Dauerärgernis Lagerwertverluste vermeiden

Preissenkungen ziehen bei den von Apotheken bevorrateten Arzneimitteln einen Lagerwertverlust nach sich. Das ist nichts Neues. So schmilzt Ihnen quasi das Betriebsergebnis im Lager weg. Der Aufwand, um Lagerwertverluste zu vermeiden, ist respektabel: Sie müssen jede Preisänderung in der EDV nachverfolgen. Ist das Arzneimittel vorrätig, gilt es zu handeln. Eine Lösungsmöglichkeit ist die Rücksendung zum Großhandel und erneute Bevorratung nach der Preissenkung. Aus Umweltaspekten ziemlich unsinnig, auch die Qualität der Arzneimittel gewinnt durch den doppelten Transport sicher nicht hinzu.

Die bessere Alternative ist der Lagerwertverlustausgleich durch die Hersteller: Mit Hilfe der Vordrucke (Adressat: PSG Phagro-Service) aus der gedruckten Ausgabe der PZ können diese für Rx-Arzneimittel bspw. über den Großhandel angemeldet werden. Ansonsten bieten die Hersteller meist eine Online-Möglichkeit zur Meldung und Berechnung der Erstattung.

All das ist in der Bonifatius-Apotheke in Essen bekannt. Die Kollegen melden sich telefonisch in der Redaktion, weil ein Lagerwertverlust in Höhe von rund 450 € (2 × 226 €) einzutreten scheint. Was uns dann geschildert wird, passt gleich mehrfach unter 'dumm gelaufen': Ein Patient legt die Verordnung vom 26.3.2020 am 30.3.2020 in der Apotheke vor. Die beiden Packungen des Arzneimittels (zur Vermeidung der Organabstoßung nach einer Transplantation) holt er am 2.4.2020 ab. Vom Warenwirtschaftssystem des Apothekers wurde dabei der bis 31.3.2020 gültige Preis aufgedruckt, mithin zweimal 226 € mehr, als ab April möglich. Die Ware wurde auch tatsächlich zum bis 31.3.2020 gültigen EK eingekauft, wie sich aus dem Lieferschein des Großhandels ersehen lässt.

Das fehlerhaft bedruckte Rezept passierte das Apothekenrechenzentrum ohne Beanstandungen, erst auf die Retaxation der Krankenkasse fiel der Fehler auf. Zu diesem Zeitpunkt war der Termin zur Meldung des Lagerwertverlustes laut PZ-Vordruck leider schon verstrichen. Die Nachfrage beim Großhandel „Wurde die Frist möglicherweise verlängert?“ wird negativ beschieden. Der Sachverhalt lässt sich anhand der Belege vom Einkauf bis zur Retaxation gut nachvollziehen. Deshalb haben wir beim Arzneimittelhersteller nachgefragt, ob eventuell noch eine Lösung im Wege der Kulanz möglich wäre. Das war am Donnerstag, dem 14.5.2020.

Wir erhalten am folgenden Montag, 18.5.2020, die Auskunft, die Frist zur Meldung des Lagerwertverlustes sei leider abgelaufen. Kulanz will man nicht gewähren. Nun möchten wir die genauen Eckdaten wissen. Beim Telefonat mit einem Mitarbeiter der Pressestelle erfahren wir: Die Frist ist am 15.5.2020 abgelaufen. Einen Tag, nachdem wir die Anfrage beim Hersteller plaziert haben. Auf die Nachfrage „Warum wurde denn der Apotheke nicht Bescheid gegeben, sie sollen die Meldung noch schnell einreichen?“ ist unser Gesprächspartner nicht gefasst. Nach einer internen Rückfrage meldet er sich wieder: Die 'markt intern'-Redaktion bekommt eine spezielle Rufnummer zum Kundendienst, die wir an den Apotheker weitergeben möchten.

Anhand des nunmehr bekannten Fristablaufdatums lässt sich auch nachvollziehen: Die Auskunft der angesprochenen Großhandelsmitarbeiterin war schlicht falsch. Die Meldefrist war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgelaufen. Daher wäre es noch sehr gut möglich gewesen, den Lagerwertverlustausgleich regulär zu beantragen und allen Diskussionen aus dem Wege zu gehen.

'mi'-Fazit: Achten Sie genau auf Preissenkungen, auch wenn diese sich zum Monats- und erst recht zum Quartalsende häufen Gleichen Sie den Bestand sorgfältig ab – ansonsten verbrennt das Geld im Regal Beachten Sie auch den Weg zur Anmeldung der Lagerwertverluste – die Hersteller machen es Ihnen (absichtlich?) nicht einfach 'markt intern' pflegt eine Übersicht zum Lagerwertverlustausgleich, die aktuell elf Seiten umfasst: Für Abonnenten abrufbar per E-Mail an apotheke@markt-intern.de Bitte geben Sie Ihren vollständigen Absender und den Betreff 'Übersicht Lagerwertverlustausgleich' an.