PRODUCTMATE-Geschäftsführer Benedict Sebesta im Gespräch

15.12.2016
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PRODUCTMATE-Geschäftsführer Benedict Sebesta im Gespräch mit Chantal Tessmann-Wagner

markt intern
: Im Vergleich zu Wettbewerbern betreiben Sie mit Productmate einen reinen Online-Showroom, d. h. der Kunde kann online weder kaufen noch Waren reservieren. Wie bewerten Sie dies aus Sicht des Verbrauchers?

Benedict Sebesta: Der reine Online-Showroom ist die Basisversion für den Content-Aufbau von PRODUCTMATE. Aktuell streben wir eine gewisse Content-Dichte bzw. Datengrundlage an, beobachten den Markt und eruieren die bestmöglichen Mechanismen für PRODUCTMATE. Hier agieren wir in typischer Bootstrapping-Manier [von engl. bootstrap ‚Stiefelriemen', meint hier aus eigener Kraft etwas aufbauen. Anm. d. Red.], indem wir durch Learnings und Testings unseren Markt immer besser kennenlernen wollen, um anschließend zielführende Entscheidungen treffen zu können. Insbesondere steht die Optimierung der Interaktion zwischen Partner-Unternehmen und Nutzer im Vordergrund. Über den virtuellen Online-Showroom mit Stimmungsbildern wird aktuell Bedarf für einen Kauf vor Ort geweckt.

PRODUCTMATE-Geschäftsführer Benedict Sebesta
PRODUCTMATE-Geschäftsführer Benedict Sebesta

Nutzer werden mit Hilfe qualitativer Bildwelten für Erlebnisse und Produkte in ihrer Nähe sensibilisiert, welche sonst größtenteils im Verborgenen geblieben wären. Wir haben uns anfangs bewusst für einen reinen Online-Showroom entschieden, um Menschen Impulse zu geben, sich in einer Stadt mit den besten Inhalten auseinanderzusetzen und anschließend das entsprechende Geschäft vor Ort zu besuchen. Dies soll in der ersten Instanz dazu dienen, die Laufkundschaft und die Besucherfrequenz eines Geschäfts zu erhöhen. Durch das Wachstum in weitere Städte / Länder wird das Thema ´Reisen´ in der Zukunft einen größeren Stellenwert bei PRODUCTMATE einnehmen. Der momentane Verzicht auf eine Bestell- und Reservierungsfunktion ist teilweise auf technische Hürden sowie Aufwände bei unseren Partner-Unternehmen zurückzuführen. Aktuell liegt der Fokus auf dem Wachstum mit originellen und interessanten Inhalten. Aus unserer Sicht, sowie aus der Sicht des Verbrauchers, ist das natürlich nicht ausreichend und auch noch lange nicht das Ende der Mehrwerte, die wir peu à peu zukünftig integrieren möchten. PRODUCTMATE-Nutzer möchten (Learning via User-Testings) ebenso Produkte über die Online-Shops unserer Partner-Unternehmen bestellen sowie z. B. Kontakt zum jeweiligen Geschäft aufnehmen oder auch eine Produkt-Anfrage stellen. Deshalb integrieren wir z. B. ab 2017 eine Weiterleitung zu allen Online-Shops unserer Partner-Unternehmen, damit Nutzer auf den virtuellen Showrooms und Produktdetailseiten in Erfahrung bringen können, welche Produkte online verfügbar sind, damit die Abverkäufe steigen. Zudem arbeiten wir gerade verstärkt an der Optimierung der ´user journey’. So entstehen z. B. beim nächsten Update Themenwelten, in welche verschiedene Zielgruppen regional oder thematisch eintauchen können, damit die Inhalte je nach Geschmack und ´need' zielgerichtet ausgesteuert werden und den Nutzer schlussendlich zufriedenstellen. Zudem haben wir seit November 2016 unseren ersten Pop-up-Store in Hamburg eröffnet, in dem besondere Produkte von über 30 Partner-Unternehmen aus ganz Deutschland verkauft werden. Durch das stetig wachsende Netzwerk aus Partner-Unternehmen entstehen auch stets neue Möglichkeiten.

mi: Wettbewerber setzen vermehrt auf Same-Day-Delivery, teilweise als Fullservice für den Händler, der die bestellte Ware nicht einmal selbst verpacken muss. Planen Sie, mittelfristig einen vergleichbaren Service anzubieten?

Sebesta: Mittel- bis langfristig ist dies gut vorstellbar. Hier möchten wir die Entwicklungen im Bereich Logistik, Transport, Same-Day-Delivery etc. noch etwas beobachten, um die bestmögliche Lösung für unsere Kunden und Nutzer zu etablieren. Definitiv sehen wir Mehrwerte für PRODUCTMATE, unsere Partner-Unternehmen und Nutzer bei der Integration derartiger Services. Gleichzeitig müssen wir die unterschiedlichen Gattungen unserer Partner-Unternehmen berücksichtigen. Während wir Unternehmen mit Verfügbarkeiten von Waren angebunden haben, ist ´Same Day Delivery´ bei einem Teil unserer Partner-Unternehmen keine passgenaue Lösung, da es sich oftmals um individuelle Auftragsarbeiten oder Produkte mit hohem Beratungsbedarf handelt. Spannend sind hier zukünftig digitale Echtzeitberatungen in Kombination mit einer anschließenden Bestellung. Letztendlich bietet es sich bei einigen unserer Partner-Unternehmen an, bei anderen wiederum nicht.

mi: Welche sind die wesentlichen Säulen, die PRODUCTMATE für einen Händler attraktiv machen. Bitte nennen Sie drei.

Sebesta: Kuratierte Auswahl und qualitative Darstellung der Partner-Unternehmen in einem repräsentativen Umfeld. Steigerung der Bekanntheit sowie der Reichweite bei einer design- und qualitätsaffinen Nischen-Zielgruppe. Jedes Partner-Unternehmen erhält einen sogenannten „MATE“, einen persönlichen Ansprechpartner aus dem Support, der das jeweilige Partner-Unternehmen während seiner Teilnahme begleitet und bei jeglichen Handlungen unterstützt. In Progress: Interaktion/Kontaktanbahnung zwischen Partner-Unternehmen und Nutzern.

mi: Es gibt derzeit noch eine Vielzahl verschiedener Lokaler Marktplätze. Wie sehen Sie die Entwicklung des Marktes in den nächsten ein bis zwei Jahren?

Sebesta:  Der Fokus liegt wieder vermehrt auf lokalen Produkten, da die Leute bewusster einkaufen gehen und ihre Region stärken wollen. Das Bewusstsein für nachhaltige, hoch-qualitative Dinge wächst momentan immer stärker, dies sieht man z. B. im Food-Bereich sehr stark. Ebenso wird dieser Trend deutlich durch das Aufploppen regionaler Burger- oder Bio-Läden sowie Food Trucks. Die Logistik wird vermehrt dezentralisiert. ´Local´ als Gegentrend zur Digitalisierung. Die Nachfrage nach lokalen Angeboten, Erlebnissen und Leistungen nimmt zu. Die Digitalisierung der lokalen Geschäftsmodelle führt zu höherem Komfort für Verbraucher. Der lokale Handel zieht nach, was Online-Shops bereits seit Jahren praktizieren (z.B. Nutzerdaten als Entscheidungsgrundlage nutzen), wird sich auch in Offline-Konzepten etablieren und Mehrwerte für Verbraucher und Geschäfte ermöglichen. Online und offline werden immer mehr zusammenwachsen. Die Möglichkeit für eine schnelle Interaktion zwischen Verbraucher und Geschäft ist wichtig. Local ist ein Gegentrend zur Digitalisierung. Durch die Abstumpfung der lokalen Sinne (Überflutung reiner Online-Player für jegliche ´needs‘), hat sich wieder vermehrt der ´need' auf etwas Echtes, Lokales entwickelt. Local hat ein enormes Wachstumspotential, da Authentizität und geografische Erreichbarkeit unmittelbar miteinander einhergehen. Es werden zunehmend digitale Mechanismen in der analogen Welt etabliert (z. B. Personenzähler bei Edeka, mit Tablets bestellen im Restaurant, digitale Preisschilder im Supermarkt, usw.). Der Offline-Markt wird immer digitaler, im Sinne des Verbrauchers. Es gibt ein enormes Potenzial für digitale Lösungen, die in der analogen Welt stattfinden können (Stichpunkt: ´Cross Industrial Innovation´). Digital resistente Konzepte werden mittel- bis langfristig durch zeitgemäße Multichannel-Player ersetzt. Die Herausforderung für die ´old schooler‘ ist, sich den neuen Mechanismen zu stellen, anstatt ihnen aus dem Weg zu gehen. Lokale Marktplätze werden vermehrt im Marketing-Mix berücksichtigt.

mi: Was ist Ihre Vision – wo sehen Sie PRODUCTMATE in drei Jahren?

Sebesta: Das Beste lokaler Anbieter erlebbar machen. Wir streben danach, die Erlebnisse / Handlungen der Menschen sowohl innerhalb als auch außerhalb ihrer gewohnten Umgebung zu bereichern und zu inspirieren. Wir erweitern unser Angebot kontinuierlich, um einzigartige Produkte, Services und Orte aus aller Welt, die wir auf PRODUCTMATE bündeln. Wir überzeugen mit hochwertigen Bildwelten, einem reizvollen Angebot und einer auf Interaktion ausgerichteten Plattform. PRODUCTMATE ist die Anlaufstelle für kurzweilige Shopping-Inspiration mit dem Fokus auf europäische Ballungsgebiete. Eine bedarfsweckende sowie -deckende Plattform für qualitative Inhalte. Ein Tool für Städtereisende, die in Metropolen Europas Handlungsempfehlungen für die Freizeitgestaltung und das Konsumverhalten erhalten. PRODUCTMATE ist ein smarter Kamerad, der Menschen auf Basis ihres Interaktionsverhaltens sowie ihrer Interessen berät und auf dem Laufenden hält (möglichst automatisiert, Stichpunkt: ´machine based learning‘).

mi: Wie sind Ihre Erfahrungen? Sorgt ein Showroom auf Ihrer Plattform für eine höhere Frequenz am POS?

Sebesta: Da wir einen sehr persönlichen Kontakt zu all unseren Partner-Unternehmen in ganz Deutschland pflegen und diese mit uns im Austausch stehen, erfahren wir regelmäßig von Besuchern, die über PRODUCTMATE in den Laden gekommen sind; aktuell über das Feedback von Partner-Unternehmen. Öfter erhalten wir Anrufe von interessierten Nutzern, die Rückfragen zu bestimmten Produkten stellen. Es handelt sich hierbei auch oft um Geschenk-Vorbereitungen für Dritte oder Firmengeschenke im B2B-Bereich. Wir werden im nächsten Jahr Testings vollziehen, um so die Akzeptanz einzelner Mechanismen besser zu evaluieren. Insbesondere möchten wir abwägen, welche Tracking-Mechanismen am besten passen, da sich der Handel im Wandel befindet. Dabei berücksichtigen wir: Gutscheine, Angebote, Check-ins [meint die lokale Ortung eines Users z. B. via Smartphone. Anm. d. Red.], Click and Collect, mobile payment, etc.

mi: Lokale Marktplätze sind ein kapitalintensives Geschäft. Wie finanzieren Sie sich?

Sebesta: Jeder Gründungsgesellschafter hat anfangs 25.000 Euro Eigenkapital für die Entwicklung eines Prototypen eingebracht, um damit einen Proof of Concept für die Akzeptanz bei potentiellen Partner-Unternehmen in Hamburg zu erlangen. Darüber hinaus hat das Unternehmen im Jahr 2015 eine Förderung in Form eines Zuschusses im hohen fünfstelligen Bereich durch das Hamburger Förderprogramm ´InnoRampUp´ erhalten. Ebenso sind daran die Europäische Union mit dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung sowie die Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation beteiligt. Der weitere Finanzierungsbedarf wurde von den Hamburger Business-Angels Frau Dr. Antje Mattfeld und Herrn Nikolaus W. Schües gedeckt, welche an der PRODUCTMATE GmbH Gesellschaftsanteile erworben haben.

mi: Im Vergleich zu Wettbewerbern erscheint Ihr bestehendes Sortiment derzeit noch ausbaufähig? Welche Anstrengungen unternehmen Sie in diese Richtung?

Sebesta: Zuallererst werden wir den Zugang zu unserem bestehenden Sortiment über geografische und thematische Themenwelten optimieren. Die Navigation mit Hilfe von Tags / Schlagwörtern stellt nur eine bedingt zufriedenstellende Lösung dar und ist bewusst zum Anfang als inspirative Tagcloud [meinte eine als Wolke gestaltete, engl. Cloud, Ansammlung von Schlagworten, engl. Tags. Anm. d. Red.] implementiert worden. Wertvollen Content zu aggregieren ist eine der Haupttätigkeiten unserer Unternehmung. Qualitative Partner-Unternehmen an PRODUCTMATE anzubinden ist ein fortlaufender Prozess. Unser Sortiment ist unendlich ausbaufähig und noch lange nicht am Ende. Wir wollen die Vielfalt und das Besondere eines jeden Ballungszentrums in Deutschland und in weiteren Ländern abbilden. Aktuell befinden sich knapp 500 Partner-Unternehmen aus ganz Deutschland auf PRODUCTMATE. Bei der Erweiterung des Sortiments fokussieren wir uns auf Designer, Manufakturen, Werkstätten, Individualisten, Concept-Stores, Galerien sowie inhabergeführte Marken und Kaufhäuser.

mi: Das Sortiment der Händler auf PRODUCTMATE wirkt durchaus exklusiv. Haben Fachhändler mit einem eher konventionellen Sortiment auch einen Platz in Ihrem Konzept?

Sebesta: Wir streben danach, Unternehmen mit einem Alleinstellungsmerkmal anzubinden. Die Learnings / Analyse der Daten aus unserer Beta-Phase haben gezeigt, dass Unternehmen mit einem konventionellen Produktsortiment wenig Bedarf wecken und die Verweildauer auf der Seite eher mindern als fördern. Solchen Unternehmen raten wir von einer Teilnahme ab. Alteingesessene, traditionelle Unternehmen mit einem besonderen Angebot haben z. B. definitiv einen Platz in unserem Konzept. Sofern Akzeptanzkriterien wie z.B. das Alleinstellungsmerkmal, qualitative Bildwelten, Texte usw. vorhanden sind, steht einer Teilnahme nichts mehr im Weg.

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