Prof. Dr. Gerrit Heinemann im Interview: Amazon Bookstore „der Buchladen der Zukunft“?

10.02.2016
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Kaum eine Nachricht hat die Welt des Handels in den letzten Wochen so bewegt, wie das Gerücht, Amazon plane die Gründung einer stationären Buchhandelskette mit Hunderten Filialen in den USA. Was bedeutet der vermeintliche Einstieg des E-Commerce-Riesen in die Welt des stationären Handels? Chantal Tessmann-Wagner hat den E-Commerce Experten Prof. Dr. Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach für markt intern befragt.

markt intern: Ist der Amazon Bookstore – und das eventuelle Ausweiten auf 400 Läden - ernst zu nehmen?

Prof. Heinemann: Wenn man sich den Amazon Bookstore in Seattle anschaut, sollte man ihn mehr als ernst nehmen. Es handelt sich um einen Buchladen, von dem andere Buchanbieter sicherlich lernen können, wie der stationäre Buchladen der Zukunft aussehen wird.

markt intern: Wie sieht der stationäre Buchladen der Zukunft aus?

Prof. Heinemann: Wenn man sich die Frage stellt, warum Amazon online so erfolgreich ist, dann sicherlich, weil Amazon es unter dem Stichwort Kundenzentralität geschafft hat es „einfach zu machen“ und den Begriff der Usability – das heißt den schnellen und bequemen Einkauf – zu positionieren. Und diese Usability wendet Amazon nun auch auf der stationären Fläche an. Ich nenne dies die „Ultimative Usability im Store“.

markt intern: Was heißt das genau?

Prof. Heinemann: Das heißt, der Kunde, auch wenn er im Laden steht, hat gar nicht mehr das Gefühl, in einem Verkaufsraum zu sein. Der Kanal wird egal. Im Grunde haben die Kunden jetzt mit dem Bookstore den bisher fehlenden Baustein bei Amazon zu ihrer customer journey [bezeichnet die einzelnen Zyklen, die ein Kunde durchläuft, bevor er sich für den Kauf eines Produktes entscheidet; Anm. d. Red.], nämlich „touch&feel“, vorliegen. Zwar vorerst nur bei Büchern, aber demnächst wahrscheinlich auch irgendwann für andere Sortimente. Mit der „Ultimativen Usability“ kann der Kunde entsprechend seiner individuellen Suchstrategie, sei es nach Bewertung, Bestseller oder Themen, sein Produkt finden. Und nicht wie es in der unflexiblen Warenstruktur vorgegeben ist nach dem 50erJahre-Prinzip: "Draußen gibt's nur Kännchen."

markt intern: Was würden Sie dem Fachhandel vor Ort raten? Wie kann er mit der „Ultimativen Usability“ Kunden gewinnen?

Prof. Heinemann: Indem er seine stationären Formate aus der Online-Perspektive heraus neu erfindet. Innovative Ladenformate werden vor allem Gewicht auf digitale Anwendungen legen müssen. Die Schlüsselrolle spielt dabei sicherlich das Smartphone, sowohl bei Web-to-Store als auch bei Web-in-Store. Das in Kombination mit einer Master-App, die alle Shop-Funktionen bis hin zur Bezahlung App-basiert zusammenführt und den Einkauf völlig unabhängig von Zeit, Ort und Bedienung macht.

 

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