HierBeiDir-Gründer Philipp Bohne im Gespräch

15.11.2016
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HierBeiDir-Gründer Philipp Bohne im Gespräch mit Chantal Tessmann-Wagner

markt intern: Die Besucherzahlen auf Ihrer Plattform haben sich zuletzt mehr als halbiert. Was tun Sie heute und in der Zukunft, um Ihre Reichweite zu erhöhen und mehr potentielle Nutzer anzusprechen?

Philipp Bohne: Die Zahlen haben sich Anfang des Jahres reduziert, allerdings sprechen wir unsere Zielgruppe nun deutlich genauer an. Das hat dazu geführt, dass die Verweildauer auf der Webseite sich signifikant erhöht hat. Auch der Traffic steigt seit dem Rückgang wieder an. In der Zukunft wird der Fokus immer mehr auf lokale Kunden gerichtet. So können wir die Zahl der Kreuzverkäufe On- wie Offline steigern. Die Kundenbindung werden wir so erhöhen und Wiederholungstäter werden gefördert. Händler bekommen dadurch vermehrt das direkte Feedback der Kunden, die aus der eigenen Stadt bei Ihnen On- wie Offline einkaufen.

HierBeiDir-Gründer Philipp Bohne
HierBeiDir-Gründer Philipp Bohne

mi: Wenn es um die Erhöhung des Traffics auf Ihrer Seite geht, welche Erwartungen haben Sie dabei an den Handel?

Bohne: Der Handel kann tatkräftig mithelfen, das Einkaufsverhalten zu beeinflussen und das Markenbewusstsein zu erhöhen. Der Handel ist direkt am Point of Sale und hat damit die Möglichkeit den Konsumenten zu beraten und darauf aufmerksam zu machen, dass es eine bequeme Alternative zu den etablierten Marktplätzen gibt.  Wenn HierBeiDir eine kritische Masse überschreitet, ist der Marktplatz und der Verbund von vielen kleinen Einzelhändlern für jeden Konsumenten On- wie Offline sichtbar und hat einen unschlagbaren Vorteil und zwar die menschliche Komponente.

mi: Welche sind die wesentlichen Säulen, die HierBeiDir für einen Händler attraktiv machen. Bitte nennen Sie drei!

Bohne: Der Händler bekommt einen Volldienstleister zur Seite gestellt, der seine Geschäfte Online abwickelt und vertritt. Entscheidend dabei ist der sichere Zahlungsverkehr, die Abwicklung der Logistik zum Kunden und der professionelle Auftritt seines Geschäftes Online. Das Rundumsorglospaket ist dem Händler dabei sehr wichtig.

mi: Es gibt derzeit noch eine Vielzahl verschiedener Lokaler Marktplätze. Wie sehen Sie die Entwicklung des Marktes in den nächsten ein bis zwei Jahren?

Bohne: Ganz sicher ist für uns, dass die Zukunft den Marktplätzen gehört. Einzelne Shops werden es immer schwerer haben ausreichenden Traffic zu erzeugen. Welche Marktplätze sich durchsetzen werden, ist noch völlig offen. Besonders bei Marktplätzen, die den Fokus auf die Lokalität legen, ist der Startschuss gerade erst gefallen. Ziehen wir zum Vergleich den Marktplatz Amazon heran, kann man sagen, dass der Prozess der Entwicklung seit mehr als 20 Jahren anhält und ein Ende noch nicht in Sicht ist. Der viel größere Konkurrent Alibaba fängt gerade erst an, auf den europäischen Markt zu drängen. Bei Amazon zeichnet es sich ab, dass in Zukunft nur noch Händler mit den entsprechenden Umsätzen auf Amazon weiter existieren können.

mi: Was ist Ihre Vision – wo sehen Sie HierBeiDir in drei Jahren?

Bohne: HierBeiDir wird in der Zukunft ein System sein, in dem sich jeder Einzelhändler individuell auf seine Bedürfnisse zugeschnitten wiederfinden kann. Wir lösen damit das Problem, dass ein Großteil der Einzelhändler noch immer nicht weiß, wie er sich im E-Commerce aufstellen kann. Er kann dort individuell auf die Infrastruktur von HierBeiDir zurückgreifen. Alle Vorgänge, die mit Online verkaufen zu tun haben, kann er dort transparent abrufen und individuell buchen. In drei Jahren wird HierBeiDir in den 20 größten Städten etabliert sein und damit erster Anlaufpunkt für lokales Einkaufen On- wie Offline sein.

mi: Bekommt der Händler durch das Online-Angebot auch mehr Kunden in seinen Laden oder entsteht eher ein Kannibalisierungseffekt?

Bohne: Vier von fünf Verbrauchern nutzen nach einer Google-Studie Suchmaschinen, um lokale Informationen zu finden. (Google-Studie „Understanding Concumers‘ LocalSearch Behavior“ (Mai 2014)). Das bedeutet, dass der Konsument auch lokale Kaufentscheidungen vermehrt Online vorbereitet. Ist der Händler nicht optimiert im Internet zu finden, ist er für den Konsumenten nicht existent, und dieser wird ihn auch nicht aufsuchen. Wir konnten feststellen, dass vermehrt Konsumenten Adressen, Öffnungszeiten und weitere Informationen über die Webauftritte unserer Händler nutzen, um entweder direkt dort anzurufen oder auf anderem Wege mit dem Händler in Kontakt zu treten. Um die Frage klar zu beantworten, ja wir glauben und stellen bereits fest, dass der Konsument auch in den Laden geht.

mi: Local Commerce ist ein kapitalintensives Geschäft. Wie finanzieren Sie sich?

Bohne: Gestartet sind wir mit finanziellen Mitteln aus Investments von Businessangeln. Heute trägt sich HierBeiDir aus den Erträgen, die wir mit dem Unternehmen generieren. Gewinne erzielen wir dabei nicht. Jeden Euro reinvestieren wir in unsere Vision vom lokalen ganzheitlich vernetzten Einkaufen.

mi: Im Vergleich zu Wettbewerbern erscheint Ihr Sortiment derzeit noch ausbaufähig? Welche Anstrengungen unternehmen Sie in diese Richtung?

Bohne: Unser Sortiment wächst mit steigender Händlerzahl, darüber hinaus verbessert HierBeiDir stetig den Onboarding-Prozess neuer Waren, um so auch in kurzer Zeit große Datenbestände schnell Online zu stellen.

mi: Welche Erwartungen haben Sie an den Service „Same-Day-Delivery“? Wie wird das Angebot von den Kunden angenommen? Können Sie hier schon Zahlen nennen?

Bohne: Same-Day-Delivery oder auf Deutsch gesagt die Sofortlieferung ist in den Köpfen der Konsumenten noch nicht angekommen. Wenn der Online-Kunde feststellt, dass er bei einem 1-2tägigen Versand 2 € sparen kann, dann tut er das. Nur wenn der Zeitdruck groß ist, steigt der Kunde auf die Sofortlieferung um.

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