Prognose: 818 Millionen Euro Umsatzminus im Uhren & Schmuck-Markt in 2020!

19.01.2021
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Schmuck- und Uhrenmarkt im Shutdown
© IFH Köln
Schmuck- und Uhrenmarkt im Shutdown

Im letzten Sommer und Frühherbst hatten wir trotz der Covid-19-Pandemie noch in einigen Gesprächen mit Teilnehmern aus unserer Branche von guten Geschäften erfahren. Nicht jeder klagte über einen heftigen Rückgang bei den Umsätzen. Vor allem hoffte man, dass die Krise bald überstanden sei. Doch das Bild änderte sich drastisch im Herbst/Winter, als sich vor dem Hintergrund der Warnmeldungen in den Medien und dem Lockdown Light die Kundenverunsicherung erhöhte und schließlich der harte Lockdown die Türen zahlreicher Juweliere, Goldschmiede und Uhrmacher komplett verschloss.

Die Zahlen aus einer aktuellen Studie des Instituts für Handelsforschung (IFH) Köln zeigen klar, dass die Corona-Pandemie 2020 im Uhren & Schmuck-Markt deutliche Spuren hinterlassen hat. Laut 'Bran­chenfokus Schmuck & Uhren' fiel der Markt nach einem Umsatzrekord von 6,37 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf das Niveau früherer Jahrzehnte zurück.

Wie gravierend die Lage für den Handel ist, unterstreicht auch die aktuelle Aussage von Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer Han­delsverband Deutschland (HDE), nachdem Bundesfinanz­minister Olaf Scholz (SPD) die unvollständige Inanspruchnah­me der Corona-Hilfen als gutes Zeichen gewertet hatte. „Ich bin mir nicht sicher, ob dahinter völlige Ignoranz steckt oder blanker Hohn“, sagt der HDE-Chef laut WELT. Der wahre Grund für die unvollständige Inanspruchnahme der Unterstützung liege laut Genth darin, dass sie weder schnell genug verfügbar noch unkompliziert zu beantragen sei. Daher wirft der Spitzenverband des deutschen Einzelhandels dem Vizekanzler eine völlige Verkennung der ernsten wirtschaft­lichen Lage der Betriebe vor.

In der Zusammenfassung der Ergebnisse der oben genannten Studie erhalten wir u. a. folgenden Rückblick auf die letzte Dekade: „Im Krisenmodus 2009/10 gestartet, legte die Branche einen regelrechten Kaltstart hin und erreichte nach lang­­jähriger Aufholjagd bis 2019 mit einem Umsatz in Höhe von 6,37 Milliarden Euro ein neues Allzeithoch. Die Corona-­Pandemie sorgt nun dafür, dass die Branche ein Déjà-vu erlebt.“

Uwe Krüger
© IFH Köln
Uwe Krüger

Uwe Krüger, Senior Consultant am IFH KÖLN, gibt folgende Prognose für einen Kurvenverlauf, der die Umsatzsituation im vorigen Jahr abbildet: „Falls die letzten Monate des Jahres 2020 halbwegs im Korridor der Prognose­prämissen verlaufen sind, wird der Schmuck- und Uhrenbranche ein flaches 'V' beschert. Selbst im Falle eines pessimistischen Szenarios dürfte ein langgestrecktes 'L' vermieden wer­den.“ In der Zusammenfassung der Studie wird betont, dass die Corona-­Pandemie die Umsatz­entwicklung im Geschäftsjahr 2020 geprägt habe und dass Schmuck und Uhren in Krisenzeiten Güter seien, die außerhalb des Verbrau­cherinteresses stünden. „Hinzu kommen die Konsequenzen des Shutdowns und der damit verbundenen Schließung der ­für die Branche so wichtigen Innenstädte, auch während des bedeutungsvollen Weihnachtsgeschäfts“, heißt es in Ergänzung dazu.

Peter Frank
© BBE Handelsberatung GmbH
Peter Frank

So beschere das Coronajahr dem Uhren & Schmuck-Markt voraussichtlich ein kräftiges Minus von 818 Millionen Euro (−12,8 %). Je nach Hochrechnungsvariante müsse der Gesamtmarkt mit Umsatzeinbußen bis zu 955 Millionen Euro (−15 %) rechnen. „Der Onlinehandel mit Uhren und Schmuck ist auf dem Vormarsch, fängt aber die stationären Einbußen nicht auf“, kommentiert Peter Frank, Senior Consultant bei der BBE Handelsberatung, das Resultat der Studie. „Tourismus, Lust am Shopping, Inspirationen sind notwendig, um die Coronaschäden wieder auszugleichen. Um wieder auf das alte Niveau zu kommen, ist Geduld und Durchhaltevermögen notwendig.“

Der 'Branchenfokus Schmuck & Uhren' liefert Daten zu den fol­gen­den Bereichen:    Produktion, Import, Export, Inlandsmarktversorgung    Marktvolumen auf Endverbraucher­ebene   sie­ben Warengruppen (diverse Uhren, Schmuck und Groß­uhren)    Vertriebswegeprofile, Vertriebsstrukturen    acht Ver­­­triebsformate und    Mainplayer auf Ebene der indus­triellen Stufe und des Einzelhandels sowie    Prog­nose bis 2025.

Unser Kommentar: Das Jahresende hat den Gesamtumsatz in 2020 kräftig nach unten gedrückt  Und: Noch immer ist kein Ufer in Sicht  Wir können nur hoffen, dass die Politik möglichst bald die Weichen so umstellt, dass ­die Händler unserer Branche wieder Umsatz generieren können und/oder verstärkte Fördermaßnahmen implementiert, um diese über Wasser zu halten  Uns interessiert vor allem: 1. Wie geht es Ihnen derzeit im Lockdown? 2. Reichen bei Ihnen die Fördermaßnahmen aus? 3. Wie sieht Ihre Prognose für die nächsten Wochen und Monate aus? – Wir freuen uns sehr über Ihr Feed­back – unabhängig davon, ob Sie für ein Handels-, Dienstleistungs- oder Industrieunternehmen sprechen – über die üblichen Kanäle an [email protected].

Sandra Kinder, M.A.
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