Interview mit kauft-lokal.de: Lokal einkaufen und an Vereine spenden

14.07.2020
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Ein Modell für 'Charity-Shopping' im örtlichen Einzelhandel hat kauft-lokal.de entwickelt. Die kauft-lokal-App ist ein regionaler Gegenentwurf zu smile.amazon, wo Kunden ebenfalls für eine gemeinnützige Organisation spenden können. Da kauft-lokal.de insbesondere im Südwesten Deutschlands schon Schlagzeilen macht und weil die an Vereine ausgeschüttete Spendensumme nach eigenen Angaben schon über 100.000,-€ beträgt, führte 'mi' mit dem Gründer Marc Eisinger von der Businessclub Connexxtion GmbH in Achern ein ausführliches Interview.

Stichwort Motivation: Was war Ihre persönliche Motivation, das Projekt kauft-lokal.de ins Leben zu rufen? Welches Ziel wollen Sie mit kauft-lokal.de verfolgen, bzw. wann würden Sie sagen „das Projekt ist ein Erfolg“?

Marc Eisinger: Als meine Frau 2018 als Vorsitzende des Fördervereins unseres hiesigen Kindergartens angesprochen wurde, ob man sich nicht die ganze Kuchenbackerei ersparen wolle, indem man zwecks Cashback die Mitglieder zum Einkaufen ins Internet schicken würde, bin ich das erste Mal mit dem Thema „Charity-Shopping“ konfrontiert worden. Und als ich die damals akquirierende Firma dann ausführlich recherchiert hatte, wollte ich es nicht glauben, wie viele zigtausend andere Fördervereine von Kindergärten und Schulen bereits bei diesem Charity-Shopping mitmachen – und mehrere Tausend Euro im Jahr erwirtschaften. Denn wie auch unser Förderverein gehen diese anderen Fördervereine sicherlich auch bei ihren örtlichen Einzelhändlern regelmäßig auf „Spendentour“, um Sach- oder Geldspenden zu erfragen – und das fand ich nicht nur unmoralisch, sondern vor allem unsozial: schließlich zahlen die örtlichen Händler ja auch Gewerbesteuern, mit denen dann eben auch bspw. Instandsetzungsmaßnahmen für unseren Kindergarten gezahlt werden müssen. Also bin ich auf weitere Recherche gegangen, um für unseren Förderverein eine Firma zu finden, die dieses Charity-Shopping für die örtlichen Händler anbietet – und habe nichts gefunden – außer etwa 60 weitere Charity-Shopping-Portale, bei denen nicht nur die Fördervereine von Kindergärten und Schulen dabei sind, sondern Vereine aus allen Bereichen – allen voran Branchenprimus Amazon mit seinem Smile-Programm, bei dem ein Cashback von 0,5% pro Einkauf an die Vereine gezahlt wird. Rechnet man die jährlichen Einkaufsvolumina der zehn größten Charity-Shopping-Portale zusammen, kommen einige Hundertmillionen Euro alleine in Deutschland zusammen – Geld, das in der eigenen Stadt fehlt und damit dem lokalen Wirtschaftskreislauf, von dem wir alle profitieren. Entsprechend habe ich seinerzeit die Entscheidung getroffen, mit dem Projekt „Ihr kauft LOKAL – wir spenden“ eine eigene Charity-Shopping-Alternative für die örtlichen Vereine zu schaffen, mit dem Ziel, die inhabergeführten Geschäfte vor Ort zu unterstützen. Und wenn wir es mittel- bis langfristig schaffen, in den meisten deutschen Städten mit unserem Projekt am Start zu sein, sollte es gelingen, dass die „kleinen Geschäfte“ auch weiterhin erhalten bleiben und quasi das Gesicht einer Stadt prägen.

 

kauft-lokal.de
Das Team von kauft-lokal.de

Warum sollten aus Ihrer Sicht Händler bei kauft-lokal.de mitmachen? Wie muss ein Händler aufgestellt sein, damit er für kauft-lokal.de und kauft-lokal.de für ihn interessant ist?

Marc Eisinger: Wenn wir bei den Verbraucher*innen ein Bewusstsein für die Wichtigkeit des „Vor-Ort-Geld-Ausgebens“ schaffen wollen, müssen wir die lokalen Kräfte bündeln – und das geht nur, wenn sich im ersten Schritt die inhabergeführten Geschäfte unserem Projekt als Einkaufspartner anschließen. Allerdings dürfen nur Geschäfte mitmachen, die inhabergeführt sind und Filialen in maximal 30 Städten betreiben. Im zweiten Schritt kommen dann die Handwerker und Dienstleister dazu, die über unseren digitalen Gutschein dann mit den sog. „Arbeitgeber-Gutscheinen“ lokales Geld binden. Aber wie gesagt, das geht erst, wenn im ersten Schritt auch die Geschäfte dabei sind, bei denen dann diese „Arbeitgeber-Gutscheine“ eingelöst werden können.


Gibt es technische Voraussetzungen, die Fachhändler erfüllen müssen?

Marc Eisinger: Nein.


Welche Kosten fallen für Händler an, die bei kauft-lokal.de mitmachen wollen (Fixkosten/laufende Kosten)? Welche Faktoren machen diese Investition für Händler lohnenswert?

Marc Eisinger: Unsere monatliche Teilnahmegebühr für die Einkaufspartnerschaft liegt bei netto Euro 99.-/Monat. Diese Teilnahmegebühr kann allerdings mit Unterstützung des örtlichen Stadtmarketings auf bis zu 39.-/Monat gesenkt werden. Neben der Tatsache, dass die örtlichen Vereine ihre Mitglieder motivieren, vor Ort einzukaufen, um Cashback für die Vereinskasse auszulösen, ist vor allem der „Arbeitgeber-Gutschein“ ein wichtiges Argument für die Einkaufspartnerschaft: Mittelfristig wollen wir in einer Stadt mindestens 10 % der jeweiligen Arbeitnehmer*innen in unser Arbeitgeber-Gutscheinsystem einbinden und dann sprechen wir bei einer Stadt mit 100.000 Einwohnern schnell mal von einigen Zehntausend Euro, die Monat für Monat nur in den Geschäften der Stadt ausgegeben werden können.


Die App-Nutzer können bei Besuch eines Geschäftes ihre Einkäufe dokumentieren, damit der Händler an den Verein spendet. Wie sind Ihre Erfahrungen über die tatsächlichen Spendenhöhen der Händler an die Vereine?

Marc Eisinger: Wie eingangs erwähnt, zahlt Amazon ein Cashback von 0,5 % pro Einkauf. Bei uns liegt die Spendenbereitschaft aktuell bei durchschnittlich 2,1 % - wobei das branchenabhängig ist: Ein Modehaus hat eine weitaus höhere Gewinnspanne als bspw. ein Reisebüro und daher ist es auch fair, wenn das Reisebüro anteilig weniger spendet als das Modehaus.


Nutzer der App können ihren Einkauf nach fünf Kriterien bewerten. Erhält der Händler Kenntnis von diesen Bewertungen bzw. dem Gesamturteil?

Marc Eisinger: Ja klar! Jeder Einkaufspartner findet in seinem passwortgeschützten Bereich unserer Datenbank eine anonymisierte Darstellung der Bewertungen und kann so Rückschlüsse auf seine Dienstleistung ziehen. Und wir werden mit einem der nächsten Updates natürlich diese Bewertungen dann auch für die Nutzer unserer Smartphone-App sichtbar machen.


Stichwort Datenschutz: Erfasst die kauft-lokal.de-App auch Standortdaten oder persönliche Daten der Nutzer?
Falls ja: Können Sie uns sagen, ob und zu welchem Zweck die Verarbeitung solcher Daten erfolgt, durch wen und wie lange? Wie werden Nutzer der App bislang über die Verwendung von ihren Daten informiert?

Marc Eisinger: Nein, aktuell erfassen wir die Standortdaten nicht. Wir werden dies allerdings ebenfalls mit einem der nächsten Updates ändern und unseren Einkaufspartnern die Möglichkeit einräumen, die Nutzer unserer Smartphone-App mit Informationen zu versorgen – natürlich nur mit deren Einverständnis. Und selbstverständlich stellen wir unseren Nutzern eine Datenschutzerklärung innerhalb unserer Smartphone-App zur Verfügung.


Stellt kauft-lokal.de den Händlern Marketinghilfen wie z.B. Flyer zur Verfügung, mit denen sie aktiv auf ihre Kunden zugehen und kauft-lokal.de ihren Kunden erklären können?

Marc Eisinger: Unseren Einkaufspartnern stellen wir Flyer, Plakate und natürlich auch bspw. Videos, Presseberichte, etc. kostenfrei zur Verfügung.


Wie stellen Sie sicher, dass Ihre App genug Nutzer anspricht, um für Händler und Vereine interessant zu sein?

Marc Eisinger: Neben den Vereinen, die auf den eigenen Plattformen über die Teilnahme als Spendenempfänger berichten, finden wir in den Tageszeitungen, Anzeigenblättern oder lokalen Internetplattformen dankbare Medienpartner, die verstehen, dass weder Amazon noch die anderen großen Onlineportale jemals ihre treuen Werbekunden sein werden. Und mit jedem kleinen Geschäft, das pleitegeht, schließt auch gleichzeitig ein Anzeigenkunde der örtlichen Presse – das macht uns zu guten Verbündeten!

 

Hier geht es zum Kurzvideo: LOKAL Einkaufen und Gutes tun - mit unserer Smartphone-App

 

 

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Dipl.-Kfm. Christoph Diel
Marketingleiter

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