Mittelstandsverbund: „Mittel müssen binnen kürzester Zeit bei den Unternehmen ankommen“

20.03.2020
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Eckhard Schwarzer ist geschäftsführender Präsident von DER MITTELSTANDSVERBUND – ZGV und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DATEV. Der DER MITTELSTANDSVERBUND – ZGV e.V. vertritt als Spitzenverband der deutschen Wirtschaft in Berlin und Brüssel die Interessen von ca. 230.000 mittelständischen Unternehmen, die in rund 310 Verbundgruppen aus rund 45 Branchen organisiert sind.

markt intern: Herr Schwarzer, wie realistisch ist die Feststellung von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, die Bundesregierung werde verhindern, dass ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen nur wegen der Coronakrise in die Insolvenz falle? 

Eckhard Schwarzer : Es ist eine klare Aussage, die nur mit größter Anstrengung und einem optimalen Zusammenspiel aller Beteiligten in einem Prozess bis hin zu jedem einzelnen mittelständischen Unternehmen gelingen kann und muss. Und alles muss jetzt ganz schnell gehen, denn es gibt sonst ein durch die kurzfristig fehlende Liquidität der Unternehmen ein Desaster. Das Präsidium des MITTELSTANDSVERBUNDES hat auf meine Anregung am 18. März deshalb eine „Taskforce Liquidität für den Mittelstand“ ins Leben gerufen. Als deren Leiter konnten wir den unseren ehemaligen Präsidenten Günter Althaus gewinnen. In enger Zusammenarbeit mit der gesamten Genossenschaftsorganisation und vielen anderen Verbänden wollen wir an der Sicherstellung der Liquidität mitwirken.

Eckhard Schwarzer
Eckhard Schwarzer

mi: Was muss politisch und seitens der Verwaltung getan werden, damit möglichst viele Unternehmen die Coronakrise tatsächlich wirtschaftlich überleben?

Schwarzer: Es müssen schnelle und unbürokratische Wege gefunden werden, die sicherstellen, dass die Mittel binnen kürzester Zeit- und ich spreche hier nicht von Wochen, sondern von Tagen, bei den Unternehmen ankommen, um sie vor dem sonst sicheren Exitus zu bewahren. Hierbei bieten wir als Verbundgruppenorganisation unsere Infrastruktur an. Denn nach dem Flaschenhalsprinzip könnte über die Verbundgruppen direkt mit Öffentlicher Absicherung und unter Einbezug etwa der genossenschaftlichen Banken Liquidität dort bereitgestellt werden, wo sie jetzt gebraucht wird 

mi: Reichen die bisher beschlossenen Maßnahmen aus?

Schwarzer: Dass sich die Politik klar zu Ihren Aufgaben bekennt und alle Schleusen öffnet, um in dieser Ausnahmesituation die Wirtschaft zu unterstützen, erkennen wir ausdrücklich an. Wir sehen jedoch, dass die Klassischen Förderwege oft sehr bürokratisch sind und zu lange dauern. Deshalb kommt es nun darauf an, eine Lösung zu finden, die die klassischen Kanäle entlastet und hochwirksam ist. Hierbei die Verbundgruppen einzubinden, ist naheliegend und zielführend.

mi: Gibt es spezielle Forderungen des Mittelstandsverbunds, die die Bundesregierung oder Landesregierungen noch umsetzen sollten?

Schwarzer: Bitte schnellsten unseren Vorschlag aufzugreifen. Wir stehen für 230.000 selbständige Unternehmen des Handels, des Handwerks und aus der Dienstleistungsbranche. Über unsere Netzwerke erreichen wir diese Unternehmen direkt. Es geht ja auch um die dort tätigen 2,5 Millionen Beschäftigen, es geht um die 400.000 Ausbildungsplätze, es geht um 500 Mrd. Umsatz, also fast 18 Prozent unseres Bruttosozialproduktes, der jetzt hoch gefährdet ist. Wichtig ist bei alledem, dass auch das Insolvenzrecht jetzt in den „Corona-Modus“ geschaltet wird. Es reicht nicht aus, die Anmeldefristen für Insolvenz zu verlängern, es muss auch das Insolvenzanfechtungsrecht angepasst werden, damit zum Beispiel jetzt gestundete Verpflichtungen an Unternehmen nicht später zur Anfechtung führen können. 

mi: Was halten Sie davon, statt der zugesagten Kredite unmittelbar Hilfsgelder an kleine Mittelständler auszuzahlen? 

Schwarzer: Jede Form der Hilfe hat Ihre gute Begründung. Uns geht es allein darum, dass wir schnelle und flächendeckende Instrumente bekommen. Die von unserer Taskforce vorgeschlagene Lösung entspricht genau diesen Anforderungen. Es darf uns nicht passieren, dass die Hilfe theoretisch bestens und in breiter Vielfalt organisiert ist, am Ende aber die zu Helfenden bereits tot sind.

Dr. jur. Frank Schweizer-Nürnberg
Chefredakteur
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Corona
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