INOVA Collection 2020: Eine Zitterpartie bis zum Messestart

07.09.2020
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Die Durchführung der INOVA Collection hing bis zuletzt am seidenen Faden. Noch zwei Tage vor Beginn der ersten deutschen Herbst-Fachmesse der Uhren & Schmuck-Branche im Jahr 2020 war nämlich aufgrund des Berliner Coronagipfels nicht klar, ob die Messetore geöffnet werden dürfen oder geschlossen bleiben müssen. Alles war von der Last-Minute-Entscheidung der Behörden abhängig. Dann die Entwarnung: Die INOVA Collection konnte vom 29. bis 31. August wie geplant stattfinden. Inmitten des Coronajahres besuchten zahlreiche Juweliere, Goldschmiede, Uhrmacher und Designer das ausgebuchte Messecenter Rhein-Main in Hofheim - unter strengen Auflagen, versteht sich! Am letzten Messetag interviewte die 'markt intern' Uhren & Schmuck-Chefredaktion die Organisatoren Jens Frey (J. F.), Geschäftsführer des Messeveranstalters MUVEO GmbH in Frankfurt, und Martin Weskamp (M. W.), Inhaber der Fa. MW Edelsteine aus Düsseldorf, der die Betreuung der INOVA-Aussteller verantwortet.

Gab es in den letzten fünf Monaten Momente, in denen Sie dachten, die INOVA Collection wird nicht stattfinden können? Und was hätte das für Sie beide und auch für die MUVEO GmbH bedeutet?

J. F.: Ehrlich gesagt, haben wir sogar noch letzte Woche Donnerstag die Luft angehalten, als unsere Bundesregierung gemeinsam mit den Länderchefs auf dem Coronagipfel in Berlin zusammenkam und die Personengrenze für Treffen im privaten Bereich auf 25 Leute heruntergesetzt werden sollte und auf 50 Personen mit Sondergenehmigung. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was es bedeutet hätte, wenn die Messe abgesagt worden wäre. Für die MUVEO wäre es jedenfalls ein Riesenaufwand gewesen. Wir haben mit den Ausstellern knapp 450 Vertragsverhältnisse, die wir alle hätten rückabwickeln müssen. Und zwar so, dass es für alle Seiten akzeptabel ist, was nicht einfach gewesen wäre. Das hätte viele Telefonate, Gespräche und vermutlich auch einigen Ärger bedeutet - eine einmalige Situation! Wie knapp es war, sieht man daran, dass die Messe abgesagt worden wäre, wenn die Halle nur einen einzigen Ort näher an Wiesbaden gewesen wäre. Denn die Behörden haben in Wiesbaden am Donnerstag von jetzt auf gleich auf Rot umgeschaltet. Wir hatten ein Riesenglück, dass wir noch zum Main-Taunus-Kreis gehören, wo wir öffnen durften.

Was haben Sie im Vorfeld dafür getan, dass wir heute auf diesem Branchentreff und dieser Einkaufsplattform zusammen sein können?

M. W.: Wir haben alles getan, was nur irgendwie möglich war - alles was in unserer Macht stand und was wir umsetzen konnten. Und dabei war uns kein Aufwand zu viel, weil es uns sehr am Herzen liegt, dass diese Messe stattfindet.

J. F.: Was zu dem Erfolg beitrug, beruht genau genommen auf zwei Säulen: Zum einen ist das Hygienekonzept zu nennen, das mit der Stadt Hofheim und dem zuständigen Gesundheitsamt abgestimmt wurde. Dieses umfasste u. a. das Belüftungsschema, die Gewährleistung von Mindestabständen, das Tragen von Masken, Fiebermessen am Eingang und unser Ziel, dass bei den Abläufen immer ein Flow herrscht. Die zweite Säule kann ich gar nicht genug hervorheben: Es ist unser großartiges Team, das dies alles umgesetzt hat. Was dieses Team in den letzten Wochen und Monaten geleistet hat, ist wirklich geradezu unfassbar gewesen. Alle haben gemeinsam eine große Einheit gebildet, von Martin Weskamp angefangen bis hin zum Azubi und Praktikanten. Das war ganz großes Kino!

Was war für Sie die größte Herausforderung bei der Messe in diesem Jahr?

©markt intern
Lunch Time: Mit Abstand die schönste Atmosphäre im Zelt

J. F.: Die größte Herausforderung war, das eben Genannte alles auf die Straße zu bringen. Und zwar so, dass wir eine wirtschaftliche Tragfähigkeit erhalten. Wir mussten unter den gegebenen Umständen eine gute Balance finden. Gleichzeitig haben wir versucht, trotz der Corona-Auflagen, die uns dieses Jahr zu einem funktionaleren Messekonzept zwangen, soviel 'INOVA-Atmosphäre' zu integrieren, wie es möglich ist. Und im Nachgang muss ich sagen: Ich finde, das ist uns ganz gut gelungen.

Sie hatten im Vorfeld der Messe ein umfangreiches Hygienekonzept mit den Behörden abgestimmt und das Deutsche Rote Kreuz war vor Ort und hat, für alle sichtbar, Rundgänge gemacht. Gab es noch kurzfristig vor oder während der Messe Schwierigkeiten wegen der Auflagen?

J. F.: Das DRK ist vom zuständigen Gesundheitsamt quasi entsandt worden und steht in engem Kontakt mit ihm. Es gab aber bereits im Vorfeld zwischen uns eine fortlaufende Abstimmung und keine bösen Überraschungen nach Messebeginn. Sicherlich ist die Halle nicht für ein Einbahnstraßensystem gebaut worden. Und wir mussten den Besucherfluss kurzfristig auch noch optimieren, wo es aus Sicht der Aussteller nötig war. Das haben wir natürlich auch getan. Manche Aussteller und Besucher sprachen uns im Rahmen der Messe allerdings zu 'Eurer Besucherführung' oder 'Euren Masken' an. Das ist natürlich so nicht korrekt, denn diese beruhen auf ganz konkreten Auflagen, auf die wir keinen Einfluss hatten. Wir haben nur versucht, die Vorgaben so gut es geht umzusetzen, z. B. mit dem besagten Besucherleitsystem.

Welches Feedback haben Sie bislang von den Ausstellern erhalten?

M. W.: Ganz viele sagten uns, dass die Messe weit über ihren Erwartungen lag. Einige Firmen hatten sogar ein besseres Ergebnis als auf der letzten Messe. Aber es gibt natürlich auch immer welche, bei denen es nicht so gut läuft. Das Gros war aber zufrieden und die Ergebnisse sind bei den meisten sehr zufriedenstellend.

J. F.: Positiv hervorgehoben wurde uns gegenüber außerdem mehrfach die Internationalität und Qualität der Besucher.

Wie viele Stunden Schlaf hatten Sie in der letzten Woche durchschnittlich?

J. F.: Zwischen fünf und sechs Stunden, allerdings nicht Donnerstagnacht. Bei so wichtigen Entscheidungen kann man nachts den Kopf nicht so einfach abschalten. Da habe ich wenig geschlafen.

©markt intern
Tolle Teamarbeit - Jens Frey und Martin Weskamp

M. W.: Ich erinnere mich an einige Nächte vor der Messe, wo ich wenig Schlaf bekam, denn ich habe dauernd überlegt, was man noch verbessern kann. Teilweise hat man auch ein flaues Gefühl im Magen und macht nur zwei Stunden die Augen zu. Jetzt aber, während der Messe, wurde es von Tag zu Tag besser. Man bekommt allmählich Vertrauen in das System und unser Team ist, wie bereits erwähnt, einfach toll!

Was machen Sie in den nächsten Tagen, wenn der große Druck nun langsam aber sicher schwindet?

M. W.: Der Druck fällt nicht ab: Vielmehr geht es in diesem Tempo weiter. Wir haben für den INOVA Showroom Hamburg vom 19. bis 20. September 2020 noch viel zu erledigen. Dort werden wir in diesem Jahr ausgebucht sein mit knapp 80 Ausstellern.

J. F.: Im letzten Jahr haben wir zudem begonnen, mit dem Boston Club zu kooperieren. So lassen wir unser hier gewonnenes Know-how gerne nach Düsseldorf fließen, damit auch dieser Event für die Branche gut läuft!


Wir danken Jens Frey und Martin Weskamp sehr, dass sie sich inmitten des quirligen Messegeschehens Zeit für dieses Interview genommen haben!


Sandra Kinder, M.A.
Chefredakteurin
Dipl.-Ing. Monika Schlößer
Chefredakteurin
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