450 Euro-Jobber in der Corona-Krise: Zwangsfreizeit ohne Kurzarbeitergeld

03.07.2020
Kommentieren
Merken
Drucken

Grundsätzlich gilt: Ein 450-Euro-Job ist ein ganz normales Arbeitsverhältnis. Das bedeutet: alle Rechte und Pflichten wie bei anderen Arbeitsverhältnissen gelten auch hier. Deshalb muss auch das Gehalt weiterhin gezahlt werden. Der Arbeitnehmer verliert nicht einfach seinen Job, weil der Arbeitgeber ihm keine Arbeit mehr anbieten kann. Dafür bedarf es einer Kündigung, bei der die ganz normalen Kündigungsfristen eingehalten werden müssen. Die Vorstellung, Minijobs seien ein Arbeitsverhältnis minderen Ranges, stimmt nicht – außer beim Kurzarbeitergeld.

Hintergrund: Für Minijobber, die von Kurzarbeit betroffen sind, gibt es kein Kurzarbeitergeld, da Minijobber keine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit ausüben. Die in dem „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Covid-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- und Strafverfahrensrecht“ vorgesehenen vereinfachten Bedingungen für die Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld (KUG) gelten jedoch nur für die Fälle, für die auch ein Grundanspruch auf KUG gegeben ist. Arbeitgeber können KUG nur für die Arbeitnehmer beantragen, die auch versicherungspflichtig in der Arbeitslosenversicherung sind. Geringfügig Beschäftigte (450-Euro-Minijobber) sind versicherungsfrei in der Arbeitslosenversicherung, für sie kann daher nach wie vor kein KUG beantragt werden. Weitere Informationen hat die Bundesagentur für Arbeit in ihrem Merkblatt "8a-Kurzarbeitergeld" zusammengestellt.

www.minijob-zentrale.de/DE/00_home/01_aktuelles/Kurzarbeitergeld.html

mi-Fazit: Ist nicht genug Arbeit für 450-Euro-Jobber mehr da, muss der Chef kündigen oder voll weiterzahlen. Die Alternative, diesen Zustand vorübergehend mit Kurzarbeit zu überbrücken, geht nur freiwillig, ohne staatliche Unterstützung. Auch ansonsten gibt es keine speziellen Maßnahmen für die Minijobber. 450-Euro-Jobs sind bis jetzt durch das Raster gefallen. Aber auch anders herum kann ein Schuh daraus werden:

https://www.bmas.de/DE/Schwerpunkte/Informationen-Corona/Kurzarbeit/kurzarbeit.html

Zusätzliche Erleichterung: Bei Mini-Jobbern ist ein Überschreiten der Entgeltgrenze (5.400 Euro jährlich) unschädlich, sofern dies gelegentlich geschieht und unvorhersehbar ist. Dann wird keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angenommen. Ein gelegentliches Überschreiten liegt im Normalfall bis zu drei Monaten innerhalb eines Zeitjahres vor. Zwischen dem 1.3. und dem 31.10.2020 wird das gelegentliche unvorhersehbare Überschreiten der Entgeltgrenze auf fünf Monate erhöht. Unvorhersehbar ist zum Beispiel Mehrarbeit, die erledigt werden muss, weil etwa ein Kollege arbeitsunfähig krank ist oder aus anderen Gründen, beispielsweise Quarantäne, nicht arbeiten kann.

Auch bei der Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit sind weitere Hilfen beschlossen worden: Es wurde das zweite Sozialschutzpaket geschnürt, nachdem das Kurzarbeitergeld nach längerer Bezugsdauer erhöht und die Anspruchsdauer des Arbeitslosengeldes einmalig um drei Monate verlängert werden. Gültig ist dies für alle, deren Anspruch zwischen dem 1. Mai und dem 31. Dezember 2020 enden würde. Zudem wurde das Kurzarbeitergeld erhöht – allerdings nur bis Jahresende befristet. Konkret heiß das: Bezieher von Kurzarbeitergeld erhalten ab dem vierten Monat nicht wie bisher 60, sondern 70 Prozent ihres pauschalierten Nettoentgeltes. Für Eltern steigt die Bezugshöhe von derzeit 67 Prozent auf künftig 77 Prozent bzw. ab dem siebten Monat 87 statt 80 Prozent. Auch diese Regelung ist bis Jahresende befristet.

 

Peter Vogt
Chefredakteur
Themen:
Corona

miDIREKT Login

Dieser Inhalt ist nur mit einem entsprechenden miAbo zugänglich. Falls Sie über ein miAbo verfügen, können Sie sich hier einloggen.

Abbrechen
Wir haben Ihnen einen Link zur Erstellung eines neuen Passwortes geschickt. Bitte überprüfen Sie Ihren Posteingang.

Sie benötigen Unterstützung? - Hier geht´s zum Hilfebereich.
Wenn Sie sich über unsere Abo-Angebote informieren möchten, klicken Sie hier:
Liebe Leserinnen und Leser,
in unserem monatlichen Newsletter erhalten Sie regelmäßig einen Überblick über die wichtigsten Nachrichten, Standpunkte, Experten-Tipps, Ratgeber sowie aktuelle Verlagsaktionen, die Sie im täglichen Geschäft gewinnsteigernd einsetzen können.
Abonnieren Sie jetzt den kostenlosen markt intern-Newsletter






* Pflichtfelder

Artikel teilen

Bitte wählen Sie eine Plattform, auf der Sie den Artikel teilen möchten:

Merkliste
Sie sind noch nicht angemeldet.
Bitte melden Sie sich als User an, dann können wir Ihre Merkliste erweitern.

Abbrechen

Legende
  • frei zugängliche, gekaufte oder jene Artikel, die in Ihren Abonnements enthalten sind.
  • Artikel, die Sie mit Ihrem erworbenen Pass-Kontingent
    (Tagespass oder 5 Artikel PLUS Pass) freischalten können.
  • gesperrte Artikel, die Sie durch den Kauf eines Passes
    (Tagespass oder 5 Artikel PLUS Pass) oder Abonnements freischalten können.

Bitte beachten Sie, dass der Tagespass nur Artikel beinhaltet, die nicht älter als 7 Tage sind. Details entnehmen Sie bitte unserer Abo-Übersicht. Alle Ihre gekauften Produkte finden Sie nach Login unter MEIN MI rechts oben im Hauptmenü.