TI-Kurzschluss in Berlin?

Derzeit schlagen die Meldungen rund ums E-Rezept weiter hohe Wellen. In der vergangenen Woche äußerte die Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein Bedenken zum Versand der E-Rezept-Token via E-Mail, so wie die Ärzte diese wohl am liebsten an die Patienten bringen würden. Konkret: Aus den QR-Codes seien mit den Apps von Versandapotheken sensible Gesundheitsdaten auszulesen. Die Bedenken trafen bei den Ärzten des Bundeslandes auf fruchtbaren Boden – und die KV SH nutzte prompt die Gelegenheit, sich aus der Startphase des ungeliebten E-Rezepts zu verabschieden. Hatte man nun den Grund gefunden? Möglich wäre es, denn der Vorschlag der Datenschützerin, den Versicherten auf getrenntem Weg ein Passwort zur Entschlüsselung der E-Mail bzw. eines E-Mail-Anhangs zu übersenden, um so an den QR-Code zu gelangen, ist wirklich weltfremd. Meint sie allen Ernstes, dass ein Patient sich für ein solch umständliches Verfahren begeistern lässt? Wie soll die Einführung des E-Rezepts auf diese Weise eine Erfolgsgeschichte werden? Dagegen hält Bundesgesundheitsminister Dr. Karl Lauterbach am Start des E-Rezepts und dem Versand der QR-Codes über spezielle Apps für Smartphones und auch per E-Mail oder SMS fest. Lauterbach erklärte zudem, dass er auch eine Lösung für die aktuelle elektronische Gesundheitskarte eine Lösung suche, nicht erst für deren nächste Generation.

Die Apotheken sollten bei dem anstehenden Roll-out gut mithalten können. Einer aktuellen Meldung der ABDA entnehmen wir: „Die Apotheker bereiten sich seit Monaten intensiv und mit größtem Engagement auf das E-Rezept vor. Sie sehen darin die Chance, ihre Patienten schneller, sicherer und komfortabler versorgen zu können. Rund 11.000 Apotheken haben sich bereits im Apothekenportal als startklar fürs E-Rezept gemeldet.“ Nach ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening kommt es nun darauf an, dass alle Beteiligten gemeinsam daran arbeiten, dass das E-Rezept verlässlich im Versorgungsalltag ankomme. Da sollte sich die ABDA an ihren Worten messen lassen. Denn offiziell begrüßen die Berliner den Referentenentwurf zum Versand der E-Rezept-Token allein über die Telematikinfrastruktur (s. P34/22) und gehen noch darüber hinaus: „Eine elektronische Übermittlung auf anderen Wegen – insbesondere ungeschützten SMS oder E-Mails – ist schon aus Gründen der IT-Sicherheit und des Datenschutzes auszuschließen.“

Wir sind sehr auf die Grußworte des Bundesgesundheitsministers beim Deutschen Apothekertag gespannt. Denn die von ihm angestrebte einfache und schnelle Lösung lehnt Ihre Standesvertretung ab. Ebenfalls sind wir auf die Diskussionen mit den Apothekern gespannt, die auf den Zukunftspakt Apotheke oder gesund.de gesetzt haben. Zahlreiche Statements unserer Leser bestätigen: Die ABDA (und Teile der Fachpresse) erkennen nicht, dass den Kunden der Wurm/das E-Rezept schmecken muss, nicht den Anglern/Apothekern. Noch spannender wird die Frage, wie der DAV erklärt, warum Sie zweistellige Millionenbeträge in die Gedisa einzahlen sollen, die doch auch von der Weiterleitung des E-Rezept-Tokens ausgeschlossen wäre. Oder wissen ABDA/DAV mehr als die Kooperationen? Wann wird das öffentlich?