Berufsschule — Wie sich die Vermittlung von Umgangsformen in den regulären Unterricht einbinden lässt

13.05.2020
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„Gutes Benehmen als Schulfach, das ist das, was dem einen oder anderen Auszubildenden guttun würde […],“ wird manch ein Ausbilder denken, wenn eines seiner Schäfchen im Kundenkontakt wieder einmal in ein Fettnäpfchen tritt – im schlimmsten Fall sogar zum wiederholten Male und das auch noch mit Anlauf.

Bei näherer Betrachtung wird aber schnell klar:  Die Ausbildunsgzeit ist begrenzt und  das zu erlernende elektrotechnische Fachwissen ist anspruchsvoll. Sollte ein Elektro-­Azubi darüber hinaus ein übermäßiges Interesse am Erlernen von Benimm-Regeln haben, dann wäre eine Ausbildung zur 'Fachkraft im Gastgewerbe' wohl die bessere Berufswahl gewesen. Was daraus folgt ist klar: Für die Vermittlung professioneller Verhaltensweisen im Umgang mit Kunden muss es im installierenden Fachhandwerk einen praktikablen Mittelweg geben. Wie ein solcher Mittelweg aussehen könnte, zeigte zuletzt die Elektro-Innung Düsseldorf:

Gemeinsam mit dem Heinrich-Hertz-Berufskolleg (HHBK) initiierte die Innung in diesem Jahr mit dem 'Azubi Power Day' erstmals ein bundesweit wohl einzigartiges Pilotprojekt. Dabei vermittelte die Business-Psychologin Wilma Werner den insgesamt 220 Auszubildenden, worauf es im installierenden Fachhandwerk wirklich ankommt. Im persönlichen Gespräch mit 'markt intern' Elektro-Installation skizziert die Handwerks-Expertin das Konzept unter anderem so:

Wilma Werner
Wilma Werner

„Das Training erfolgte in zwei Gruppen im Rahmen des regulären Berufsschulblocks. Es wurde von der Elektro-Innung Düsseldorf, dem Förderverein des HHBK und der Elektrogemeinschaft Düsseldorf finanziert. Inhaltlich ging es darum, wichtige Grundregeln zu Höflichkeit, zum Auftreten und zum sorgfältigen Umgang mit Arbeitsutensilien zu vermitteln.“ Auf miEI-Nachfrage lässt Wilma Werner außerdem durchblicken: Insbesondere der angemessene Umgang mit der Nutzung mobiler Endgeräte stellt viele Azubis heute – im digitalen Zeitalter – vor große Herausforderungen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. So gibt die Expertin zu bedenken: „Zeitgemäße mobile Endgeräte verfügen über sehr viele Anwendungsmöglichkeiten. In der täglichen Praxis ist vielen Menschen gar nicht mehr bewusst, wie oft man mal eben zum Handy greift. Im Rahmen von Rollenspielen, Quizfragen, praktischen Übungen und Transferaufgaben geht es unter anderem auch darum, Azubis für diese Tatsache zu sensibilisieren. Es geht darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass das Handy während der Arbeit in der Tasche bleibt. Jeder Azubi sollte folgenden Grundsatz verinnerlichen: Wenn ich arbeite, dann arbeite ich.“

Konkret soll das wohl heißen:  Ich beantworte keine privaten Nachrichten  Ich informiere mich nicht über aktuelle Sport-Ereignisse  Ich verzichte auf Videospiele (auch dann, wenn sie nur „ganz kurz“ sind)  Ich lasse keine fachfremden YouTube-Filmchen laufen und  komme auch gar nicht erst auf die Idee, meine Kollegen oder gar den Auftraggeber zu filmen, um das Ganze dann bei Facebook oder anderen Social-­Media-Kanälen zu posten. Die Verlockungen der Ablenkung sind im digitalen Zeitalter extrem groß. Diesen gilt es zu widerstehen.

Kai Hofmann
Kai Hofmann

Mobile Endgeräte sind für jeden einzelnen von uns in vielen Lebenslagen eine große Hilfe. Die Geräte sind dermaßen selbsterklärend, dass man keine übermäßige technische Affinität mehr benötigt, um verschiedenste Apps nutzen zu können. Hinzu kommt: Mit steigender technischer Affinität erhöhen sich bei jedem Anwender zugleich auch dessen individuelle Möglichkeiten, sich ablenken zu lassen. Azubis aus dem Elektro-­Handwerk verfügen im Vergleich zu Altersgenossen anderer Berufsgruppen naturgemäß über eine besondere technische Affinität. Deshalb spricht vieles dafür, dass insbesondere das elektrotechnische Fachhandwerk für digitale Ablenkungen besonders empfänglich ist. Hier gilt es rechtzeitig gegenzusteuern. Und wenn die Azubi Power Days hier einen ­konstruktiven Beitrag leisten können, dann ist das eine gute Sache. Deshalb möchte miEI es sich nicht nehmen lassen, die Elektro-­Innung Düsseldorf zu ihrer Initiative zu beglückwünschen. Insbesondere die Art und Weise wie es hier gelungen ist, die Vermittlung von Umgangsformen in die laufende Berufs­ausbildung zu integrieren, verdient höchsten Respekt. Dies bereichert einerseits die Ausbildung, andererseits geht das Ganze nicht zu Lasten anderer Lehrinhalte. Auf miEI-Nachfrage unterstreicht Obermeister Kai Hofmann ganz bewusst wie wichtig es für die Ausbildung ist, fachlichen Input und die sog. Soft Skills miteinander zu verzahnen:

„Auszubildende sind die Botschafter ihres Betriebs. Um in dieser Rolle erfolgreich zu sein, sind gute Arbeitsleistungen natürlich Voraussetzung. Einwandfreie Umgangsformen und eine souveräne Kundenkommunikation sind aber ebenfalls wichtig. Um hier Fortschritte zu erzielen, haben wir den Azubi Power Day ins Leben gerufen.“

Fakten, die nicht von der Hand zu weisen sind. Für eine erste Orientierungshilfe können potenzielle Interessenten unter www.wilma-werner.de weitere Informationen zu dem Trainingskonzept einsehen. Auf der Website ist unter anderem der Azubi Power Day bei der Elektro-Innung Düsseldorf als Referenzprojekt vorgestellt. Auch deshalb …

… gilt für Sie:  Überlegen Sie, welcher konstruktive Hinweis Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der einen oder anderen Stelle voranbringen könnte  Nutzen Sie etwaige – coronabedingte – zeitliche Ressourcen dafür, bei Ihrem Team die Sinne für angemessenes Verhalten im Bereich der Kunden-Kommunikation zu schärfen  Setzen Sie auf Einsicht und verzichten Sie nach Möglichkeit auf den erhobenen Zeigefinger, wenn Sie auf nachhaltige Verhaltens­änderungen hinwirken möchten  Junge Menschen neigen dazu, selbstbestimmt zu handeln und ihre Freiheiten zu nutzen – doch wirklich frei ist ein Mensch erst, wenn er verstanden hat: Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit  Wenn diese Botschaft bei Ihren Azubis und bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ankommt, ist die 'Visitenkarte' ­Ihres Fachbetriebs auf einem guten Weg!

RA Oliver Blumberg
Chefredakteur
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