Bei der PC-Brille gilt die freie Augenoptikerwahl: Doch Großunternehmen wie Remondis drängen Arbeitnehmer zu Filialisten und Ketten

03.07.2017
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Rund 40 Millionen Deutsche und damit fast zwei Drittel der erwachsenen Bundesbürger brauchen eine Sehhilfe. Gerade Brillenträger, die acht Stunden und mehr an einem Computermonitor arbeiten, sind oft auf eine sogenannte Bildschirmarbeitsplatzbrille, kurz PC-Brille, angewiesen. Der Gesetzgeber misst diesem Thema eine hohe Bedeutung bei: Bei Bedarf wird jedem Arbeitnehmer eine entsprechende Brille garantiert. Die Kosten für die Untersuchung durch einen Augenarzt und auch für die Beschaffung der Brille beim Augenoptiker trägt der Arbeitgeber. Was Arbeitnehmer oft nicht wissen und ihnen zuweilen auch vom Arbeitgeber nicht gesagt wird: Sie können den Augenoptiker ihres Vertrauens frei wählen, auch wenn der Arbeitgeber im Zuge eines Rahmenvertrages einen anderen Augenoptiker empfiehlt.

Um Kosten und Verwaltungsaufwand zu minimieren, schließen große Unternehmen gerne Rahmenverträge mit Augenoptikern. In diesen Verträgen wird meist festgehalten, dass jeder Arbeitnehmer bei Bedarf Anspruch auf eine PC-Brille zu dem Preis hat, die eine entsprechende Sehhilfe beim Vertragsoptiker kostet. Er kann diese dennoch auch bei jedem anderen Augenoptiker erwerben. Deshalb stellen Rahmenverträge für den Arbeitnehmer nur ein Angebot, niemals eine Verpflichtung dar. Konkret heißt das, er kann im Rahmen des im Vertrag zugesagten Arbeitgeber-Zuschusses (entspricht den Kosten der Bildschirmarbeitsplatzbrille beim Vertragspartner) eine entsprechende Brille auch bei seinem Stammoptiker beziehen und die Kosten an seinen Arbeitgeber weiterreichen.

Nach Recherchen von 'markt intern' drängen einige Unternehmen ihre Mitarbeiter jedoch dazu, ihre Brille bei einer bestimmten Optiker-Kette zu erwerben. Die gesetzlich garantierte freie Augenoptikerwahl wird in diesen Fällen mit manipulativen Mitteln ausgehebelt. Aktuelles Negativbeispiel: Deutschlands größtes Recyclingunternehmen Remondis. Auf den entsprechenden Vordrucken des Unternehmens, mit denen eine PC-Brille beantragt werden kann, findet sich im Feld für die Anschrift des gewählten Augenoptikers z. B. der Passus: „Anschrift Fielmann-Niederlassung“ .  'markt intern'-Augenoptik-Chefredakteur Marko Schucht berichtet: „Das Beispiel Remondis zeigt jedem Arbeitgeber und Arbeitnehmer exakt, wie es nicht geht. Das gesetzlich garantierte Prinzip der freien Augenoptikerwahl wird hier mit Füßen getreten. Auf eine Brille angewiesene Mitarbeiter sehen sich mit manipulativen Methoden in einen Vertrag mit Fielmann gedrängt.“

Gegenüber 'markt intern' erklärte ein Remondis-Sprecher:  Sollte ein Mitarbeiter sich doch für seinen Stamm-Augenoptiker entscheiden, würde dies „die Sache aber administrativ komplizieren. Das ist aber meines Wissens noch nicht vorgekommen. Inwiefern in einem solchen Fall der bei Fielmann anfallende Preis anteilig angerechnet werden kann, müsste ggf. im Einzelfall mit dem jeweiligen Vorgesetzten geklärt werden.“

Marko Schucht: „Auch wenn Remondis nicht ausdrücklich die Wahl eines anderen Augenoptikers als Fielmann verbietet, wirkt das System. Von den rund 30.000 Mitarbeitern hat es offenbar keiner gewagt, einen anderen Augenoptiker zu wählen. 'markt intern' empfiehlt jedoch jedem Arbeitnehmer, bei einer solch wichtigen Arbeitshilfe wie einer PC-Brille auf sein verbrieftes Recht zu pochen und zum Augenoptiker seines Vertrauens zu gehen.“

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Dr. Bastian Peiffer
Pressesprecher

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