Corona-Virus: Dürfen Fotounternehmen aktuell noch öffnen? Antwort: Ja, zum Teil!

19.03.2020
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Im Laufe dieser Woche ist das öffentliche Leben in allen Bundesländern erheblich eingeschränkt worden, um die Anzahl der Ansteckungen mit dem Corona-Virus zu verringern und vor allem die Geschwindigkeit der Ausbreitung zu reduzieren. Seit Mittwoch dieser Woche haben fast alle ­Fachgeschäfte geschlossen – auch der Foto-Fachhandel. „­Dienstleister und Handwerker können ihrer Tätigkeit weiterhin nachgehen“, heißt es in der Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Bundesländer angesichts der Corona-Epidemie in Deutschland.

Genau diese Sprachregelung, die sich so oder so ähnlich auch in den Erlassen der Länder wiederfindet, hat in dieser Woche für zusätzliche Unsicherheit in der Branche gesorgt: Denn die meisten Kolleginnen und Kollegen sind Händler und Dienstleister. Selbst reine Studiobetriebe verkaufen neben der Dienstleistung in Form von Pass- und Bewerbungs­bildern sowie Shootings in der Regel auch Alben, Rahmen oder Geschenk­artikel. Die 'mi'-Fotoredaktion haben dazu viele Anfragen aus unterschiedlichen Bundesländern ­erreicht. Nur wer ausschließlich Kameras, Zubehör und Co. verkauft, also reiner Händler ohne Dienstleistungen ist, ist komplett von der Regelung betroffen und muss sein Geschäft schließen. Wir haben uns daher für Sie bei unterschiedlichen Handwerkskammern erkundigt. Da dies in der Kürze der Zeit und aufgrund der sich täglich ändernden Lage nicht für alle Bundesländer möglich war, lesen Sie nachfolgend das Statement der Handwerkskammer Düsseldorf, das wir für ­besonders aussagekräftig und hilfreich halten:

„Wir sind aufmerksam für das Problem bei den Fotografen, aber auch für Friseure, Kosmetiker und andere Dienst­leister, und haben als Kammer den Zentralverband des ­Deutschen Handwerks gestern darum gebeten, bei der ­Bundesregierung abzuklären, ob die gemeinsamen Leitlinien von Bund und ­Ländern und die Formulierung 'Dienstleister und Handwerker können ihrer ­Tätigkeit weiter nachgehen' sich auf das gesamte Handwerk (alle Branchen) erstreckt. ­Diese Klärung findet gerade statt, in Zeiten des Seuchenrechts bzw. Infek­tionsschutzgesetzes be­sitzen die Kommunen allerdings die verwaltungsrechtliche Kompetenz zu weitergehenden Anordnungen, also auch zu Schließungen. Und da stellen wir durchaus unterschiedliche Herangehensweisen zwischen Kommunen fest. Wir versuchen gerade herauszufinden, was die Kommunen hier im Kammer­bezirk für welche Branchen vorsehen“, teilt Alexander ­Konrad, Abteilungsdirektor Information und Kommunika­tion bei der Handwerkskammer Düsseldorf mit.

Aktuell ist unser Kenntnisstand, dass Sie als Dienstleister prinzipiell Pass- und Bewerbungsbilder und sonstige Studio­aufnahmen anfertigen und Bilddienstleistungen anbieten dürfen und zu diesem Zweck Kunden in Ihrem Geschäft empfangen dürfen. Wir empfehlen Ihnen aber ganz dringend:  Lesen Sie zunächst den Erlass Ihres Bundeslandes (In unserem Link-Ticker zur Coronakrise finden Sie zu den Ausführungsverordnungen der einzelnen Länder weiterführende Hinweise.) und ­erkundigen Sie sich zusätzlich bei der für Sie zuständigen Handwerkskammer und Ihrer Kommune nach der lokalen Regelung  Wenn Sie zu diesem Zweck öffnen: ­Beschränken Sie sich rein auf die Dienstleistungen und verkaufen Sie keine anderen Waren am PoS  Achten Sie strikt auf die empfohlenen Hygieneregeln und den Min­dest­abstand zwischen Ihnen und den Kunden untereinander  Versuchen Sie, die Kunden einzeln ins Geschäft zu lassen  Machen Sie auf die Regeln, die für das Anfertigen von Pass- und Bewerbungsbildern bei Ihnen gelten, im Schaufenster, an der Tür und vor allem online auf der ­Homepage und in den sozialen Medien aufmerksam.

Wie wir aus zahlreichen Händlergesprächen und in den sozia­len Medien erfahren, machen dies schon viele von ­Ihnen, bitten die Kunden z.B. um eine Terminvereinbarung für Studioaufnahmen oder bieten eingeschränkte Öffnungszeiten nur für Fotodienstleistungen an. Ralf Malinka, Inhaber Foto Malinka/Köln, empfängt seine Kunden z. B. einzeln über einen separaten Seiteneingang. „Die Kunden sollen klingeln oder sich vorher anmelden und müssen gegebenenfalls einen Moment warten, wenn gerade ein anderer Kunde im Studio ist“, sagt er im Gespräch mit 'mi'.

Birgit u. Andre Dünnbier
© Foto Dünnbier
Birgit u. Andre Dünnbier

Andre Dünnbier, Inhaber Foto Dünnbier und Selfie-Box, hat sich entschlossen, sein Geschäft in Hauzenberg vorerst zu schließen: „Ich finde, dass es gerade am wichtigsten ist, die Gesundheit meiner Mitarbeiter und auch meine eigene zu schützen. Gerade wenn man ­Ältere und Kranke im privaten ­Umfeld hat. Da muss man einfach das Hirn einschalten und nicht nur ans Geschäft denken. Da gibt es gerade wichtigere Dinge. ­Natürlich habe ich auch bei Selfie-Box aufgrund der vielen abgesagten Veranstaltungen massive Umsatzeinbußen. Aber ich bin optimistisch, dass es nach der Krise auch wieder weitergehen wird. Ich habe das Glück, dass mein Geschäft mietfrei ist. Andere trifft es da härter, wenn sie hohe Mieten zahlen müssen. Wir haben vorerst eine Woche komplett geschlossen. Die Zeit werde ich nutzen, um unser Geschäft und das Studio zu streichen und auszusortieren. Dazu fehlt sonst die Zeit. Außerdem werde ich eine kleine Videostation aufbauen und Info-Videos für meine Selfie-Box-Partner aufnehmen, um ihre Fragen zu beantworten. Man muss das Beste aus der Situation machen.“

Ähnlich schätzt Udo Kleinfelder, FotoKleinfelder/Lohr am Main, die Lage ein: „In der aktuellen Situation muss man konsequent sein. Da müssen wir jetzt gemeinsam durch. Wir schließen komplett und haben vorab einige Kunden noch informiert und gebeten, ihre Bestellungen abzuholen. Ich nutze die Zeit, um einiges, was an Organisatorischem liegen geblieben ist, zu erledigen. Außerdem werde ich die neuen Kameras mit all ihren Funktionen in Ruhe studieren, dazu fehlt im Geschäfts­alltag sonst oft die Zeit. Ich fand es auch sehr richtig, dass die United Imaging Group die Roadshow rechtzeitig abgesagt hat.“

Was wir Ihnen ebenfalls in der aktuellen Lage raten: Legen Sie ganz viel Wert auf Transparenz und Kommunikation. Das machen ebenfalls schon viele Fotounternehmer sehr vorbildlich über ihre Homepages und die sozialen Medien. Denn online und telefonisch dürfen Sie Bestellungen selbstverständlich ­annehmen und natürlich auch Ihren Online-Shop weiter ­betreiben. Auch die Abholung und Auslieferung von Waren ist erlaubt. Beachten Sie auch hier aber unbedingt die Hygienevorschriften. Einige Händler bieten auch kostenfreie Lieferungen innerhalb der Stadt per Fahrrad oder Motorrad an. Werden Sie kreativ, wie Sie in der aktuellen Lage den Kontakt zu Ihren Kunden halten können. Erzählen Sie ruhig, wie Ihr Alltag ­gerade aussieht und was Ihre Mitarbeiter gerade notgedrungen machen, schicken Sie Videobotschaften oder geben Sie Tipps, wie man dem Hobby Fotografie auch in den eigenen vier Wänden wunderbar nachgehen kann. Machen Sie aus Ihrer Stammkundschaft eine eingeschworene Community, die nicht nur aus ­Präsenz-Fotostammtischen besteht, sondern auch über WhatsApp-­Gruppen oder Gruppen in sozialen Netzwerken funktioniert. Das stärkt nicht nur den Zusammenhalt aller, denn die meisten verbringen nun (hoffentlich) mehr Zeit zuhause, sondern trägt auch dazu bei, dass man Sie nicht vergisst und entweder die Waren bei Ihnen jetzt online oder telefonisch ­bestellt oder wartet, bis die Geschäfte wieder öffnen dürfen!

'mi'-Fazit: Wir sind uns dessen bewusst, dass schwere ­Wochen oder gar Monate vor Ihnen liegen und möchten ­Ihnen in dieser Zeit ganz besonders zur Seite stehen und Sie bestmöglich in der dynamischen Lage informieren. Die Geschäftsschließungen werden zu erheblichen Umsatzeinbußen führen und in der ohnehin schon angespannten Situation für manche existenzbedrohend werden. Wenden Sie sich mit ­Ihren Sorgen an uns – wir versuchen Sie bei allem so gut es geht zu unterstützen und vermitteln gern Kontakte aus unserem Netzwerk. ­Zusammenhalt ist jetzt mehr denn je gefragt. Dennoch plädiert die Fotoredaktion dafür, nicht den Optimismus zu verlieren und den Kopf in den Sand zu stecken. Nutzen Sie die Zeit, um neue Strukturen und Abläufe zu testen und Marketing-Ideen auszuprobieren. Halten Sie Kontakt zu uns und Ihren ­Kollegen! Wir freuen uns über jeden Anruf und jede Mail. Teilen Sie gern mit uns Ihre kreativen Ideen, wie Sie mit der aktu­ellen Lage umgehen. Aber bitte agieren Sie nicht leichtsinnig und achten bei allem, was Sie tun, darauf, sich, Ihre Mitarbeiter und Kunden zu schützen. Ordnungsstrafen sind letztendlich verschmerzbar, aber Erkrankte im Geschäftsumfeld zu haben auf keinen Fall! Weitere allgemeine Informationen für ­Händler zur Corona-Krise finden Sie auf unserer Homepage unter: www.markt-intern.de/corona.

Julia Lappert
Redaktionsleiterin
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