Die abschließenden expopharm-Messesplitter

Der Deutsche Apothekertag und die expopharm sind für die Redaktion heftige Stresstests. Unsere beiden längsten Termine sind deren Eröffnungsveranstaltungen, wobei wir uns die Grußworte, soweit es geht, schenken. Ansonsten geht es im Stundentakt voran: 50 Minuten Gespräch, 10 Minuten für den Weg zum nächsten Termin. An drei Tagen kommt so – ohne die Abendtermine – einiges zusammen. Daher ist unsere heutige, abschließende Berichterstattung von der expopharm keineswegs das Resteessen, sondern eher der Nachtisch, den wir heute mit Ihnen genießen möchten.

Starten wir mit PHARMATECHNIK (PT), wo wir traditionell zu einem Frühstück eingeladen sind. Dr. Detlef Graessner, Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter, sowie Geschäftsführer Lars Polap begrüßen einen kleinen Kreis von Redakteuren. Dabei beobachten wir seit Jahren, wie freundlich und geduldig die beiden alles beantworten und wiederholen, was teilweise schon mehrfach gefragt/beantwortet wurde. Das gilt zudem für die Fragen der Redakteure, die fachfremd sind, bisher keinen Kontakt zur Apothekensoftware hatten, und die manches Mal weit am Thema vorbeigehen.

Das PT-Team stellte die aktuellen Highlights aus Unternehmenssicht vor. Dr. Graessner startete in den jeweiligen ­Tagesordnungspunkt mit einer kurzen Einführung/der ­Dimension, die Details übernahmen dann Lars Polap oder weitere Spezialisten. In diesem Jahr lautete das Motto „Mit Ideen. Mit Erfolg. Mit Ihnen.“ Die Starnberger präsentierten sich als „Deutschlands größtes inhabergeführtes, unabhän­giges Apothekensoftwarehaus“ und stellten ihre Zuverlässigkeit und Innovationskraft heraus. Mehr als 350 Mitarbeiter allein im Bereich Service & Support seien ein Beleg der gelebten Partnerschaft zu den Kunden.

Aktuell setzen gut 4.000 Apotheken auf IXOS. Mehr Soft­ware braucht es anscheinend nicht, wie die PT-Strategen mit „1 Unternehmen. 1 System. IXOS für alle“ ausdrücken wollen. Zumindest wenn Sie auf IXOS RX 4.0 setzen und die Module dazu erwerben, die Sie in Ihrem Alltag benötigen. Beispielsweise VK 4.0 zur Optimierung der Abverkaufs­preise, die Botendienstlösung IXOS U5, das Dokumentenmanagementsystem ORBIZ oder das IXOS KIM Modul. Aktuell besonders gefragt ist die Integration der pharmazeutischen Dienstleistungen in die Apothekensoft­ware. Das hilft Ihnen die Abläufe effizient und einfach zu gestalten – und so die Kunden zu begeistern. Verbunden mit dem AMTS-Check können Sie, so Dr. Graessner, auf ein 'Rundum-­sorglos-Paket' setzen.

Für PHARMATECHNIK selbstverständlich ist die Unterstützung aller elektronischen Abläufe rund um das ­E-Rezept, digital per App, demnächst per elektronischer Gesundheitskarte oder KIM. Und die IXOS.team App hilft bei der apothekeninternen Organisation, Zusammenarbeit und Kommunikation, und ist der mobile Zugang zum neuen digitalen Lernsystem im IXOS.campus: Damit kann sich jedes Mitglied im Apothekenteam über Neuerungen informieren und vorbereiten.

„Die Betriebsfähigkeit einer Apotheke hängt spätestens mit dem E-Rezept kritisch von funktionierenden Systemen und Dienstleistern ab“, leitete Lars Polap die Erläuterungen zu den Sicherheitskonzepten von PHARMATECHNIK ein. Was alles hinter den Lösungen IXOS.protect, IXOS.routing und IXOS cloudbackup steckt, würde hier den Rahmen sprengen. Aus vielen Diskussionen wissen wir, wie wichtig die Starnberger den Schutz der Apotheken vor externen Angriffen nehmen. Eine Lösung, wie der Ausfall eines Konnektors umschifft werden kann, wurde kurz vorgestellt: Bei Apothekern, die kollegial zusammenarbeiten möchten, ermöglicht PT mittels VPN den Zugriff auf die Rezeptschlüssel über den (funktionierenden) Konnektor in der anderen Apotheke. So lassen sich zumindest die Rezepte beliefern – die Abrechnung hat dann noch Zeit. Interessenten wie Bestandskunden finden weitere Informationen und Kontaktdaten unter www.pharmatechnik.de.

Weiter ging es zu Medinoxx. Blistern, das kann jede Menge Müll verursachen. Das Unternehmen mit Deutschland-Sitz in Ottobrunn präsentierte auf der diesjährigen expopharm ­einige Innovationen, ein besonderer Fokus lag dabei auf dem Thema Nachhaltigkeit. Jens Häfner, Geschäftsführer der Medinoxx Deutschland GmbH, hatte schon im Vorfeld angekündigt: „Eine der großen Aufgaben im Gesundheitswesen ist es, den Materialverbrauch zu verringern und die Ressourcen zu schonen. Mit unseren wiederverwendbaren Trays und der Nutzung von recyclingfähigen Materialien waren wir von Beginn an Vorreiter in Sachen Umweltschutz. Nun gehen wir noch einen Schritt weiter: Als erster Anbieter in Deutschland haben wir im Bereich des Medika­tionsmanagements ein umfassendes Konzept entwickelt, das einen noch nachhaltigeren Produktkreislauf ermöglicht: So werden Einmal-Komponenten von uns zukünftig recycelt und an anderer Stelle im Blistersystem wiederverwendet.“ Medinoxx setzte von Anfang an auf wiederverwendbare Trays. Zudem ist das gesamte System modular aufgebaut, nur die tatsächlich benötigten Komponenten kommen zum Einsatz.

Zur jüngsten expopharm wurde das Eco-Circle-System vorgestellt: Die Einmal-Komponenten des Blistersystems werden einem geschlossenen Recyclingkreislauf zugeführt und direkt im System wiederverwendet. Konkret bedeutet das: Die nur einmal verwendeten Patienten-Einnahmebecher, die Medi Cups, werden von den Pflege- und Senioreneinrichtungen zurückgenommen, gereinigt und aufbereitet. Der daraus recycelte Kunststoff wird im Anschluss zur Herstellung der Medi-Trays wiederverwertet. Damit lassen sich rund 80 % des eingesetzten Kunststoffs wieder in das Verblisterungssystem einspeisen.

Das modulare, patientenindividuelle Medikationssystem bietet Apotheken die Möglichkeit, feste und flüssige Arzneimittel in einem Tray zu verblistern. Hierfür wurde ein kompakter Siegelautomat entwickelt, der höchsten Ansprüchen genügt. Medinoxx gibt an, dass sich bis zu 90 % aller benötigten Medikamente verblistern lassen, im Vergleich zu herkömmlichen Systemen sei dies ein Bestwert. Neben Liquida können zusätzlich problembehaftete Medikamente wie feuchtigkeitsempfindliche Brausetabletten oder Weichgelatinekapseln bis hin zur Spezialversorgung verarbeitet werden. Zudem mache das System das Verblistern für die Apotheke vor Ort attraktiv, da es sehr effizient und kostengünstig sei. Einen ersten Überblick können Sie sich unter www.medinoxx.de verschaffen.

Zum Abschluss folgen wir der Einladung von BD Rowa. Die Automatisierungsquote in Deutschland kann man als hoch bezeichnen: Ca. 8.000 Apotheken haben ihr Warenlager automatisiert. Ein großer Teil davon dürfte von BD Rowa stammen, denn das Unternehmen hat rund 5.000 Kommissionierer in der D-A-CH-Region ausgeliefert. Wir sprechen immerhin über ein Investitionsvolumen von 80–150.000 € pro Apotheke. Das ist schon eine Entscheidung für die Inhaber, die gut bedacht sein will. Den Messestand gestaltete das Kelberger Unternehmen sehr offen und hell. Antonios Vonofakos, Geschäftsführer BD Rowa Deutschland, war mit dem Messerverlauf sehr zufrieden, das ­Interesse sei extrem gut gewesen. Nach einem kurzen Gespräch zum Auftakt drehten wir die obligatorische Runde über den Stand. Dieser war in verschiedene Anwendungswelten aufgebaut. Sehr interessant und praxisrelevant. Das wird zur hohen Verweildauer der Messebesucher und den intensiven Gesprächen beigetragen haben.

Antonios Vonofakos verweist für die blendende Umsetzung von Kundenwünschen auf das Beispiel des BD Rowa EasyLoad. Die automatische Einlagerung der Arzneimittel konnte Ihrem Team in der Offizin und erst recht im Back­office ganz schön auf die Nerven gehen. Das ständige Rappeln, die Geräusche beim Drehen der Packungen, das soll mit dem neuen Einlagerungssystem von BD Rowa Geschichte sein. Durch modernste 3D-Scan-Technologie werden die auf dem Pufferband liegenden Medikamentenpackungen erfasst. Ein rotierender Saugkopf legt sie präzise auf einen Drehteller, wo eine weitere Kamera im Inneren des BD Rowa EasyLoads Barcodes und Verfallsdaten der Medikamente scannt. All das geschieht im Vergleich zu den früheren Einlagerungssystemen flüsterleise (Geräuschpegel von rund 50 dB) bei zusätzlich gesteigerter Geschwindigkeit.

Beim Pickup-Terminal zeigte BD Rowa eine neue Variante: Zusätzlich zum bisher senkrecht verbauten 24/7-Abholterminal für die Apotheken vor Ort präsentierten die Kelberger auf der Messe erstmals eine horizontale Version. Auf den ersten Blick erkennen wir die Zusammenarbeit mit dem bekannten deutschen Türanlagen-Hersteller, eine wirklich wertige Angelegenheit. Damit lassen sich nun Lösungen gestalten, bei denen bisher die vorhandene Höhe nicht ausreichte. Diese Lösungen und auch die optisch interessanten Ausführungen der Kommissionierer für Ihre Patienten finden Sie unter www.rowa.de. In einigen uns bekannten Apotheken gibt es regelmäßig Führungen und Demonstrationen der Kommissionierer, nicht nur für Grundschulklassen! Wichtiger sind natürlich die Arbeitserleichterungen für Ihr Team und die daraus resultierende Zeit für die Beratung der Patienten.

Damit endet unsere Berichterstattung von der expopharm 2022. Was uns zuversichtlich macht: Aktuell stehen alle Vorzeichen für die expopharm 2023 (27.-30. Sept. 2023 in Düsseldorf) auf positiv. Auf „Lauti“ hören die Bürger nur noch in Radiobeiträgen, wer war eigentlich „Laschi“?