BAFA unterstützt KMU finanziell bei Beratungsleistungen

13.05.2020
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Viele Unternehmen haben in der Coronakrise mit teils heftigen Problemen zu kämpfen. So führte die Schließung sämtlicher Geschäfte branchenweit und über Wochen u.a. zu Kurzarbeit, Ausfall von Arbeitskräften und Produktionen und/oder dem Wegbleiben von Kunden. 

Die Bundesanstalt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat zum 3. April 2020 ein Sonderprogramm für von Corona betroffene Unternehmen (KMU) und Freiberufler aufgelegt. Dafür wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) die bestehende Rahmenrichtlinie zur Förderung unternehmerischen Know-hows um ein Modul zunächst bis zum Ende des Jahres ergänzt. Von Seiten der BAFA heißt es:

„Ab sofort können Sie einen Antrag für Beratungen, die bis zu einem Beratungswert von 4.000,00 Euro für Corona-betroffene kleine und mittlere Unternehmen (KMU) einschließlich Freiberufler ohne Eigenanteil gefördert werden, bei der  BAFA stellen.“

Konkret bedeutet das, dass die betroffenen Unternehmen einen Zuschuss von 100 % (maximal 4.000 €) für eine entsprechende Beratungsleistung erhalten. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen konkret und nachweisbar von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen ist. Eine Förderung für Unternehmen, die schon vorher in wirtschaftlicher Schieflage standen, können laut BAFA ausdrücklich nicht nach diesem Programm gefördert werden.

BAFA-Präsident Torsten Safarik erklärt zu den neuen Regelungen: „Mehr Geld, schnell und unbürokratisch - mit der Förderung von Unternehmensberatungen für von Corona betroffene Unternehmen helfen, wir einen Weg durch die Krise zu finden.“ Jeder erfolgreiche Antrag könne dabei helfen, ein Unternehmen in schweren Zeiten zu unterstützen und neue Aufträge für Handwerker vor Ort zu generieren.

Den Zuschuss erhält unmittelbar das Beratungsunternehmen, um die antragsberechtigten Unternehmen von einer Vorfinanzierung der Beratungskosten zu entlasten.

Wir haben mit Wolfgang Hanses, Inhaber von sfe – schule für erfolg/Remagen und registrierter BAFA-Berater, gesprochen und nachgefragt, wie er das Programm beurteilt und worauf Unternehmen achten müssen, die eine solche Beratungshilfe in Anspruch nehmen wollen.

markt intern: „Herr Hanses, als langjähriger Unternehmensberater kennen Sie sich gut aus, wenn es um die Belange von KMU geht und deren Bedürfnisse. Welche Fragen sollte sich ein Unternehmer im Vorfeld stellen, wenn er an  dem Sonderprogramm der BAFA partizipieren möchte?“

Wolfgang Hanses: „Die BAFA fördert ganz viele Programme und das schon seit langer Zeit. Dabei geht es immer um den ganz persönlichen Bedarf. Das heißt für das Corona-bedingte Programm, dass ganz klar feststehen muss, dass das Unternehmen durch die Coronakrise in Schieflage geraten ist und es infolgedessen zu Umsatzeinbrüchen bzw. -rückgängen gekommen ist. Oder auch personelle Nöte durch die Coronakrise entstanden sind. Dann ist das Programm für das Unternehmen möglicherweise das Richtige.“

markt intern: „Was kann der betroffene Unternehmer von einem registrierten BAFA-Berater konkret erwarten?“

Wolfgang Hanses: „ Zuerst ermitteln wir zusammen den konkreten Bedarf. Inwieweit kam bzw. kommt es zu einem Umsatzeinbruch? Im Rahmen dessen geht es nicht nur um den Umsatzrückgang, sondern auch um die Rendite. Welche Waren werden vertrieben? Wie sieht es mit der Spanne aus? Viele Kollegen speziell in der UE-Branche haben in den letzten Wochen gehäuft PC-Waren verkauft, da viele Menschen nun vom Homeoffice aus arbeiten. Bekanntlich sind die Spannen in diesen Bereichen schlecht. Wir haben damit auch ein Deckungsbeitrag-Problem. Es geht infolgedessen auch um Finanzierung und ggf. Bankgespräche, die geführt werden müssen.

Des Weiteren haben meiner Erfahrung nach 95 % der Händler keine vernünftige Vorsorge getroffen. Was muss der Inhaber machen, wenn es ihn selbst mal trifft? Wenn er krank wird oder ein unvorhersehbares Ereignis eintritt und er nicht mehr handlungsfähig ist? Das sind Themen, mit denen beschäftigt man sich nicht gerne. Aber ich habe es selbst im Bekanntenkreis erlebt, dass ein Unglücksfall passiert und niemand irgendwo rankam und handeln konnte. Das Unternehmen ist dann für die Zukunft kaputt. Es geht also um die Erstellung von Vorsorgevollmachten, die dann beim Notar hinterlegt werden. Das ist im Übrigen ein generelles Thema, nicht nur in Zeiten von Corona.

Eine weitere Fragestellung ist: Was passiert nach Corona? Viele der Mitarbeiter haben Ängste, insbesondere diejenigen, die aktuell in Kurzarbeit sind. Betriebsinhaber müssen darin beraten werden, wie man diese Mitarbeiter führt, wie man Stressbewältigung einführt. Mitarbeitermotivation ist eine enorme Herausforderung in dieser Zeit. Es geht um Emotionen. Gerade im Handel holt man auch die Kunden über Emotionen ab. Schlecht gelaunte, weil verängstigte, Mitarbeiter sind alles andere als förderlich für die Bindung von Kunden. Daran schließt sich die Frage an: Wie kann ich den Kunden heute anders mitnehmen? Das gilt es konkret zu klären.

Strategieberatung, die Nutzung des Internets – all das gehört ebenso in die Beratung mit hinein. Ich arbeite mit vielen Agenturen im Hintergrund und finde für jeden Weg den richtigen Ansprechpartner, der konkret weitere Hilfestellungen oder Dienstleistungen bietet. Wenn der Händler dann all das umsetzt, was wir zusammen analysiert und erarbeitet haben, dann hat er einen guten Weg für die Zukunft geebnet.“

Den richtigen Berater finden
Es gibt viele Berater am Markt. Nun sollte man sich die Frage stellen: Wie finde ich den für mich richtigen Ansprechpartner und woran erkenne ich, dass es sich um einen seriösen Anbieter handelt? Immer wieder hört man von sogenannten „Schwarzen Schafen“. So werden beispielsweise Versprechen gegeben, insbesondere über staatliche Zuschüsse, die nicht einzuhalten sind oder einer späteren Prüfung nicht standhalten. 

Ein BAFA-Berater ist ein von der BAFA zugelassener Unternehmensberater. Dieser darf nach der Zulassung durch die BAFA im Beratungsprogramm „Förderung unternehmerischen Know-hows“ tätig sein. Die Expertise und das Know-how des Beraters werden nach ganz bestimmten Kriterien im Rahmen eines offiziellen Verfahrens durch Dritte geprüft. Ein zertifizierter BAFA-Berater ist nach diesem Auswahlprozess bei der BAFA registriert. Jeder gelistete BAFA-Berater verfügt über eine Zulassungsnummer. 

Folgende Voraussetzungen für die Beraterregistrierung müssen beim BAFA-Berater vorliegen:

  • Selbständigkeit
  • der überwiegende Geschäftszweck ist die Beratungstätigkeit (mehr als 50 % des Gesamtumsatzes)
  • verfügt über die erforderliche Befähigung
  • besitzt die notwendige Zuverlässigkeit
  • Qualitätssicherung und -management
  • richtlinienkonforme Durchführung der Beratung

Leider gibt es keine unabhängige BAFA-Berater-Datenbank. Das heißt letztlich, dass der Unternehmer selbst recherchieren muss. Am besten geht das, wenn keine persönliche Empfehlung aus dem Umfeld gegeben werden kann, über die Internetrecherche. Achten Sie dabei darauf, dass der Berater zertifiziert ist. Seriöse BAFA-Berater bieten klare und transparente Maßnahmen an, um die Rat suchenden Unternehmen bestmöglich zu unterstützen!

Wolfgang Hanses erklärt uns an dieser Stelle seine Vorgehensweise bei der Beratung eines Unternehmens: „Ich bin ausgebildeter Trainer und Berater. Zuerst analysiere ich das Problem nach der sogenannten SPIN-Methode: Wie sieht die Situation vor Ort aus? Wo konkret liegt das Problem? Was wollen wir erreichen? Was wäre der Idealzustand? Welche Nutzen können wir daraus ziehen? Erst dann komme ich zu der Antwort auf die Frage, ob es überhaupt Sinn macht, das jeweilige Unternehmen zu beraten. Anschließend gehe ich weiter nach der von vom Bundesverband ausgebildetenTrainern und Beratern empfohlenen Methode . Danach suche ich mit dem Unternehmer zusammen zunächst nach dem größten Problem in der Firma. Wenn sodann eine klare Analyse folgt, klingt das schon ganz okay.“

Wir danken an dieser Stelle Wolfgang Hanses für den Einblick in seine Arbeit. Wer weitere Informationen zu Fördermöglichkeiten für Beratungsleistungen sucht, findet diese auf der Internetseite www.bafa.de und den jeweiligen Programmen.

Wie die BAFA am 26. Mai 2020 mitgeteilt hat, sind die Fördermittel für die vollständige Übernahme der Beratungskosten einer Corona-Beratung bereits vollständig aufgebraucht, da mehrere zehntausend Unternehmen Anträge gestellt hätten. Das Sondermodul ist deshalb eingestellt worden. Aktuell stehen daher nur Programme zur Verfügung, bei denen die Antragsteller einen Teil der Kosten selbst übernehmen müssen.

RAin Ulrike Kafka
Redaktionsleiterin
Themen:
Corona

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