Munich Wristbusters decken Fake-Uhren auf

02.03.2021
Kommentieren
Merken
Drucken

'There’s no Business like Show Business' heißt es so schön. Und zur Show gehört eben auch Glamour dazu. VIPs zeigen ihren Reichtum gerne in die Kamera, denn immerhin geht es darum, sich selbst darzustellen, und wer sich Teures leisten kann, demonstriert damit seinen Erfolg. In heutigen Zeiten geschieht das Self-Promoting vorwiegend über Social-Media-Kanäle. Hier wird die Identität der Stars präsentiert bzw. erst geschaffen. Man zeigt, was man hat. Und: Reich sein, ist nach wie vor 'in' – weil es eben nicht jeder ist. Der Bewunderungs- (bzw. Neid-)Faktor spielt dabei eine Rolle. Auch unsere Branche – von den Produzenten bis hin zu den Verkäuferinnen am PoS – lebt davon, dass diejenigen, die es sich leisten können, Luxusprodukte kaufen, um damit ihr Image zu unterstreichen und sich so zu schmücken. Das gilt für attraktiven Schmuck wie für originale Armbanduhren, in denen oft mehrere Jahre Entwicklung und viel Kreativität stecken. Dass sich Menschen mit schönen und teuren Dingen brüsten, ist nicht neu und auch für die Munich Wristbusters (MWB) okay – solange es keine gefälschten Produkte sind, jedenfalls keine gefälschten Uhren. Robin Haas und Leon Schelske werden aktiv, wenn sie in Posts von VIPs und Influencern solche Fake-Ware sehen; sie outen die Träger im Netz. Gerade in der Rapper-Szene, in der Statussymbole zählen, kommt es gar nicht gut an, wenn Stars ihre Follower mit Fälschungen täuschen. Protzen ist erlaubt, aber nur mit echtem Prunk. Entsprechend unbeliebt machen sich die 20 und 21 Jahre jungen Münchener bei denjenigen, deren Bluff sie aufdecken. Mit Hilfe von Fotos und in Videos, die die Fans ansehen können, erklären sie, woran sie erkennen, dass z. B. die Armbanduhr von Milliarden Mike nicht original ist. Dabei werden Faktoren wie die Position des Werks, Datumsanzeige, Farbe des Zifferblatts, Gehäusehöhe, Band­anstöße oder das Aussehen der 'Brillanten' analysiert.

Leon Schelske, Robin Haas
© Munich Wristbusters
Leon Schelske, Robin Haas

„Da wir uns sehr für Uhren interessieren, ist uns aufgefallen, dass in München vermehrt Leute mit Fake-Uhren rumlaufen oder diese auf Instagram präsentieren“ , erklären die Munich Wristbusters der 'markt intern' Uhren & Schmuck-Redaktion die Hintergründe zu den Ursprüngen der Aktivitäten. „Dann kam uns die Idee, doch mal eine Seite zu machen, auf der wir diese Personen posten und aufzeigen, woran man erkennt, dass es sich um eine gefälschte Uhr handelt.“ Die Posts wurden über Instagram veröffentlicht. Unsere Frage nach einer Uhrmacher-Ausbildung verneinen die beiden. Doch: „Uhren sind schon lange eine Leidenschaft von uns, für die wir uns sehr begeistern“, erfahren wir von Haas und Schelske. Es ist aber nicht so, dass die jungen Männer reine Hobbyisten sind. Sie selbst handeln mit neuen und gebrauchten Zeitmessern. Sie kaufen Modelle der Marken Rolex, Audemars Piguet, Hublot, Omega, Cartier und Tag Heuer überwiegend über Chronext ein und verkaufen diese auf ihrem Online­shop www.mwbwatches.de. Dieser Weg mag von Fachhändlern, die jahrelang dafür kämpfen, autorisierte Händler dieser Marken zu werden, kritisch gesehen werden.

Sicherlich freuen sich aber sowohl Uhren-Hersteller als auch -Händler über die umfangreichen Fake-Aufdeckungen der Munich Wristbusters. Und dabei wirbeln die Kerle jede Menge Staub auf. Um eine Größenordnung zu geben, wie viel Staub, hier die Info der MWB an uns: „Wir haben aktuell 291.000 Follower auf Instagram und ca. 13.000 auf YouTube.“ Auf ihrer Website kommunizieren sie u. a. Gründe, warum sie gegen Fake-Uhren und ihre Träger vorgehen. Zusammengefasst sind dies:  hoher Schaden für deutsche Unternehmen aufgrund von Marken- und Produktpiraterie  meist erheblich geringere Lohnkosten im Herkunftsland sowie weniger Arbeits- und Umwelt­recht-Auflagen  Produktpiraten tragen kein unternehmerisches Risiko, haben keine Kosten für Entwicklung, bedienen sich fremder Ideen  minderwertige Qualität der nachgebauten Ware  Umsatzeinbußen beim Entwickler  Schädigung der Marke  mögliche Gesundheitsschäden bei Verbrauchern aufgrund minderwertiger Farben und Materialien.

Mit ihren Aktivitäten haben sich die Münchener allerdings nicht nur Freunde gemacht. Adrian Lotz, Artist Manager SUMMERFIELD MANAGEMENT – MUSIC – TV – INTERNET in Heiligenroth, berichtet uns: „Die Munich Wristbusters haben wegen ihrer Posts schon jede Menge Ärger gehabt. Die Anfeindungen reichen bis hin zu Morddrohungen.“ Seine 18 Mitarbeiter starke Agentur managt PR und Marketing für eine Reihe von Influencern, unter anderem auch die MWB. Die Arbeit der Jungs ist laut Lotz für einige Schein-Erfolgreiche, wie z. B. aus der Welt der Business Coaches, geschäftsschädigend.

Dennoch ist die Initiative von Haas und Schelske äußerst hilfreich, denn das Phänomen wird nicht von allein verschwinden. Vielmehr breitet es sich fröhlich weiter aus – eine der Schattenseiten des Globalismus und der Internet-Welt. „Die Probleme beginnen […], wenn eine Klientel, die es sich nicht leisten kann, von dem Wunsch besessen ist, ein berühmtes Modell am Arm zu tragen“ , kommentiert Philip Cassier den Hintergrund. Der Textchef ICON/Welt am Sonntag erklärt ferner: „Weil die Zahl derer, die diese Obsession reitet, in Zeiten von Instagram und Co. stark steigt, werden immer mehr Fake-­Uhren produziert. Deren Preise liegen oft bei weniger als 100 € und es verwundert wenig, dass besonders Zeitmesser von Rolex, Patek Philippe und Audemars Piguet als Vorlagen herhalten müssen. Die gibt es schon als Originale kaum, weil die Manufakturen mit der Fertigung nicht nachkommen“ (8. September 2020).

Die Frage ist allerdings, ob das Must-Have auch immer ein Must-Have sein muss. Im Plädoyer der Munich Wristbusters wird dies indirekt verneint: „Wir hoffen, mit unserer Arbeit den Leuten die Augen zu öffnen! Man braucht keine Rolex, um irgendwo akzeptiert zu werden oder dazu zu gehören. Auch wenn Influencer, Rapper und Co. es so vorleben ... es ist nicht alles Gold, was glänzt.“ Wahre Worte. Leider werden sie nicht jeden überzeugen. Die Scheinwelt hat eine hohe Anziehungskraft. „Nun könnte man fragen, warum bei diesen Spitzen der Gesellschaft ausgerechnet die Uhr echt sein soll, wenn es oft schon die Haare, Lippen oder Brüste nicht sind“, kommentiert Cassier das Phänomen einer gewissen Einstellung in bestimmten Kreisen. Ein Schmunzeln ist bei der rhetorischen Frage erlaubt.

Wir meinen: Die Munich Wristbusters erfüllen eine wichtige Aufgabe in einer vernetzten Welt, in der falsche Produkte, News oder Bilder kaum mehr von richtigen unterschieden werden können  Sie tragen konkret dazu bei, dass sich einige VIPs zukünftig nicht mehr gedankenlos mit Fälschungen schmücken und damit guten Uhrenmarken schaden  Sie schärfen vor allem auch bei jungen Menschen das Bewusstsein für die Problematik von Fake-Produkten  Ferner erhalten Follower einen Einblick in die spannende Welt hochwertiger echter Uhren  Im Idealfall wird die Begeisterung der MWB für diese kleinen Wunderwerke viele junge Leute anstecken und eines Tages auch in Ihr Geschäft führen, um hier ein hochwertiges Modell zu erwerben  In einer Zeit, in der bei großen Teilen der Generationen xyz das Smartphone die traditionellen Zeitmesser als Statussymbol ersetzt hat, kann unser Markt einen Trend Pro Armbanduhr dringend gebrauchen!

Sandra Kinder, M.A.
Chefredakteurin
Gesa Hufmann
Ressortleiterin
Schlagwörter:
,
,
,
,
Kontakt
Zur Redaktion
Ausgaben und Beilagen
Neue Ausgaben und Beilagen als PDF oder direkt im Browser lesen:
Alle Ausgaben und Beilagen
Beliebte Schlagwörter miDirekt

miDIREKT Login

Dieser Inhalt ist nur mit einem entsprechenden miAbo zugänglich. Falls Sie über ein miAbo verfügen, können Sie sich hier einloggen.

Abbrechen
Wir haben Ihnen einen Link zur Erstellung eines neuen Passwortes geschickt. Bitte überprüfen Sie Ihren Posteingang.

Sie benötigen Unterstützung? - Hier geht´s zum Hilfebereich.
Wenn Sie sich über unsere Abo-Angebote informieren möchten, klicken Sie hier:
Liebe Leserinnen und Leser,
in unserem monatlichen Newsletter erhalten Sie regelmäßig einen Überblick über die wichtigsten Nachrichten, Standpunkte, Experten-Tipps, Ratgeber sowie aktuelle Verlagsaktionen, die Sie im täglichen Geschäft gewinnsteigernd einsetzen können.
Abonnieren Sie jetzt den kostenlosen markt intern-Newsletter






* Pflichtfelder

Artikel teilen

Bitte wählen Sie eine Plattform, auf der Sie den Artikel teilen möchten:

Merkliste
Sie sind noch nicht angemeldet.
Bitte melden Sie sich als User an, dann können wir Ihre Merkliste erweitern.

Abbrechen

Legende
  • frei zugängliche, gekaufte oder jene Artikel, die in Ihren Abonnements enthalten sind.
  • Artikel, die Sie mit Ihrem erworbenen Pass-Kontingent
    (Tagespass oder 5 Artikel PLUS Pass) freischalten können.
  • gesperrte Artikel, die Sie durch den Kauf eines Passes
    (Tagespass oder 5 Artikel PLUS Pass) oder Abonnements freischalten können.

Bitte beachten Sie, dass der Tagespass nur Artikel beinhaltet, die nicht älter als 7 Tage sind. Details entnehmen Sie bitte unserer Abo-Übersicht. Alle Ihre gekauften Produkte finden Sie nach Login unter MEIN MI rechts oben im Hauptmenü.