Euronics XXL Funk feiert 2021 Hundertjähriges, sieht fokussiert in die Zukunft und formulierte klare Wünsche an die Industrie!

20.11.2020
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Wohl den wenigsten Menschen ist es vergönnt, 100 Jahre alt zu werden. Leider muss man sagen, dass auch 100 Jahre in einer Unternehmensgeschichte – zumal in einem inhabergeführten Fachhandel in Deutschland – inzwischen durchaus eine Leistung sind. Im kommenden Jahr ist es so weit: Euronics XXL Funk, ansässig im saarländischen Merzig-Besseringen und in Konz, kann dieses Jubiläum 2021 feiern. Sie wissen, wir lieben solche Geschichten aus dem Leben unserer Branchenteilnehmer, und darum haben wir uns mit Geschäftsführer Jörg Jenner in Verbindung gesetzt und ihn zur 100-jährigen Geschichte des Unternehmens Funk, das durch seinen Großvater Nikolaus Funk in Mettlach-Weiten gegründet wurde, befragt. Gesprochen haben wir mit ihm auch über die aktuellen Herausforderungen der Branche und wie man ihnen begegnen kann.

Jörg Jenner
© Euronics XXL Funk
Jörg Jenner

„Nach der Gründung 1921 eröffnete mein Großvater 1931 dann das Geschäftshaus in Mettlach, 1935 erfolgte die Eröffnung in Besseringen“, nimmt uns Jenner mit in die Geschichte des Unternehmens. Sehr interessant ist dabei insbesondere das Sortiment, mit dem Nikolaus Funk begann: „Schwerpunkt waren damals Elektro- und Rundfunkgeräte sowie Nähmaschinen und Motorräder. Seit unserer Gründung ist unser Motto 'für Technik zu begeistern, die das Leben leichter macht'. Nach dem Krieg wurde das Unternehmen von meinem Onkel Peter Funk und meiner Tante Irma Funk weitergeführt und -entwickelt. Fahrräder wurden ersetzt durch Elektrohaushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik.

Über die Jahre hinweg wurde die ursprüngliche Verkaufsfläche Schritt für Schritt ausgebaut, es kamen Küchen dazu und schließlich in den 60ern eine Elektroinstallationsabteilung. Die Verkaufsfläche wuchs mit den Jahren kontinuierlich an auf ca. 1.800 qm, die Zahl der Mitarbeiter erreichte in den 2000er ihren Höchststand mit knapp 120. Das Sortiment veränderte sich; Öfen und Lampen verschwanden, PC/Multimedia und Handys kamen dazu und wir entwickelten uns vom Fachgeschäft zum großflächigen Fachmarkt mit Fachgeschäftscharakter. In 2012 eröffneten wir dann in Konz einen zweiten Fachmarkt und entschieden uns in 2015, den Bereich Elektrotechnik zu veräußern und uns auf das Handelsgeschäft zu konzentrieren.“

Nach seinem Studium mit dem Schwerpunkt Bankwirtschaft in St. Gallen entschied sich Jenner 1994, ins Unternehmen einzusteigen. „Vorher durchlief ich verschiedene Stationen in der Euronics-Zentrale und hospitierte im Raum Stuttgart und München in Fachmärkten“, verrät er uns weiter. „Ich erwarb alle Gesellschaftsanteile sowie die Immobilie und führte das Unternehmen erst gemeinsam mit meinem Onkel und seit 2000 mit Unterstützung meiner Frau. 2018 gab sie ihren Beamtenstatus auf, um über ihre bisherigen Verantwortlichkeiten für Mitarbeiterführung und Personalwesen hinaus in der Organisation und Ausrichtung des Unternehmens für die Zukunft mitzuwirken.“

Im Stammhaus in Merzig hält das Unternehmen eine Verkaufsfläche von 1.500 qm für den Elektrofachmarkt und rund 300 qm für das Küchenstudio vor. Dazu kommen die Service-Werkstätten und ein großes Lager. In Konz betreibt Euronics XXL Funk den Fachmarkt mit den gleichen Sortimenten ohne Küchenstudio auf einer Verkaufsfläche von rund 1.500 qm und einer Serviceannahme sowie einem kleinen Lager. „In beiden Häusern inklusive Küchenstudio und Servicewerkstätten beschäftigen wir etwa 80 vollzeitbeschäftigte Mitarbeiter*innen“, so Jenner.

Schaut man sich bei Euronics XXL Funk um, sieht man das Warensortiment eines typischen Elektrofachmarktes: Unterhaltungselektronik, Elektroklein- und -großgeräte, Multimedia mit starker Ausrichtung auf Apple sowie Mobil- und Telekommunikation. Ergänzt werden diese durch das Thema E-Mobilität in Form von E-Scootern, E-Rollern und – neu – dem Aiways als Elektrofahrzeug.

Euronics XXL Funk geht damit mit der Zeit und den aktuellen Entwicklungen mit. In welche Richtung wird es zukünftig gehen und welche Zukunftspläne hat Jenner – gerade in Anbetracht der aktuellen weltweiten Coronakrise?

„Zukunftspläne haben wir viele, daran ändert auch die Corona-Situation nichts. Corona hat Entwicklungen beschleunigt, insbesondere die Digitalisierung. Wir haben im abgelaufenen und im laufenden Jahr in unsere EDV und die Prozesse investiert, das Online-Geschäft als Ergänzung zum stationären Geschäft und mit der Zielsetzung der stationären Zuführung ausgebaut, was uns gemeinsam mit unserem Team gut gelungen ist. Wir möchten im kommenden Jahr unsere Flächen noch weiter zum Point of Emotion ausbauen und uns rechtzeitig zum 100-jährigen Jubiläum im neuen Euronics CI präsentieren. Unsere Zielsetzung für die Zukunft ist es, durch unsere Nähe am Kunden, unsere Verwurzelung in der Region und die Stärke unserer Beratung und Servicekompetenz die Marktanteile weiter auszubauen und zu festigen und dabei das stationäre Geschäft durch den Ausbau der Online-Kompetenz zu unterstützen. Wir sehen hier gute Chancen, als mittelständisches Familienunternehmen und 'local hero' gegenüber den großen konzerngesteuerten Wettbewerbern durch unsere jederzeitige Handlungsfähigkeit und damit Geschwindigkeit zu punkten.“

Euronics XXL Funk
© Euronics XXL Funk
Euronics XXL Funk

Auf unsere Frage, wie das Unternehmen bisher durch die Krise gekommen ist, antwortet Jenner mit einem spontanen „Gut!“. Nicht, dass es einfach gewesen wäre, es sei auch ein hartes Stück Arbeit gewesen und nur gelungen, weil es ein klares und schlagkräftiges Krisen- und Corona-Management gab und gibt und alle im Team mitgezogen hätten. Insbesondere auch die gute Zusammenarbeit mit der Ortspolizeibehörde nach dem Lockdown im März halte an. Sie unterstütze durch Beratung die Hygienekonzepte und deren Umsetzung.

Für die Zukunft sieht Jenner noch reichlich Potenzial. Er sagt: „Es gibt viele Bereiche, die ich als zukunftsträchtig ansehe: Ich glaube generell, dass wir noch über die Coronakrise hinaus – auch wenn der Impfstoff zum Einsatz kommt – mit soliden Umsätzen rechnen können, weil ein gewisses Umdenken in der Gesellschaft stattfindet. Während der Pandemie haben die Menschen gelernt, sich auf ihr Zuhause, die eigene Familie und Freunde zu besinnen. Man macht es sich zu Hause schön und bequem. Dabei spielt unsere Branche – nach dem Motto der Euronics 'für dein bestes Zuhause der Welt' und unserem Credo 'begeistern für Technik, die das Leben leichter macht' – eine wesentliche Rolle. Zukunftsträchtig sehe ich vor allem die Bereiche Kleingeräte, insbesondere die Themen Airtreatment, den PC- und Multimedia-Bereich, weil hier durch Corona Homeschooling und Homeoffice erheblich an Bedeutung gewonnen haben, und nicht zu vergessen die Themen Elektrogroßgeräte und TV-Geräte, die wieder stärker gefragt werden.“

Doch nicht nur Potenzial, auch Herausforderungen sieht Jenner jede Menge. „Aktuell beschäftigt uns hauptsächlich die Pandemie und deren Dynamik. Nicht nur die Umsetzungen der Landesverordnungen, sondern auch das Abschätzen der Entwicklung und der sich daraus ergebenden Konsequenzen. Hierzu stehe ich in engem Austausch mit unserer internen Corona-Taskforce und den regionalen Behörden, um schnell auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren zu können. Den regulären Geschäftsbetrieb trotz zunehmender Infektionen aufrechtzuerhalten, ist eine Herausforderung.“

Hinzukomme auf der Beschaffungsseite die corona- und nachfragebedingte Warenknappheit in verschiedenen Warengruppen, von der auch wir in der Redaktion ständig hören. „Die Planung der Warenversorgung, wie wir sie noch im Februar praktiziert haben, ist passé, die Lieferketten sind teilweise unterbrochen. Dem Kunden längere Lieferzeiten zu vermitteln, ist schwierig und kostet Kraft, da dies in unserem Wirtschaftsraum bislang kaum vorstellbar erschien.“

Als zweite Herausforderung sieht Jenner aktuell die zunehmende Digitalisierung in allen Facetten. „Ob Internet-Telefonie, Cloud-Dienste und Server-Umstellungen, digitale Preisschildauszeichnungen oder generell digitalisierte Ablaufprozesse. Dies erfordert hohe Investitionen, die notwendig sind, um künftig effizient arbeiten zu können. Corona hat hier als Katalysator gewirkt und die Entwicklung beschleunigt. Vieles wurde schneller umgesetzt als ursprünglich geplant. So ist es möglich, Teilarbeiten im Homeoffice durchzuführen, Besprechungen mit erheblichem Zeitgewinn intern, zwischen den Häusern und extern über Videokonferenz abzuhalten. Unsere bereits im vergangenen Jahr durchgeführten Investitionen in die dazu erforderliche Infrastruktur ermöglichen es, Prozessabläufe zu verändern und zu beschleunigen. Die dadurch gewonnene Zeit wird sinnvoll in die Kundenkommunikation sowohl stationär als auch online eingesetzt.“

Und auch eine dritte  Herausforderung benennt der Unternehmer, nämlich das veränderte Kundenverhalten und den zunehmenden Online-Anteil. Für den Kunden zählten heute Preis, Leistung, Verfügbarkeit und Schnelligkeit, und das online wie offline. Jenner sagt: „Als Händler vor Ort sind wir deswegen gefordert, immer einen 'Tacken' besser zu sein als der Wettbewerber. Fehler werden von Kundenseite nicht mehr toleriert. Auch hier unterstützen uns die digitalisierten Prozesse in Verbindung mit darauf ausgerichteten Schulungen und Coachings unserer Mitarbeiter. Durch unsere Click-&-Collect-Strategie ist der Online-Anteil zwar erheblich gestiegen, aber auch der reine stationäre Umsatz konnte nach der Wiedereröffnung stark zulegen. Beides zeigt, dass unsere Strategie – aus der Region, für die Region – und die Generierung von stationärer Zuführung durch Online-Angebote sich gegenseitig ergänzen. Unsere Online-Strategie ist ökologisch nachhaltig und nicht darauf ausgerichtet, Pakete durch ganz Deutschland zu versenden. Wir wollen ein Schaufenster sein und dem Kunden von zu Hause aus ermöglichen, mit Click & Collect bei uns als regionalem Händler einzukaufen. Ich glaube nach wie vor auch im Hinblick auf Klimaveränderungen und die Pandemie, dass 'Local Shopping' an Bedeutung gewinnen wird.“

Eine deutliche Meinung hat Jenner auch, wenn wir ihn nach seinen Wünschen an die Industriepartner fragen. „Der Mittelstand ist die treibende Wirtschaftskraft, die maßgeblich zum jetzigen Wohlstand unserer Volkswirtschaft beiträgt. Der Mittelstand stellt über 60 %! aller Arbeitsplätze. Neben der Politik trägt auch die Industrie Mitverantwortung dafür, dass dies so bleibt. Eine gesunde, ausgewogene Einzelhandelsstruktur (online, stationär, ob groß oder klein) ist für die Industrie genauso überlebenswichtig wie für den Einzelhandel selbst. Ich wünsche mir von unseren Industriepartnern vor allem Verlässlichkeit. Dazu gehört für mich die Einhaltung von Zusagen, wettbewerbsfähige Preise, kontinuierliche Außendienstbetreuung und auf den beratungsintensiven Elektrofachhandel abgestimmte Vertriebs- und Konditionsmodelle, die eine unter den gegebenen Marktbedingungen angemessene Marge ermöglichen. Wenn es nur noch einen amerikanischen Mega-Konzern gibt, werden die Industrie, die Politik und schließlich die gesamte Gesellschaft die resultierenden Konsequenzen aus einer monopolähnlichen Wirtschaftsstruktur tragen müssen. Unser Kartellrecht in der jetzigen Form, das aus den 50er Jahren stammt, ist auf die heutige Wirtschaftsstruktur, die Größenordnung und Macht von Online-Plattformen der großen Konzerne nicht eingerichtet und bedarf dringend einer Überarbeitung.“

Beratung und Service seien auch weiterhin Leistungen, die der Kunde wünsche, fährt Jenner fort. „Dies können wir als mittelständischer Fachhandel in Zusammenarbeit mit unserer Einkaufskooperation Euronics und den damit erzielbaren Einkaufspreisen gewährleisten. Unsere Mitarbeiter und wir sind in der Region verwurzelt, leben hier, sind in Vereinen und haben daher eine viel intensivere Beziehung zu unseren Kunden als das großflächige Konzerne oder reine Online-Anbieter haben können. Wir sind auch die Kunden unserer Kunden. Dies ist eine absolute Stärke und trägt zu einer gesunden Gesellschaftsstruktur bei.“

Nun steht, wie eingangs geschrieben, das 100-jährige Jubiläum vor der Tür. Jenner und sein Team sind gerade in die Planungen eingestiegen. „Wir freuen uns, nach umfangreicher Neugestaltung unserer Verkaufsflächen in 2021 mit unseren Kunden auf allen Kanälen feiern zu können. Details folgen Anfang nächsten Jahres.“

Wir danken Jenner an dieser Stelle für das Teilhaben an der Unternehmensgeschichte und seinen intensiven Gedanken zur Branche. Zum Jubiläum gratulieren wir an dieser Stelle noch nicht, denn zu frühes Beglückwünschen soll ja bekanntlich Unglück bringen. Wir gehen aber davon aus, dass mit der Einstellung und dem Engagement, das in dem Team von Euronics XXL Funk steckt, auch die nächsten 100 Jahre gesichert sein werden ;-) und hoffen, dass insbesondere die Industrie heute mal ganz intensiv mitliest.

RA Lorenz Huck
Chefredakteur
RAin Ulrike Kafka
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