Kunden bezahlen die Bildaufträge nach Erhalt per Rechnung“ , erläutert der Fotografenmeister weiter und fordert uns auf, den Service selbst zu ­testen.

Zugegeben, bei Bildern, die über WhatsApp versendet werden – selbst wenn sie mit einem guten Smartphone aufgenommen wurden – erwarten wir keine Topqualität der Abzüge wie von einer Kamera. Ihre Redaktionsleiterin sucht natürlich extra ein paar Bilder mit kräftigen Farben und unterschiedlichen Lichtverhältnissen aus Zeiten heraus, als man noch reisen durfte: zwei Aufnahmen aus Birmingham und eine vom Schloss Belvedere in Wien. Wir bekommen die Abzüge in den Formaten 10 × 15 cm und 15 × 20 cm zurückgeschickt – und sind, ehrlich gesagt, begeistert. Dass gedruckte Smart­phone-Bilder so gut aussehen können, hätten wir nicht für möglich gehalten. „Von den Aufnahmen hätte man auch locker auf das Format 20 × 30 cm vergrößern können“, so ­Weber. „Mein Vorteil ist, dass ich eine Postfiliale bei mir im Haus habe und jeden Auftrag, der eingeht, sofort verschicken kann. ­Dadurch kann ich relativ kurze Lieferzeiten von in der Regel 1 bis 2 ­Tagen garantieren – egal, ob mir ­jemand aus Stuttgart oder Hamburg seine WhatsApp-Bilder zum Drucken schickt.“ Der neue Service läuft nun seit gut einem Monat, 34 Aufträge hat Foto Weber seitdem über den Messenger ­bekommen. „Ein bis zwei Aufträge pro Tag kommen aktuell per WhatsApp rein, darunter sind auch ab und zu größere ­Aufträge. Das ist in Ordnung, darf aber natürlich auch gern noch mehr werden. Mir sind diese Bestellungen inzwischen fast lieber, weil sie auch für mich und ­meine Mitarbeiter schnell abzuwickeln sind“, so der ­Fotounternehmer.

Eine zweite neue Geschäftsidee während der Corona-Schließzeit hatte Folke Weber an Ostern. Viele Autoliebhaber verbringen momentan viel Zeit mit ihren Schätzchen zuhause in der Garage, anstatt schöne Ausfahrten unternehmen zu ­können. „Ich bin selbst ein Autofan und habe viel Spaß daran, ­Autos ­gekonnt in ­Szene zu setzen“, begründet der Fotografenmeister seine Motivation. Unter dem schönen Motto 'Ihr Heiligs­blechle als Star' startete er die Aktion, für die er unter seinen Kameraden bei der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr vorab Mo­del­le für Testshoo­tings suchte. Die Fotos aus diesen Shootings darf Weber für die Werbung nutzen, die er ausschließlich über die sozialen Netz­werke Facebook und Insta­gram sowie über seinen ­eigenen Whats­App-Status laufen ließ. In rund anderthalb Wochen hat er vier feste Buchungen für das Shooting bekommen. „Ich habe mir zwei verschiedene Punkte auf Feldern rausgesucht, zu ­denen wir abends gegen 20 Uhr mit den Autos oder Motorrädern fahren. Ich hab immer mein portables ­Studio von Hensel, große Taschen­lampen, einen Windgenerator, eine Nebel­maschine und ein Notstromaggregat dabei“ , erklärt Folke Weber. Das Paket, das er für 198 € anbietet, enthält das Shooting, ein Poster im Format 30 × 40 cm und eine Whats­App-Datei. „Wir leben hier auf dem Land. Zu mir ins Geschäft kommen Bauern, Bauarbeiter, aber auch Geschäftsführer von großen Unternehmen. Ich lebe nicht nur von den Reichen, sondern ich will auch, dass sich junge Kerle, die oft ein großes Faible für Autos haben, ein solches Shooting leisten können“, so Weber im Gespräch mit 'mi'.

Erste Shootingbilder aus der 'Heiligsblechle'-Aktion
© Folke Weber
Erste Shootingbilder aus der 'Heiligsblechle'-Aktion

'mi'-Fazit: Großes Kompliment an Folke Weber und sein Team, dass sie nicht den Kopf in den Sand gesteckt haben, sondern die Zeit zur Entwicklung von tollen Ideen nutzen, die auch für Post-Corona-Zeiten sehr hilfreich sein werden. Und wieder einmal zeigt sich: Wer einfach mal etwas ausprobiert, anstatt zu lange darüber nachzudenken, wird oft belohnt! Wir wünschen Folke Weber größtmögliche Erfolge mit der Heiligsblechle-Aktion und dem WhatsApp-Print­service. Welche Ideen hatten Sie in den vergangenen ­Wochen und was haben Sie davon bereits umgesetzt?

Julia Lappert
Redaktionsleiterin
Schlagwörter:
,
,
Kontakt
Zur Redaktion
Ausgaben und Beilagen
Neue Ausgaben und Beilagen als PDF oder direkt im Browser lesen:
Alle Ausgaben und Beilagen
Beliebte Schlagwörter miDirekt

miDIREKT Login

Dieser Inhalt ist nur mit einem entsprechenden miAbo zugänglich. Falls Sie über ein miAbo verfügen, können Sie sich hier einloggen.

Abbrechen
Wir haben Ihnen einen Link zur Erstellung eines neuen Passwortes geschickt. Bitte überprüfen Sie Ihren Posteingang.

Sie benötigen Unterstützung? - Hier geht´s zum Hilfebereich.
Wenn Sie sich über unsere Abo-Angebote informieren möchten, klicken Sie hier:
Liebe Leserinnen und Leser,
in unserem monatlichen Newsletter erhalten Sie regelmäßig einen Überblick über die wichtigsten Nachrichten, Standpunkte, Experten-Tipps, Ratgeber sowie aktuelle Verlagsaktionen, die Sie im täglichen Geschäft gewinnsteigernd einsetzen können.
Abonnieren Sie jetzt den kostenlosen markt intern-Newsletter






* Pflichtfelder

Artikel teilen

Bitte wählen Sie eine Plattform, auf der Sie den Artikel teilen möchten:

Merkliste
Sie sind noch nicht angemeldet.
Bitte melden Sie sich als User an, dann können wir Ihre Merkliste erweitern.

Abbrechen

Legende
  • frei zugängliche, gekaufte oder jene Artikel, die in Ihren Abonnements enthalten sind.
  • Artikel, die Sie mit Ihrem erworbenen Pass-Kontingent
    (Tagespass oder 5 Artikel PLUS Pass) freischalten können.
  • gesperrte Artikel, die Sie durch den Kauf eines Passes
    (Tagespass oder 5 Artikel PLUS Pass) oder Abonnements freischalten können.

Bitte beachten Sie, dass der Tagespass nur Artikel beinhaltet, die nicht älter als 7 Tage sind. Details entnehmen Sie bitte unserer Abo-Übersicht. Alle Ihre gekauften Produkte finden Sie nach Login unter MEIN MI rechts oben im Hauptmenü.