Foto Rieke — Seit 45 Jahren in Papenburg

05.08.2021
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Heinz-Gerd Rieke
© Foto Rieke
Heinz-Gerd Rieke

Anfang Juni 2021 hat Ihre Chef­redak­teurin Papenburg, gelegen im schönen Emsland, besucht. Konkret durften wir den 4. Hauptpreis der 'markt intern'-­Kampagne ICH KAUF GERN VOR ORT an den Gewinner, einen Kunden von Foto Rieke, überreichen (vgl. F 23/21). Wir haben unsere Reise natürlich auch genutzt, um uns intensiv mit unserem langjährigen Abonnenten Heinz-Gerd Rieke, Inhaber von Foto ­Rieke, auszutauschen. Nach der Gewinnübergabe im Geschäftslokal ­kommen wir anschlie­ßend bei herrlichstem Sonnenschein in ganz frisch wieder ­eröffneter Außengastronomie ins Plaudern. Zu erzählen gibt es viel. Foto Rieke ist von Beginn an – das heißt konkret seit 1976 – am selben Standort tätig.

Der Einstieg in die Foto-Welt Doch wie kam es eigentlich dazu, dass Rieke sich vor 45 Jahren selbständig machte? Geplant war das so alles nicht, erzählt uns der Unternehmer, der in diesem Jahr seinen 71. Geburtstag feiert. Rieke hat ­zunächst Maschinenbau gelernt, dann aber für sich festgestellt: „Nein, das ist nicht mein Ding.“ Während eines Schulwechsels hatte er fünf Monate Zeit, war dann auf Jobsuche und landete im Papenburger Central ­Kaufhaus (CeKa) im Verkauf, wo man ihm auf seinen Wunsch einen fünfmonatigen Vertrag anbot. „Dort habe ich zunächst Werkzeug und alles Mögliche verkauft. Das hat mein Interesse geweckt.“ Und nicht nur das, es hat ihm das Zeug mitgegeben, was ein erfolgreicher Unternehmer braucht: Organisationsfähigkeit. „Wir hatten dort damals das Problem, dass immer wieder Sachen bzw. Ware nicht vorrätig waren. Immer fehlte irgendwas. Ich habe dann mit der Einkaufsgenossenschaft gesprochen und ihr gesagt, dass wir Ware brauchen und die dringend kommen muss. Ich habe das bei den Einkäufern angebracht, ohne Scheu und ohne Ahnung, dass es die oberste Riege war. Die Leute vom CeKa wollten daraufhin, dass ich bleibe, und haben mir kurz vor Beendigung meines Vertrages ein Angebot gemacht. Anfangs konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, den Beruf in Zukunft auszuüben, musste dann aber feststellen, dass mir die Tätigkeit im Verkauf Spaß macht. »Wenn du bleibst, dann eröffnen wir eine eigene Foto-Abteilung«, hieß es. Den Deal bin ich eingegangen und habe auch nochmal eine Ausbildung gemacht. Die Foto­abteilung haben wir aufgebaut.“

Rieke wird 1976 selbst zum Unternehmer Die Arbeit hat dem gebürtigen Papenburger Spaß gemacht. Doch im Central Kaufhaus zu bleiben, stellte auf Dauer für ihn keine Herausforderung mehr da. Als Stellvertreter des Geschäftsführers gab es auch keine weiteren Aufstiegschancen. So kündigte er knapp zwei Jahre später und wagte den Schritt in die Selbständigkeit mit einem Foto-Fachgeschäft. Er fand einen Laden inmitten von Papenburg. Das kleine hübsche Gebäude an der Splitting rechts 23 ist seit jeher gemietet und wurde über die Jahre Stück für Stück erweitert. „Anfangs gab es nur einen kleinen Raum von ca. 50 m², in dem ich das Geschäft einrichtete. Damals gab es noch kein Studio. Da hab ich nur Außenaufnahmen gemacht bzw. ­machen können. Später kam ein Anbau hinzu und wiederum nach einiger Zeit konnte das Geschäft nebenan, das vorher anderweitig vermietet war, hinzugenommen werden. Damit wurde das Geschäft auf 150 m² erweitert. Seitdem ha­be ich hier auch die Möglichkeit, vor Ort Pass- und Bewerbungs­bilder oder auch kleine Foto-­Shootings zu machen“, so Rieke.

Das Angebot an Bilderrahmen ist riesig.
© Foto Rieke
Das Angebot an Bilderrahmen ist riesig.

Das Sortiment bei Foto Rieke hat sich heute im Vergleich zu den Anfängen kaum geändert. „Eigentlich war das immer gleich, früher nur eben in kleinerer Variante. Am Anfang habe ich auch noch Kameras und Ferngläser vertrieben. Das mache ich inzwischen seit etwa sechs Jahren nicht mehr. Das hat sich für mich nicht gelohnt“, erklärt er uns. Uns selbst hat der Blick ins Geschäft von Rieke zunächst überwältig. Ihre Chef­redakteurin kann sich nicht daran erinnern, je so eine große Auswahl an Bilderrahmen auf einem Fleck gesehen zu haben. Wer hier nicht fündig wird, ist selber Schuld! Eine Foto-Box wartet aktuell auf wieder stattfindende Veranstaltungen, damit sie erneut verliehen werden kann. T-Shirts, Tassen und Puzzle können hier bedruckt und auch alte oder beschädigte Bilder bzw. Dias und Super-8-Material können bei Foto Rieke aufgefrischt und modernisiert werden. Rieke macht nach wie vor Pass- und Bewerbungsbilder sowie kleinere Gruppenfotos (Kinder- und Familienaufnahmen sowie Tierfotografie) im Studio, aber auch Außenaufnahmen macht er nach wie vor gern. Das Fotografieren von Festen gehört zu seinen Spezialgebieten. „Fotos haben mich eigentlich schon immer interessiert. Ich habe auch im Privaten viel fotografiert. Beigebracht habe ich mir alles selbst.“

Verbunden mit den 'Starken Partnern Papenburg' Dass Selbständigkeit und Zusammenarbeit mit einem starken Team sich nicht ausschließen, hat Rieke schnell erkannt. Er engagiert sich von Beginn an bei den 'Starken Partnern­ ­Papenburg'. Die Mitglieder der Gemeinschaft selbständiger Unternehmer aus Papenburg haben sich 2014 gefunden. Gemeinsam kommunizieren sie in einer wertigen Broschüre: „Das Bummeln in liebevoll gestalteten Geschäften ist es, was Einkaufen zum Erlebnis macht. Hier gibt es persönlichen Service statt Anonymität und eine fachkundige Beratung, die nicht selten schon seit Generationen geleistet wird. Wer als Persönlichkeit wahrgenommen und beraten werden möchte, der sucht traditionell und aus gutem Grund den Weg zum inhabergeführten Ein­zel­handel. Wir als 'Starke Partner Papenburg' bieten Ihnen diese typischen Stärken des stationären Handels und darüber hinaus noch viel mehr. In unseren Mitgliedsbetrieben erwarten Sie nicht nur hochwer­tige Produkte und professionelle Dienstleistungen, sondern auch regelmäßig stattfindende Aktionen und viele ­weitere Vorteile für Sie als Kunden. Der persönliche Kontakt zwischen Kunde und Händler ist und bleibt also ein absoluter Mehrwert und wir freuen uns auf Ihren nächsten Besuch in ­einem unserer Fachbetriebe […] Zusammen organisieren die aktuell zehn inhabergeführten Einzelhandelsunternehmen aus dem gesamten Stadtgebiet Gewinnspiele, Feste und weitere Aktionen, wie die Ver­teilung von Giveaways wie Schokoladenherzen oder Tüten mit Blumensamen, spezielle Weihnachtsaktionen und ­Aktionswochen. „Wer weiter denkt, kauft näher ein“ ist das Motto der 'Starken Partner Papenburg'. Es geht komplett ­konform mit einem Slogan, den der 'markt ­intern'-Gründer Günter Weber einst auf dem Dach des Verlagshauses in Düsseldorf hat aufleuchten lassen: „Wer weiter denkt, kauft im guten Fachgeschäft“.

Thema Nachfolge Rieke führt das Geschäft allein. 25 Jahre lang hatte er eine treue Fachkraft an seiner Seite, die inzwischen in Rente gegangen ist. Ihre Freundschaft begleitet ihn noch heute, und auch wir laufen ihr zusammen mit Rieke in die Arme. Rente – das ist für Ihren Kollegen noch nichts. „Nein, ich mache weiter. Ich brauche das Geschäft und führe es gern. Was soll ich denn in Rente?“ Nach und nach wird das Sortiment etwas heruntergefahren, erklärt er uns. Und samstags gönnt er sich inzwischen auch einen freien Tag. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Er wird das Geschäft irgendwann schließen müssen. „Ich persönlich erlebe es als schwierig, einen Nachfolger im Foto-Fachhandel zu finden“, erzählt er uns von seinen Erfahrungen. „Die Leute haben durchaus Inte­resse daran, Fotograf zu werden. Aber sie wollen sich spezialisieren, als Hochzeitsfotograf zum Beispiel und von Veranstaltung zu Veranstaltung tingeln. Keiner möchte heute mehr in ein Fachgeschäft mit Öffnungszeiten von 9:00 bis 18:00 Uhr.“

Ein Blick auf die Foto-Branche Die aktuelle Situation in der Foto-Branche und speziell für den Foto-Fachhandel & -Studios schätzt Rieke wie folgt ein: „Die Foto-Branche hat einen Großteil durch die neuen digitalen Möglichkeiten verloren. Es werden ja fast nur noch Fotos mit dem Handy gemacht. Hinzu kommt, dass inzwischen jeder glaubt, Fotograf zu sein. So gibt es Leute, die machen Bilder und posten sie und versuchen, selbst damit Geld zu verdienen. Damit nehmen sie uns Fotografen auch noch die Arbeit weg. Als weiteres Problem sehe ich noch immer die Passbild-Situation an. Wenn die Gemeinden weiterhin Passbilder anbieten, bricht uns das Konzept in Zukunft weg. Hinzu kommt, dass selbst Krankenkassen anbieten, die Fotos für ihre Mitglieder und ihre Versichertenkarten selbst zu machen. Ich selbst habe meine Nische mit Bildbearbeitung gefunden. Bildbestellungen selbst sind hingegen eher mager. Das machen die Leute inzwischen bei dm.

Zu Corona-Zeiten fehlte uns jetzt natürlich der Lauf. Ich selbst kann mich nicht beschweren. Ich hatte die ganze Zeit über mein Geschäft auf und konnte Pass- und Bewerbungsbilder machen. Damit konnte ich meine Miete und mein Essen bezahlen. Aber Verdienst ist damit so gut wie keiner übrig geblieben.“

Kassenbereich mit Corona-Schutzmaßnahme — natürlich mit Rahmen
© Foto Rieke
Kassenbereich mit Corona-Schutzmaßnahme — natürlich mit Rahmen

Ein Blick auf 45 Jahre Unternehmertum ist durchaus beeindruckend. Ebenso wie das Engagement, das Rieke noch immer antreibt. Wir haben immer wieder Spaß und Freude an solch aktiven Branchenteilnehmern und wünschen Rieke auch für die kommenden Jahre alles erdenklich Gute!

RAin Ulrike Kafka
Chefredakteurin
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