Verbund Starke Apotheke — ein Gemeinschaftsprojekt

In den letzten Wochen des alten Jahres machte ein Projekt auf sich aufmerksam, das bei vielen Apotheken und auch bei Ihrer 'markt intern'-Redaktion auf großes Interesse stieß. Die Basis der Apotheker bemängelt das oftmals mangelnde Gehör und Interesse der Standesvertretungen an den Alltagsproblemen der Kollegen. Das bestätigte unsere Umfrage 'Standesvertretungen auf dem Prüfstand' im Jahr 2020 weitgehend. Die Kollegen machen ihre Meinung meist an persönlichen Erfahrungen fest. Ein sehr konkretes und zugleich für mehr als 3.000 Apotheken schlimmes Ereignis war die Insolvenz des Rezeptabrechners AvP im Herbst 2020. Nun gab es einzelne Apothekerverbände, die für ihre Mitglieder mit dem Insolvenzverwalter sprachen, bei der Politik trommelten und mit guter Öffentlichkeitsarbeit um breite Unterstützung warben.

Doch das war nicht bundesweit der Fall. Was haben eigentlich ABDA, BAK und DAV für ihre Mitglieder getan? Keine Ahnung? Zudem hätten die Apotheken keine politische Unterstützung zu wenig Lobby in der Öffentlichkeit keine durchschlagende Interessenvertretung und sie leben zu wenig Solidarität. Deshalb sei es an der Zeit die Strategie zu ändern, meinten die Gründer des Verbund Starke Apotheke. Sie wollen selbst für die Zukunft des Berufs und den Erhalt der öffentlichen Apotheken einstehen. Engagierte Apotheker, PTA und PKA, Menschen mit Leidenschaft für ihren Beruf, müssten doch einen Strategiewechsel anstoßen können, indem sie ihre Kräfte bündeln!

Apothekerin Beatrice Guttenberger, Initiatorin des Verbund Starke Apotheke, rief zunächst zu Spenden auf, um eine gemeinsame Plattform zu schaffen. Diese finden Sie inzwischen auf www.starkeapotheke.de. Unter dieser Adresse finden Sie alle Informationen zu einer möglichen Mitgliedschaft, die Satzung und Beitragsordnung des eingetragenen Vereins sowie den Mitgliedsantrag. Dafür sollten Sie allerdings die Ziele kennen und unterstützen wollen: Wir wollen Lobby-, PR- und Medienarbeit machen Wir wollen eine starke Online-Präsenz aufbauen Wir wollen gezielte politische Aktionen durchführen Wir wollen politischen Druck ausüben! Wir wollen den Apotheken vor Ort im Superwahljahr 2021 eine gewichtige Stimme geben“, lesen wir auf den Internetseiten. Das klingt etwas sperrig, dafür ist das Ziel, 1,5 Mio. € für Kampagnen, Aufklärung und politische Aktionen zu sammeln, sehr klar definiert.

Im Gespräch mit Beatrice Guttenberger, Inhaberin der Rats-Apotheke in Ochsenfurt, wird vieles klarer, wir erfahren mehr Details: „Unser Ziel ist es, viele gleichgesinnte Kollegen zu finden, Leute die mitmachen. Mit einer neu gestalteten Homepage bieten wir die Möglichkeit aus Facebook und WhatsApp herauszukommen, um Dinge, die uns alle oder bestimmte Gruppen beschäftigen, zu besprechen, Probleme zu lösen und auch gemeinsam anzugehen.“ Die Möglichkeiten einer solchen Interessenvertretung leben von der Zahl der Mitglieder, die dieser erstens ihre Stimme geben und sie zweitens mit ihren Beiträgen auch finanziell handlungsfähig ausstatten. Mit 10 % aller Apotheken (rund 1.900 Mitglieder) hat Guttenberger ein großes Ziel ausgerufen. Doch dieses relativiert sich: „Gern kann sich jede(r) ApothekerIn und auch PTA bei uns einbringen. Die anfangs angepeilten Mitgliederziele sind schon sehr optimistisch. Aktuell haben wir etwas mehr als 200 ordentliche Mitglieder und noch einmal so viel Anträge.“ Damit ist der Kreis der möglichen Mitglieder viel größer, als die Relation zu den Offizinen nahelegt. Die tolle Bereitschaft, den Verein finanziell zu unterstützen, wurde gleich zu Anfang durch zahlreiche Spenden klar.

Die Zahlen sind nach wenigen Wochen schon beeindruckend – zumal über den Jahreswechsel und während einer Pandemie mit zahlreichen Hindernissen. Aktuell werden noch alle Arbeiten ehrenamtlich abgewickelt. Deshalb sind Hunderte von E-Mails neben der Arbeit in der Offizin und den Wünschen der Familie nicht mal eben so erledigt. Ganz wichtig ist Beatrice Guttenberger: „Wir wollen keine ABDA-Konkurrenz sein. Eher stellen wir uns den Verbund als starke Ergänzung vor, die das Meinungsbild unter Apothekern, PTA und PKA schnell und demokratisch widerspiegelt. Dazu suchen wir viele Verbündete, Kolleginnen und Kollegen, die mitmachen.“

'mi'-Fazit: Gemeinschaft macht stark, das wusste schon Friedrich Wilhelm Raiffeisen, von diesem Prinzip lebt jede Genossenschaft Die Mindestmitgliederzahl (ehemals sieben) hat der Verbund längst hinter sich gelassen, die Gründung in Form eines e. V. erfolgte Die erste Variante der Homepage wurde gestartet, um Informationen verfügbar zu machen, das Interesse weiterer Pharmazeuten (Approbierte und PTA!) zu wecken und auch zu sehen, wie groß das Interesse an einem gemeinsamen Portal ist Im Laufe des Januar gilt es weitere Mitgliedsanträge zu bearbeiten und zu bestätigen 1.900 Mitglieder resultieren aus dem Gedanken 'think big' – um arbeitsfähig zu werden, sollten anfangs 3 – 400 Mitglieder genügen Schauen Sie sich das Programm und die weiteren Informationen unter www.starkeapotheke.de an. Vielleicht ist dies genau die richtige Plattform für Sie: Gemeinsam nach vorne denken, etwas für die Branche bewegen, statt im Standesdünkel zu verharren!