STADTGUTHABEN: Lokale Einkaufsgutscheine binden Kaufkraft

19.09.2019
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Interview mit Patrick Koch - CEO von STADTGUTHABEN

Stichwort Motivation: Was war für Sie die Motivation, das Projekt STADTGUTHABEN ins Leben zu rufen?

Die Hauptmotivation für STADTGUTHABEN basiert darauf, dass wir auch morgen noch lokale Geschäfte vor der Haustür haben möchten. Die Online-Giganten, Handelsketten und Systemgastronomen sind gekommen um zu bleiben. Und die Geschäftsmodelle haben auch ihre Rolle und Berechtigung in der heutigen Gesellschaft. Aber die lokalen Geschäfte, Restaurants und Cafés haben das erst recht! Dabei geht es natürlich vornehmlich um individuelle Einkaufsmöglichkeiten und auch um lokale Arbeitsplätze. Aber es geht auch darum, wie lebenswert eine Stadt ist. Sowohl in der Innenstadt als auch in den Stadtvierteln sind es nicht die Logistikzentren und Lieferdienste-Fuhrparks, die für das Flair und die Attraktivität sorgen. Es sind die individuellen Geschäfte und ein vielfältiges Gastronomieangebot.

Stichwort Grundvoraussetzungen: Gibt es eine Mindestanzahl an Fachgeschäften, die in einer Stadt STADTGUTHABEN umsetzen müssen?

Die erforderliche Anzahl hängt stark von der Größe der Stadt ab. Eine Kleinstadt kann schon mit 20 Akzeptanzstellen ein tolles Netzwerk betreiben. In größeren Städten, besonders wenn es nicht mehr nur ein Zentrum gibt, sollten es über 40 Geschäfte sein. Nach oben gibt es eigentlich keine Begrenzung. Die alles entscheidende Frage ist immer: Ist das Akzeptanzstellennetzwerk ausreichend attraktiv für die Verschenker bzw. die Beschenkten? Wenn das nicht der Fall ist, werden die Nutzer auch weiterhin die Gutscheine und damit schier grenzenlose Auswahl der Online-Giganten und Handelsketten verschenken. Für die meisten Nutzer ist das Argument der lokalen Kaufkraftbindung allein leider nicht ausreichend.

Welche technischen Voraussetzungen müssen Fachhändler erfüllen? Müssen neue Geräte angeschafft werden?

Wir haben das System so entwickelt, dass es auf vorhandener technischer Infrastruktur aufsetzt. Das bedeutet, dass ein Händler zur Teilnahme nur ein Smartphone, Tablet, Laptop, PC oder eine browserfähige Kasse mit Internetverbindung im Geschäft benötigt. Das trifft heute wohl auf 99% zu. Die Annahme der Gutscheine erfolgt dann über unsere kostenlose App oder Website.

Aus welchen Gründen sollte sich aus Ihrer Sicht ein Händler dem System STADTGUTHABEN anschließen?

Die Motivation für einen Händler ist natürlich, darüber zusätzlichen Umsatz zu generieren. Der Grund bei uns mitzumachen ist, dass es völlig kosten- und damit risikolos ist. Es gibt keine Start- oder Grundgebühren oder Kosten für die Miete externer geräte oder ähnliches. Lediglich, wenn ein Gutschein eingelöst worden ist, fällt eine geringe Gebühr an. Damit ist das in gewisser Weise ein Marketinginstrument, das erst Geld kostet, wenn es Umsatz gebracht hat. Zwei weitere gute Gründe neben dem direkten Umsatz sind, mehr Sichtbarkeit für das eigene Geschäft in der Stadt zu erreichen und zudem die Sensibilisierung der Bürgerinnen und Bürger für lokales Einkaufen zu steigern. 

Stichwort Finanzierung/Kosten: Mit welchen Kosten muss der Händler rechnen, wenn er STADTGUTHABEN umsetzen will (fixe Kosten, variable Kosten)?

Für die Händler ist die Teilnahme kostenlos. Es gibt keine Anmelde-, Implementierungs- oder Anschaffungskosten, vorausgesetzt, eines der o.g. Geräte ist vorhanden. Kosten entstehen nur, wenn der Händler einen Gutschein annimmt. Darauf fällt in der Regel eine geringe Transaktionsgebühr an. Diese Gebühr hängt vom Betreiber ab, wird also in den meisten Fällen von der Stadt oder Werbegemeinschaft festgelegt und liegt dann oft zwischen 3-6%.

Ab wie viel Euro Umsatz refinanziert sich diese Investition?

Sofort, da es keine Vorabkosten gibt und der Marketingeffekt für die Teilnehmer ja so oder so gegeben ist.

Gibt es evtl. Förderprogramme, die Stadtmarketing, Gewerbeverein, Werbegemeinschaft o.ä. bei der Umsetzung in Anspruch nehmen können?

Es gibt sehr viele Initiativen und Töpfe gerade für lokale und regionale Förderung (z.B. LEADER Regionen), daher würde ich pauschal sagen: "ja". Allerdings sind das erstens oft Landesinitiativen, so dass es schwer ist, einen Gesamtüberblick zu bekommen, und zweitens sind wir derzeit mit dem operativen Geschäft so beansprucht, dass wir es schlicht nicht schaffen, diesen Punkt besser zu recherchieren - offen gestanden nicht nur für die Werbegemeinschaften, sondern auch wir selbst wären sicherlich förderfähig ...  

Stichwort Vermarktung vor Ort: Gibt es seitens STADTGUTHABEN Marketinghilfen (z.B. Flyer), mit denen der Händler aktiv auf (neue) Kunden zugehen kann?

Wir haben ja zwei Modelle: in den meisten Fällen sinddie lokale Werbegemeinschaft, Stadtmarketing oder die Stadt selbst Herausgeber des Gutscheins und dann kümmern die sich auch um das Marketing. In vielen Fällen gibt es ja schon einen analogen Gutschein, der mit unserem System nur digitalisiert wird. Dort wo wir selbst Herausgeber des Gutscheins sind, begleiten wir das natürlich vom Marketing her, z.B. mit einer eigenen Website, lokal ausgespielten Online-Kampagnen und oft auch einer sehr guten redaktionellen Abdeckung in der lokalen Presse. Denn auch für die lokale Presse sind "buy local"-Initiativen ja nicht unwichtig, denn das lokale Gewerbe ist meist wichtiger Anzeigenkunde, an dessen Wohlergehen lokale Medien ein Eigeninteresse haben. Ansonsten werden die Teilnehmer mit Marketingmaterial wie z.B. "Ich mache mit"-Aufklebern, Plakaten, Tischaufstellern, Flyern und ähnlichem ausgestattet. 

Stichwort Erfolg: Welche Stadt setzt aus Ihrer Sicht STADTGUTHABEN vorbildlich um (Referenzen)?

Zunächst einmal gibt es zahlreiche Städte, die die Chance von lokalen Gutscheinen - auch mit einer analogen Abwicklung - erkannt haben und dies sehr engagiert umsetzen. In einer Universitätsstudie mit 52 Städten, die wir begleitet haben, konnten wir ermitteln, dass in Deutschland bereits etwa 60-70 Millionen EUR an Kaufkraft durch lokale Gutscheine gebunden werden. Aber wir haben auch eine sehr große Spreizung der Ergebnisse gesehen. In manchen Städten ist der Gutschein ein relevanter Wirtschaftsfaktor und in anderen eher ein "nettes" Marketinginstrument. Für den aktuellen Stand der Referenzen schauen Sie doch bitte auf die Homepage, da sich das gerade tatsächlich oft ändert. Sobald eine Stadt unterschrieben hat, veröffentlichen wir sie natürlich dort.

Welche Faktoren sind entscheidend, dass STADTGUTHABEN zu einem Erfolg wird?

Auch wenn ich gerne das Gegenteil behaupten würde, liegen die wichtigsten Erfolgsfaktoren nicht allein im Gutscheinsystem. Am wichtigsten ist, wie engagiert der Herausgeber und die teilnehmenden Akzeptanzstellen das Instrument einsetzen und promoten. Es muss gelingen, in die Köpfe der Menschen zu kommen. Wenn die Freundin vom Pferd fällt, die Oma 66 wird oder die ehrenamtlichen Helfer des Schützenfestes belohnt werden sollen, dann sollten die Leute vor Ort automatisch zum lokalen Gutschein greifen und nicht die üblichen Gutscheine der Online-Giganten oder großen Handelsketten verschenken. Eine Stadt, in der das sehr gut gelingt und die das Stadtguthaben-System toll einsetzt, ist Attendorn im Sauerland. Aber auch dort muss man sagen: Der bisherige Erfolg dort kam nicht wegen des Stadtguthaben-Systems, sondern wegen des Erfolges nutzt die Stadt jetzt unser System, um die die Verwaltung und Abrechnung zu optimieren. In der Folge werden wir aber jetzt alle Vorzüge der Digitalisierung nutzen, indem wir den lokalen Arbeitgebern professionelle Prozesse anbieten, um den Gutschein als "steuerfreien Sachbezug" anzubieten. Das wird den Erfolg signifikant erhöhen und ist eben erst durch die digitale Abwicklung in der Form möglich.

 



STADTGUTHABEN stellt sich vor


Unternehmenssitz: Düsseldorf

Geschäftsführer: Herr Patrick Koch, Herr Lutz Maichel

Website: www.stadtguthaben.de

Kontakt: [email protected]

 

Gegründet würde die Stadtguthaben GmbH von Patrick Koch, Lutz Maichel und Daniel Sonnet. Wir alle drei haben bereits vorher Startup-Erfahrung gesammelt. Die Idee zu Stadtguthaben kam dann aber eigentlich von Kundenseite. Daniel Sonnet hat das Startup Gerabo GmbH gegründet. Die Firma hat eine Lösung für Treuepunkteprogramme entwickelt. Der Gewerbeverein Aglasterhausen hat Daniel Mitte 2016 angesprochen, ob er auf Basis seiner Technologie nicht auch für den Verein eine Lösung zur digitalen Abwicklung von deren lokalem Gutschein entwickeln könne. So ist der erste Prototyp entstanden. In der Folge haben wir recherchiert und herausgefunden, dass es über 300 Städte in Deutschland mit einem solchen lokalen Gutschein gibt, die alle früher oder später das gleiche Problem des ausufernden Verwaltungs- und Administrationsaufwandes haben. Daher haben wir Ende 2017 beschlossen, eine eigene Firma zu gründen und eine hoch spezialisierte Software nur für den Anwendungsfall der lokalen City-Gutscheine zu entwickeln. Inzwischen wissen wir, dass über 500 Städte einen lokalen analogen Gutschein haben und dass viele weitere Städte einen solchen Gutschein noch einführen wollen/werden. Hinzu kommt ein aus unserer Sicht erkennbarer gesellschaftlicher Trend, bei dem die Sensibilisierung für lokales Einkaufen im Fokus steht ... ob aus Nahversorgungs-, Arbeitsplatz-, Flair- oder vielleicht sogar Klimaperspektive. Wir scheinen ein ganz gutes Timing zu haben ...

Patrick Koch / CEO

Daniel Sonnet / COO

Lutz Maichel / CTO



 
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'markt intern' stärkt mit der Aktion 'ICH KAUF GERN VOR ORT' lebendige Innenstädte. Wir sind daher immer auf der Suche nach interessanten lokalen Projekten, die sich mit der gleichen Zielsetzung für den lokalen Handel einsetzen. -  Wenn Sie ein interessantes Projekt kennen oder zu einem mehr wissen wollen, nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf.

Händler-Umfrage: Lokale Einkaufsgutscheine
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Dipl.-Kfm. Christoph Diel
Marketingleiter

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