SugarTrends-Gründer Tim Lagerpusch im Interview

15.06.2016
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SugarTrends-Gründer Tim Lagerpusch im Interview mit Chantal Tessmann-Wagner

markt intern
: Wie kann die Zusammenarbeit mit dem Händler aus Ihrer Sicht optimiert werden? Was hat sich SugarTrends vorgenommen, um die Zusammenarbeit noch zu verbessern?

Tim Lagerpusch: Wir wollen die Benutzbarkeit unseres Webshopsystems noch weiter verbessern, so dass es dem Händler Spaß macht, die Produkte online zu bringen. Hier möchten wir noch einiges userfreundlicher machen. Wir wollen auf allen, von unseren Läden präferierten Kanälen rund um die Uhr verfügbar sein.

mi: Was kann oder sollte der Händler tun?

SugarTrends-Gründer Tim Lagerpusch
SugarTrends-Gründer Tim Lagerpusch

Lagerpusch: Viele Läden haben noch alte Webseiten. Ein Relaunch der eigenen Website wäre gut. Diese sollte responsive sein und für Google optimiert. Die Händler sollten lernen, dass in ihren Läden nicht nur das Licht und die Musik, sondern auch der Computer an ist. Digitale Anfragen werden manchmal noch nicht primär behandelt. Viele Kunden wollen z. B. per WhatsApp bestellen, doch die Händler nutzen den WhatsApp-Kanal kaum. Auch die Social Media-Kanäle sollten noch mehr genutzt werden, um mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die Social Media-Kanäle und die Website sind die digitalen Schaufenster der Läden, in ihrer Gestaltung und Frequenz der Bespielung liegt eine große Chance, die Kunden zu erreichen. Dazu gehört allerdings auch, dass Händler ihre Hardware aufrüsten. Ein neues Smartphone, mit dem man fotografieren kann, und ein neuer Rechner würden teilweise schon sehr helfen. Auch die Produkthersteller könnten hier helfen. Das Thema Datenmanagement ist ein Stichpunkt, und die wichtige Frage, die wir uns zurzeit stellen, ist: Können die Hersteller die Produktdaten und -fotos für den Online-Shop kleiner Händler zur Verfügung stellen? Jeder einzelne Laden sollte seine vielen eigenen Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten. Unsere Händler sollten definieren, wo sie sich gut auskennen, und dann ihre Geschichten erzählen.

mi: Was ist die Vision – wo sieht sich SugarTrends in drei Jahren?

Lagerpusch: In drei Jahren wollen wir 5.000 bis 10.000 Läden auf unserer Plattform haben – crossnational. Die Läden sollen im Schnitt 20-30 % ihrer Umsätze durch Online-Bestellungen erzielen. Wir wollen den Läden noch mehr Vorteile liefern und ein digitaler Dienstleister für die Händler werden, für Marketing, für Datenmanagement und für die Beschaffung. Wir werden zum digitalen Allround-Dienstleister für das Geschäftsmodell ´unabhängiger Laden´. Zum Beispiel wollen wir den Händlern helfen, sich auf Instagram oder in anderen Social Media–Kanälen zu positionieren. Zudem möchten wir durch weitere Finanzierungsrunden die Plattform weiter ausbauen und auch das Team vergrößern.

mi: Wie schwer ist es, sich als kleinere lokale Plattform gegenüber Locafox oder auch Plattformen wie Etsy/Dawanda bzw. Handmade at amazon zu behaupten? Was ist der USP von SugarTrends?

Lagerpusch: Unser USP ist es, aus jeder Stadt nur die ´Oasen´ aufzunehmen, kleine inhabergeführte Läden mit Charakter, die keine Ketten sind. Man findet diese Oasen überregional und international. Dazu kommt ein lokaler Touch mit der Stadt – es geht darum, dass man die „Schokopralinen aus Heidelberg“ bestellen kann. (Anm. d. Redaktion: Während unseres Interviews kam eine Bestellung aus Saskatchewan/Kanada rein; der Kunde hat Heidelberger Schokoladen-Pralinen bestellt.) Eine Abdeckung aller Läden einer Stadt, wie z. B. bei Locafox, steht bei SugarTrends nicht im Zentrum. Bei uns geht es um die ausgewählten Geschichten, die eine Einzigartigkeit haben und das Boutiquefeeling wiedergeben. SugarTrends ist eine Community.

mi: Bekommt der Händler durch das Online-Angebot auch mehr Kunden in seinen Laden oder entsteht eher ein Kannibalisierungseffekt?

Lagerpusch: Es ist so, dass der Händler mehr Kunden bekommt. Es gibt Online-Bestellungen von neuen Kunden, die den Laden vorher nicht kannten, und Kunden geben uns bereits Feedback, dass auch neue Kunden im Laden vorbeikommen, die den Laden online entdeckt haben. Es passiert z. B. auch, dass Kunden etwas als Geschenk bestellen und der Beschenkte es gleich im Laden abholt; damit hat das Geschäft einen neuen Kunden gewonnen. Es gibt natürlich auch den Fall, dass online bestellte Ware im Laden retourniert wird und sich auch daraus die Chance eines Einkaufs ergibt.

mi: Wie genau ist der Ablauf für den Händler, um seine Produkte online darzustellen? Muss der Händler alles selbst machen?

Lagerpusch: Im Moment bekommt der Händler von uns einen Login für seinen SugarTrends-Shop. Diesen bestückt er selbst mit Produkten, Bildern, Beschreibungen und Preisen. Je mehr er die Produkte beschreibt, umso stärker wird er in Google gefunden. Zurzeit entwickeln wir gerade Dienstleistungen, um die Händler bei dieser Beschreibung zur Suchmaschinenoptimierung zu unterstützen. Ein anderes Beispiel sind Läden, die einen eigenen Webshop haben. Der Kunde braucht seine Daten nur einmal einzupflegen und der Kundenwebshop synchronisiert sich dann mit der Shopseite auf SugarTrends.

mi: Was genau sind die drei wesentlichen Säulen, die SugarTrends für einen Händler attraktiv machen?

Lagerpusch: Webshopfunktion mit Zusatzdienstleistungen, Positive Umgebung von anderen ausgewählten Läden und größere Reichweite, Vertrauensvolles Miteinander

mi: Es gibt derzeit noch eine Vielzahl verschiedener lokaler Marktplätze. Wie sehen Sie die Entwicklung des Marktes in den nächsten ein bis zwei Jahren?

Lagerpusch: Es werden noch mehr Marktplätze hinzukommen, und es wird auch Konsolidierungen geben. Ich glaube, dass die Welt insgesamt noch globaler und das Versenden internationaler Pakete noch viel einfacher und üblicher wird. SugarTrends fühlt sich durch seine internationale Orientierung für diese Herausforderung gut gerüstet.

mi: Wie wird Ihre Plattform befeuert? Welche Marketing-Aktivitäten entwickeln Sie on- und offline?

Lagerpusch: Wir machen viel PR und sind im engen Austausch mit verschiedenen Partnern. Wir kommunizieren für alle Läden als SugarTrends-Plattform. Für die Website erstellen wir Themenkollektionen, die einen Kaufanreiz setzen oder entwickeln Stöberpakete. Unser Ziel ist es, die Reichweite durch die Kraft aller Beteiligten zu vergrößern. SEM, SEO, Social Media-Marketing etc. Bei unseren Marketing- Maßnahmen achten wir darauf, dass wir User erreichen, die das Kleine und Feine und Einzigartige wertschätzen.

mi: Wie ist dabei das Zusammenspiel mit den Händlern?

Lagerpusch: Wir zählen bei jedem einzelnen Laden darauf, dass er publik macht, dass er bei SugarTrends ist und dass er stolz ist, Teil dieses Netzwerks zu sein. Manche Händler fürchten die Konkurrenz im Marktplatz. Dabei ist es wichtig, dass die Händler verstehen, dass es hier gar nicht darum geht, dass man sich kannibalisiert, wenn es Konkurrenz gibt, sondern, dass man sich auch gegenseitig stärkt und auch empfiehlt und, dass jeder Laden für sich selbst einzigartig ist.

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