HierBeiDir - Fachhändler unter sich

15.11.2016
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Zunächst als Blog gestartet, gingen die Macher von HierBeiDir nach ersten positiven Reaktionen im Jahr 2013 mit einer Beta-Version ihrer Local-Commerce-Plattform online. Heute finden sich rund 170 stationäre Händler mit mehr als 15.000 Produkten auf HierBeiDir.com. Das Sortiment erstreckt sich von Lebensmitteln über Kleidung bis hin zu Schmuck und Technik. Für das Angebot des lokalen Marktplatzes interessieren sich rund 30.000 Besucher im Monat. Das sind rund 50.000 Besucher weniger als noch Ende 2015. HierBeiDir-Sprecher Marvin Agena erklärt den drastischen Einbruch mit einer Neuausrichtung des Onlinemarketings und einer gezielteren Kundenansprache. So stehe den Einbußen beim Traffic eine höhere Konversionsrate gegenüber.

Überschaubares Sortiment, aber Same-Day-Delivery
Klickt man sich durch das Angebot der Plattform, erscheint das Angebot begrenzt. Teils hochwertige und ausgefallene Produkte laden zu Impulskäufen ein. Wer jedoch eine größere Anschaffung plant und sich einen Überblick über Angebote und Preise verschaffen will, könnte von HierBeiDir.com enttäuscht werden. Nicht jeder, der einen neuen Fernseher kaufen will, wird ausschließlich mit dem High-End-Sortiment von Bang&Olufsen glücklich. Positiv aus Kundensicht: Die Plattform bietet in einigen Städten eine Lieferung innerhalb von 2 Stunden per Fahrradkurier zum Preis von 4.90 an, was auch im Vergleich zu Amazon Prime Now konkurrenzfähig sein dürfte. Auch Click-′n-Collect ist in einigen Fällen möglich.

Einstieg in die Digitale Welt
Für Sabine Sellier, die in ihrem Düsseldorfer Geschäft SoulGoods fair gehandelte Mode verkauft, war HierBeiDir vor 3 Jahren der Einstieg in die Online-Welt: „Heute allerdings verkaufe ich eher über meinen eigenen Online-Shop. HierBeiDir spielt für meine Umsätze nur eine sehr untergeordnete Rolle.“ Dabei berichtet die Düsseldorfer Fachhändlerin, dass der zeitliche und auch finanzielle Aufwand für den Onlineshop erheblich ist. „Aber was ist die Alternative, wenn die Frequenz am POS abnimmt?“, so Sabine Sellier.

Sabine Sellier in ihrem Düsseldorfer Geschäft SoulGoods | Screenshot HierBeiDir.com vom 21.06.2018
Sabine Sellier in ihrem Düsseldorfer Geschäft SoulGoods | Screenshot HierBeiDir.com vom 21.06.2018

Warenwirtschaft keine Voraussetzung
Die Voraussetzung für Händler, um bei HierBeiDir.com mitmachen zu können, ist ihre kaufmännische Unabhängigkeit. Weitere Hürden vor allem technischer Art gebe es nicht, so HierBeiDir-Sprecher Marvin Agena gegenüber 'markt intern': „Ob der Händler einen Onlineshop besitzt oder nicht, ob er ein Warenwirtschaftssystem nutzt oder noch keins führt – HierBeiDir hat ein System entwickelt, welches es jedem Händler ermöglicht, sich im Rahmen der Möglichkeiten am Onlinemarkt zu beteiligen.“

Kosten transparent, aber kein Pappenstiel
Die Kosten für Händler setzen sich aus drei Komponenten zusammen: Einrichtungsgebühr, monatliche Gebühr und Verkaufsprovision. Marvin Agena erläutert die verschiedenen Abstufungen: „Das Entdecker-Paket mit 39 € monatlich ist hierbei das kleinste Paket und ist vor allem für Händler attraktiv, die den ersten Schritt in den Onlinehandel beschreiten. Die Einrichtungsgebühr liegt hier bei 199 €. Dort sind auch die Produkteinpflege (bis zu 125 Produkte), Shoperstellung sowie Anbindung an Zahlungs- und Logistikleistungen mit inbegriffen. Die Verkaufsprovision liegt bei 10 %, wobei zu entrichtende Zahlungsgebühren (z.B. bei Kreditkartenzahlungen) mit inbegriffen sind. Das Eroberer-Paket mit 79 € monatlich ist für Händler interessant, die i.d.R. bereits einen Onlineshop bzw. eine eigene Seite besitzen und sich weitere Vertriebs- und Marketingkanäle im Internet erschließen möchten. Hier können bis zu 500 Artikel geführt werden. Das Durchstarter-Paket mit 149 € ist an Händler gerichtet, die ihr volles Sortiment anbieten möchten. Hier können unbegrenzt viele Artikel im Shop geführt werden.“ In allen Paketen ist laut HierBeiDir eine Suchmaschinenoptimierung enthalten, mit der versucht werden soll, die Plattform in den Suchergebnissen möglichst weit oben zu listen.

Social Media und Kooperationen bestimmen das Marketing
„Das Onlinemarketing setzt vor allem auf die starken und etablierten Kanäle wie die Produktbewerbung über Instagram, Facebook, Pinterest und Google. Hier werden Produkte einer Region zusammengefasst und über einzelne Landingpages kostenpflichtig beworben. Diese Werbemaßnahmen werden unter anderem von der Grundgebühr des Händlers getragen, um die Verkaufschancen und Reichweite zu erhöhen,“ berichtet Sprecher Marvin Agena gegenüber 'markt intern'. Offline setzt die Plattform nach eigenen Angaben auf Kooperationen mit Städten und Verbänden, um Händler und Produkte zu promoten.

Händler spüren geringe Frequenz auf der Plattform
Maximilian Knoll, von der Waiblinger Manufaktur „Knoll Sitzmöbel“, erklärt im Gespräch mit 'markt intern', sich bis Ende des Jahres ganz aus HierBeiDir zurückzuziehen. „Das Engagement bei HierBeiDir hat sich für uns unter dem Strich nicht ausgezahlt. Es ist für eine kleine Plattform eben sehr schwer, die Aufmerksamkeit eines größeren Publikums auf sich zu ziehen.“ Für Maximilian Knoll ist das Experiment E-Commerce damit beendet. Gleichzeitig setzt er aber auf ein umfassendes Onlinemarketing für den stationären POS: „Wir nutzen hier erfolgreich die Plattform Houzz.de, eine sehr erfolgreiche Seite aus den USA, auf der sich an Architektur und Design interessierte Nutzer mit Experten und Produzenten vernetzen können. Außerdem sind wir auf Facebook aktiv und betreiben einen eigenen YouTube-Kanal, um auf uns aufmerksam zu machen.“

Fazit: Interessant für Sie als Fachhändler: Inhabergeführte Geschäfte bleiben bei HierBeiDir unter sich, Ketten und Filialisten findet man hier nicht. Auch die Möglichkeit, bestellte Waren innerhalb von zwei Stunden im Warengeschäft abzuholen, und die Lieferung per Fahrradkurier am Tag der Bestellung findet man als Service nicht überall. Problematisch erscheint jedoch das Sortiment. Es fehlt die Breite, um wirklich Orientierung bei der Produktsuche zu bieten. Gleichzeitig, doch ist das nur ein ganz subjektives Urteil, erscheint das Sortiment hier weniger überraschend und einzigartig als bei Wettbewerbern wie z. B. SugarTrends. Für die Zukunft der Plattform ist es deshalb aus unserer Sicht entscheidend, noch mehr Profil zu entwickeln und das Alleinstellungsmerkmal deutlicher herauszuarbeiten. Zudem verweist der Einbruch der Besucherzahlen, der offenbar unmittelbar mit den Marketingaktivitäten des Unternehmens korreliert, auf ein grundsätzliches Problem des E-Commerce: Es gibt keine Stammkunden und auch keine Laufkundschaft. Jeder Euro Umsatz muss teuer erkauft werden. Wer im Wettbewerb um Kunden und Umsatz nur eine Sekunde nachlässt, fällt schnell zurück.

Dr. Bastian Peiffer
Online-Redaktion
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