Vom Sinn des Schenkens - Weihnachtsbrief des 'markt intern'-Verlags

03.12.2019
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Düsseldorf, im Dezember 2019

Sehr verehrte 'markt intern'-Leserin, sehr geehrter 'markt intern'-Leser,

der Dezember ist angebrochen und es ist Zeit für unseren traditionellen Weihnachtsbrief an Sie. Während sich einige von Ihnen mit ihren Mitarbeitern auf die anstehenden Weihnachtsfeiern freuen und natürlich auf den vielerorts schon seit St. Martin ausgeschenkten Glühwein, stehen anderen unter Ihnen die umsatzstärksten und damit wichtigsten Wochen des Jahres ins Haus, da für viele die Zeit gekommen ist, sich wieder mit der Frage des Schenkens auseinanderzusetzen. Dabei darf auch einmal geträumt werden: Wie schön wäre es, wenn der Umsatz der meisten Anschaffungen für die Liebsten wieder in den Kassen unserer inhabergeführten Fachhandelsgeschäfte landen würde? Leider ist dem nicht so, wie wir alle wissen. Und das liegt nicht nur an Amazon & Co., sondern auch an uns als Konsumenten, da wir ganz unterschiedlich mit dem uralten Brauch des Schenkens umgehen. Während unsere Jüngsten, die Kinder, wohl auch weiterhin einen oft reichen Gabentisch vorfinden dürfen, nehmen nach und nach viele Erwachsene Abschied vom Schenken. Die Frage lautet somit jedes Jahr aufs Neue: Schenken, ja oder nein? Was spricht dafür, was dagegen?

Ein guter Moment, sich einmal die ursprüngliche Tradition des Schenkens zu Weihnachten anzuschauen. Beginnen wir mit einem Blick weit zurück. Ans Ende eines Dezembers, in eine Zeit, die – nach unserer, also gregorianischer Zeitrechnung – vermutlich im Jahr 7 oder 6 vor Christus lag, ganz sicher weiß es niemand. Laut dem Matthäus-Evangelium erreichen Sternendeuter, „Weise" genannt und aus dem Morgenland stammend, Jerusalem und erkundigen sich in der Stadt nach einem „neugeborene[n] König der Juden". König Herodes hört ihr Anliegen und erschrickt zutiefst. Nach einem heimlichen Treffen entsendet er die Weisen in Richtung Bethlehem, möchte, dass sie für ihn das Kind ausfindig machen. Der boshafte Grund für sein Handeln ist bekannt: Er will es töten. Auf der Suche folgt die Gruppe einem besonderen Stern am Himmel, welchen sie schon in ihrer Heimat beobachtet hat, und erreicht am 6. Januar des Folgejahres endlich Bethlehem. Matthäus beschreibt das, was nun geschieht, folgendermaßen: „Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe." (Mt 2,1-23)

Das Neue Testament erzählt seit seiner Entstehung von drei äußerst wertvollen Präsenten für den Säugling, obwohl es sich in der Überlieferung selbstverständlich um symbolische Geschenke handelt: Das Gold soll den jungen König erfreuen, ihm vielleicht einen guten Lebensstart ermöglichen, der kostbare Weihrauch das Göttliche in ihm ehren und die Myrrhe als Medizin ihm und seiner Familie zur Gesundheit dienen. Kirchenhistorisch wurden im 6. Jahrhundert aus der unbestimmten Gruppe der Weisen die Heiligen Drei Könige, genannt Caspar, Melchior und Balthasar. Interessant ist, dass Geschenke in vorwiegend orthodoxen und katholischen Ländern wie Russland, Italien, Mexiko erst am 6. Januar überbracht werden. In Spanien z.B. richten Kinder ihre weihnachtlichen Geschenkwünsche überdies nicht an den Weihnachtsmann, sondern an die Heiligen Drei Könige.

Solche Unterschiede zeigen nebenbei, dass es bis heute den weltweit agierenden Vermarktungs- und Werbestrategen internationaler Handelsriesen nicht gelungen ist, das Schenken so zu standardisieren, dass wenigstens der Zeitpunkt hätte angeglichen werden können. Ganz ehrlich? Das ist auch gut so! Was ebenso deutlich wird ist, dass sich der ursprüngliche biblische Brauch des Schenkens ganz eindeutig auf Kinder bezieht, nicht auf Erwachsene. Wenn, wie so oft in der Vorweihnachtszeit, die Gedanken erstmals das Thema streifen, ist eine positive Antwort auf die Frage, ob man sich als Erwachsener an diesem 'Rummel' überhaupt beteiligen soll, zumindest nicht aus dem Evangelium herleitbar.

Ein weiterer von Kritikern des weihnachtlichen Schenkens genannter Standpunkt ist, dass ein Teil der Präsente in Wahrheit gar nicht erwünscht und deshalb überflüssig ist, er umgetauscht oder schlimmstenfalls weggeworfen werden muss. Gleichermaßen bedrückend, wenn Schenkungswilligen nach vielen Jahren durchaus brauchbarer Ideen kaum mehr Sinnvolles einfällt, und aus Freude am Schenken Druck, ja sogar Stress entsteht. Gutscheine kommen dann als vermeintliche Retter ins Spiel, obwohl ihre Ersatzfunktion nicht immer für Begeisterung sorgt. Alternativ werden aber auch Spenden an Hilfsorganisationen vorgezogen, besonders dann, wenn der Eindruck der eigenen oder familiären Übersättigung festzustellen ist. Ganz arg geht es in Situationen zu, wenn ein jeder 'besser' oder mehr Schenkender sein möchte, jedenfalls nicht derjenige, der am wenigsten zu offerieren hat. Denn dann findet 'Schenken als Leistungsschau' statt. Das Schenken und Beschenktwerden wird so zur Qual und die Idee ad absurdum geführt.

In der Politik taucht eine besondere Form des Schenkens auf. Ungewöhnlich ist die Variante, weil sie sich gar nicht so nennen darf, aber vom Wahlvolk dennoch als Geschenk angesehen werden soll. Deutlich wird das z.B. im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD. Dort taucht weder der Begriff 'Geschenk' noch 'schenken' auf. Nicht dass wir das erwartet hätten. Es wäre aber ehrlicher, wenn etliche Stellen darin eingeleitet werden würden durch eine Formulierung wie 'Geschenke an ...'. Denn um was sonst als beispielsweise Sozialgeschenke handelt es sich in Wahrheit, wenn die im Bundestag dominierende GroKo Vorhaben durchpeitscht, wie jüngst die neue Grundrente, eine weitere Mindestlohnanhebung und leider viele andere. So ist das aber in der Politik, und wenn man nicht zu den paternalistisch Beschenkten bzw. zu den Bestechenden zählt, ist man heute als beliebig besteuerbarer oder enteignungsbedrohter Zwangsrückschenker der Gekniffene, so wie u.a. Immobilienbesitzer in Berlin. Erstaunlicherweise lösen solche Maßnahmen beim Wähler keine Begeisterungsstürme aus. Wundert das jemanden, bei der Gesamtbilanz des Schreckens?

Was eigentlich spricht dann noch für das weihnachtliche Schenken unter uns Erwachsenen, fern der politischen Ebene, und wieder zurückkommend zu intakten zwischenmenschlichen Beziehungen? Durchaus ebenso vieles. Es beginnt damit, dass Schenken glücklich macht. Natürlich zuvörderst den Empfänger eines als wertig empfundenen, aber nicht notwendigerweise kostspieligen Präsents. Die wissenschaftliche Glücksforschung bestätigt überdies: Großzügigkeit hebt zumindest ebenso das eigene Wohlbefinden. Wer teilt nicht die Freude eines aufrichtigen und glücklichen Lächelns des zumeist emotional nahestehenden Gegenübers? Auch zeigen Studien, dass Schenken glücklicher macht, als Geld für sich selbst auszugeben. Ist das Schenken somit ein vorwiegend egoistischer Akt? Vielleicht. Auf keinen Fall handelt es sich um eine rein altruistische Handlung, die nur dem Beschenkten nutzt. Schenken bedeutet in unserem Kulturkreis eben ein Geben und ein Nehmen und hat als solches eine uralte Tradition, die aber nicht bibelhistorisch bedingt, somit nicht auf Weihnachten festgelegt ist.

Auch wir Unternehmer schenken gerne, zugegebenermaßen selten ohne Grund. Wer von uns zu Weihnachten seinen besten geschäftlichen Kontakten ein kleines Präsent zukommen lässt, verbindet damit stets das langfristige Ziel im Sinne einer guten Partnerschaft im beiderseitigen Interesse. Ein  altes lateinisches Sprichwort lautet  „Do ut Des", es steht für: „Ich gebe, damit du gibst". Die Frage also, ob Schenken ja oder nein, kann jeder nur für sich selbst beantworten, aber es spricht einiges dafür, nicht alleine Kinder damit zu beglücken. Verzichteten wir tatsächlich gänzlich als Schenker oder Beschenkte auf die vielen Nettigkeiten des Lebens, würden große Teile unserer Wirtschaft, und wie immer zuerst die vielen kleinen Unternehmen des Handels sowie ihre Partner aus Industrie und Dienstleistung darunter erheblich leiden. Klug Maß halten beim Schenken schadet sicher niemandem, während die sorgfältige Auswahl eines passenden Geschenkes schon seit Jahrtausenden die größte Freude und tiefste Glücksgefühle auslösen kann, beim Schenker wie Beschenkten. Möchte sich das jemand von Ihnen entgehen lassen?

Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie sowie Ihren Mitarbeitern für das diesjährige Weihnachtsfest nur das Allerbeste, wohlwissend, dass die wertvollsten Geschenke, jenes des Lebens, das einer robusten Gesundheit und liebenswerte Menschen in unserer Nähe, immaterieller Natur sind. Mögen besonders diese Gaben bei Ihnen nicht zu kurz kommen.

Mit herzlichen Grüßen – auch im Namen des gesamten 'markt intern'-Teams

Ihre
 

Olaf Weber

- Herausgeber -

Btw. (VWA) André Bayer

- Geschäftsführer -

Sandra Kinder, M.A.

- Prokuristin -



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