Foto Bucher in Isny schließt schweren Herzens — oder findet sich doch noch ein Nachfolger?

25.08.2021
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Mit der Überschrift „Wir schließen schweren Herzens unser Geschäft!“ verabschiedet sich Foto Bucher im Baden-Würt­tem­bergischen Isny via Brief bei seinen Kunden und Wegbegleitern (siehe untenstehenden Kasten). Zum 31. August 2021 schließt das über 100 Jahre alte Foto-Unternehmen seine Türen. Der Hintergrund: Es hat sich kein Nachfolger finden lassen.

„Wir schließen schweren Herzens unser Geschäft!

Das Unternehmerpaar Heinz und Karin Bucher
© Foto Bucher
Das Unternehmerpaar Heinz und Karin Bucher

Nach 122 Jahren im Herzen von Isny wird Foto Bucher für immer schließen. »Warum?«, werden Sie sich fragen, »warum trennen Sie sich von diesem wunderbaren Geschäft, das Sie über ­viele Jahrzehnte hinweg mit Leidenschaft und immer ­neuen Ideen zu einem Anziehungspunkt weit über die Grenzen der Stadt Isny ­hinaus gemacht haben?« Unsere schlichte Antwort lautet: »Nicht die Corona-Pandemie oder die wirtschaftliche Entwicklung haben uns zu diesem Schritt veranlasst, sondern allein die Tatsache, dass wir keine Nachfolger gefunden haben«.

Unsere Söhne haben sich beruflich nach Frankfurt und Friedrichs­hafen orientiert. Externe Interessenten haben den Schritt in die eigene Selbständigkeit letztendlich leider nicht gewagt. Deshalb sehen wir jetzt — wir sind immerhin auch schon im Rentenalter — den Zeitpunkt gekommen loszulassen. Wir wollen nach fünfzig arbeitsreichen Jahren in der Wassertorstraße nicht mehr morgens die Ersten und abends die Letzten sein, die im Laden stehen. Ihr wisst schon ...

Für uns ist es deshalb jetzt an der Zeit, DANKE zu sagen.

Bedanken möchten wir uns bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die im Lauf der Jahrzehnte unser Geschäft zum führenden Fotofachgeschäft im Allgäu mit Studio, Fachlabor und Bucher Foto Academy mitgestaltet haben. Sie waren stets zur Stelle, wenn sie gebraucht wurden — immer mit einem offenen Ohr für Ihre Wünsche.

Bedanken möchten wir uns bei Ihnen, unseren Kunden, die Sie den freundschaftlichen und vertrauensvollen Umgang mit uns gepflegt haben. Mit Ihrer Hilfe konnten wir das Unternehmen aufbauen und mit großem Erfolg weit über die Grenzen von Isny und dem Allgäu hinaus betreiben. Unser großes Know-how und unser umfassender Service war bei Ihnen und vielen namhaften, auch international tätigen Firmen mit Weltruf geschätzt. Darauf sind wir stolz.

Unseren Abschied verbinden wir mit einem sensationellen TOTAL-AUSVERKAUF, der ab sofort startet. Das gesamte Sortiment ist drastisch reduziert, denn 'alles muss raus'. Dabei handelt es sich um absolut aktuelle Ware. Selbstverständlich liefern wir auch alle Bestellungen aus, die bis zum 31. August bei uns eingehen.

Alles hat seine Zeit. Für uns kommt jetzt die Zeit, nach mehr als 50 Jahren im Berufsleben kürzer zu treten. Und offen gestanden freuen wir uns auf die Zeit danach, mit Enkeln, Hobbies, Reisen ...

In diesem Sinne grüßen in freundschaftlicher Verbundenheit

Ihre Karin und Heinz Bucher“

Mal wieder, müssen wir feststellen. Immer mehr Geschäfte – insbesondere diejenigen, die eine lange Unternehmens- und Familientradition aufweisen, finden keinen Nachfolger mehr und haben bereits schließen müssen bzw. werden in absehbarer Zeit schließen. Kurz vor Toresschluss von Foto Bucher sprechen wir noch einmal mit Inhaber Heinz Bucher, der das Geschäft zusammen mit seiner Frau Karin betreibt, über die Situation im Foto-Fachhandel.

Mit welchen Gefühlen schließen Sie das Geschäft? „Ich schließe mit zwiespältigen Gefühlen. Der Entschluss ist gut vorbereitet. Es war eine freie Entscheidung, keine der Bank oder des Hausarztes. Dem Unternehmen geht es gut und wir haben aktuell ein zweistelliges Wachstum. Wir unterhalten nach wie vor einen sehr modernen Laden. Wir haben bis zum Schluss immer wieder modernisiert und unsere Technik ak­tualisiert. Ich bin jetzt 66 Jahre alt, da muss man sich halt ­irgendwann mit der Frage der Zukunftsperspektive ausein­andersetzen.“

Das Geschäft zu schließen ist letztlich die Konsequenz da­raus, dass Bucher keinen Nachfolger finden konnte. „Vor fünf Jahren habe ich damit begonnen, einen Nachfolger zu suchen. Am Ende war immer wieder das Thema 'Work Life Balance' ausschlaggebend für die potentiellen Interessenten, es nicht zu tun, oder es fehlte der Mut in die Selbständigkeit. Das gibt mir zu denken. Die Leute sehen zunächst die Kompetenz, die wir nach außen hin aufweisen, unterschätzen aber den Aufwand und die Arbeit, die damit verbunden ist.“ Dass das mehr ist, als nur hinterm Tresen zu stehen und zu verkaufen, zeigt sich, wenn man genauer hinsieht: „Wir sind sehr breit aufgestellt. Wir betreiben ein Foto-Fachlabor, ein großes Foto-­Studio mit über 65 m² und ein Outdoor-Studio, unterhalten eine sehr erfolgreiche Foto-Schule und veranstalten Foto-Reisen von Island bis Botswana und Georgien, zudem kommt dann noch der Kamera- und Zubehörverkauf mit den Top-Marken wie Olympus PRO Dealer, Panasonic Profihändler, Sony, Nikon und Canon. Das ist alles zusammen eine große Vielfalt und hat unseren Erfolg ausgemacht.“

Welche Eigenschaften muss ein Nachfolger im Foto-Fachhandel Ihrer Meinung nach mitbringen? „Interesse an dem, was man macht, und Freude an der Arbeit“, so der Inhaber. „Man muss sich immer wieder fortbilden und auf dem Stand der aktuellen Technik sein. Ganz wichtig ist der Umgang mit dem Kunden. Man muss gern im Kontakt mit Menschen sein und dem Kunden auf Augenhöhe begegnen – denn die sind gut informiert! Kompetenz und diese zu zeigen sind weitere Stichpunkte. Man muss die Auswahl der Ware auf die Leute in der Region anpassen und die Kompetenzen ausbauen, die dm & Co. nicht bieten können, zum Beispiel Qualität. Wir sehen uns hier als Problemlöser – auch über die Öffnungszeiten hinaus und sehen unsere Kunden als Partner. Ich glaube, diese Eigenschaften haben uns immer ausgezeichnet. Unsere Kunden fahren über 100 km zu uns.“

Wo liegen neben der bereits erwähnten 'Work Life Balance' die größten Schwierigkeiten im Finden eines Nachfolgers im Foto-Fachhandel? „Das Problem sehe ich auch in der Industrie“, erklärt uns der Unternehmer, „und der Tatsache, dass diese letztlich wenig Interesse an kleinen Standorten mehr hat. Sie beschäftigt sich in der Regel mit den 15 größten Playern und das war es. Hinzu kommen die Preissituation und das Problem, dass man die Ware im Netz zum Teil unter dem Einkaufspreis bekommt. Dennoch, im Umkreis von 100 km gibt es kein vergleichbares Geschäft mehr.“

Wie sehen Sie die Foto-Branche in der Zukunft? „Gut!“, sagt er knapp und ergänzt: „Der Kunde, der irgendwann aufgrund des Siegeszuges des Smartphones weggeblieben ist, kommt jetzt zurück und möchte wieder eine Kamera. Das ist ein Aufwärtstrend. Ich sehe zwischen beiden Produkten keine Konkurrenz, eher Parallelen. Auch der Passbild-Markt hat eine gute Zukunft. Wenn man sich um seinen Laden kümmert, ein bisschen kreativ ist, das Geschäft immer mal wieder neu darstellt, auch Workshops anbietet, ist es lohnenswert. Durch meine Foto-Schule habe ich viele Kameraverkäufe generieren können – und natürlich Kundenbindung. Seit 42 Jahren veranstalte ich einmal im Monat einen Foto-Stammtisch. Da kommen immer so 20 bis 25 Leute. Das sind alles wichtige Botschafter.“

Nun geht Heinz Bucher nach 50 Arbeitsjahren in den Ruhestand. „Ich schließe nun mit Freude ab, hab' ich beschlossen. Viele Kunden finden das natürlich schade, verstehen es aber auch. Sie nutzen nun die letzte Möglichkeit und kaufen nochmal ein bzw. nutzen unseren Service der Digitalisierung. Wir sind aktuell richtig gut im Abverkauf.“ Und dann? „Und dann mache ich erst eine Auszeit und werde danach wohl wieder mit meiner Foto-Schule anfangen und mit meinen Foto-Reisen – weltweit. Ich lebe ­Fotografie und habe stets mehr getan als morgens den Laden auf- und abends abzuschließen.“

Zum Schluss verrät uns Bucher noch Folgendes: „Wir hatten nun die letzte Hoffnung mit unserer Ankündigung, dass wir aufhören, dass sich vielleicht doch noch jemand findet, der das Geschäft übernehmen möchte.“ Daher unser Aufruf an dieser Stelle: Sollten Sie sich angesprochen fühlen oder jemanden kennen, der das 65 m² große Ladengeschäft (180 m² Fläche insgesamt) Foto Bucher in Isny(https://bucher-isny-shop.rf-webworld.de/) übernehmen möchte, melden Sie sich bei uns in der Redaktion, wir leiten Ihre Kontaktdaten gern an Heinz Bucher weiter! Auch uns tränt das Herz, wenn ein 122 Jahre altes Geschäft aufgrund von fehlender Nachfolge schließen muss. Damit ist die schöne Foto-Branche wieder um einen kompetenten Kollegen ärmer. Wir wünschen Heinz Bucher und seiner Frau alles erdenklich Gute für die Zukunft!

Einblicke in ein Traditionsgeschäft: Vom Kameraverkauf, Wartebereich, Rahmenhandel bis zum hauseigenen Bilderservice
© Foto Bucher
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