75 Jahre Grundig: Vom TV- und Audio-Hersteller zum nachhaltigen und zukunftsorientierten Global-Unternehmen!

06.11.2020
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„Ein ganzes Meer voll Wasser kann ein Schiff nicht zum Sinken bringen, es sei denn, es kommt in das Schiff hinein. Ähnlich kann die Negativität der Welt dich nicht kaputt machen, es sei denn, du lässt sie in dich hinein.“ Ja, wer die Nachrichten dieser Tage bzw. der letzten Wochen und Monate verfolgt, kann den Glauben an die positiven Dinge dieser Welt tatsächlich schon mal verlieren. Eine schlechte Nachricht reiht sich scheinbar an die nächste. Man traut sich kaum noch, den Fernseher einzuschalten, die Zeitung aufzuschlagen oder die aktuellen Internet-Meldungen zu verfolgen. Überall nur noch Katastrophen!

Doch halt, wir möchten die heutige Ausgabe dazu nutzen, um auch über erfreuliche Ereignisse zu berichten! Denn Toi Nasu hat absolut Recht: Es kommt auf uns an, wie nah wir all die negativen Entwicklungen an uns heranlassen. Es lohnt vielmehr, auch die erfreulichen Dinge nicht aus den Augen zu verlieren. Und eines dieser ohne Zweifel schönen Ereignisse des Jahres 2020 ist der 75. Geburtstag von Grundig! 1945 gründete Max Grundig das Unternehmen und brachte die ersten beiden Produkte, ein Röhrenprüfgerät Tubatest und ein Messgerät Novatest auf den Markt. In einer Sonderbeilage '50 Jahre Bundesrepublik' schrieb der 'Spiegel' einst: „Am perfektesten in der Gilde der Nachkriegsunternehmer war Max Grundig. Sofort nach Kriegsende startete er durch. Als der freie Verkauf von Rundfunkgeräten durch die Besatzungsmacht verboten wurde, stellte er einen Bausatz zusammen, den er 'Heinzelmann' nannte. Der Kunde konnte sich daraus selbst ein Radio bauen, und das war nicht verboten …

… während die alten Markenhersteller ihre Geräte in Bakelitschalen anboten, verkaufte Grundig sofort nach der Währungsreform seine Apparate in sonorem Holz. Stets um einige Längen voraus, war er mit Tochterunternehmen rund um die Welt und einer eigenen Bank bald der Größte seiner Branche …

… nachdem er sich bei Fernseh-, Tonband- und Diktiergeräten hohe Marktanteile gesichert hatte, wandelte er sein Unternehmen 1972 in eine Aktiengesellschaft um, mit der Max-Grundig-Stiftung als Hauptaktionärin. Später gab er die Führung seines Konzerns an den spröden niederländischen Philips-Konzern ab, der ihm auf 20 Jahre eine Dividendengarantie von 50 Millionen DM zusicherte.“

Und auch wenn 'markt intern' nicht immer ein gutes Verhältnis zu Grundig hatte (bzw. andersherum), sagen wir heute selbstverständlich: Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum!!! Und warum kein gutes Verhältnis? Ein kleiner Blick in unser Archiv verrät, auch das gehört zu '75 Jahre Grundig' (vgl. R 33/81): „Für Grundig ist 'markt intern' so wichtig, daß der neue Fürther Verkaufsleiter, Dieter Gallist, verantwortlich für den Gesamtvertrieb, über die Hälfte seines Einführungsschreibens nur 'markt intern' widmet. Für diese kostenlose Werbung möchte sich 'markt intern' herzlichst bedanken. Im einzelnen heißt es darin: »In Abstimmung mit unserem Aufsichtsratsvorsitzenden, Dr. Max Grundig, und dem Vorstandsvorsitzenden, Dr. K. W. Hackel, möchten wir Sie heute darüber informieren, daß wir in Zukunft Anfragen von 'markt intern' nicht mehr beantworten werden, weil wir die Berichterstattung dieses Informationsdienstes für einseitig und zu wenig sachorientiert halten. […] Den Versuch von 'markt intern', sich zum Sprecher unserer Partner, unserer Kunden, zu machen, betrachten wir als Anmaßung …«“

Bereits wenige Monate später müssen die Franken allerdings schon wieder klein beigeben. In R 10/82 lesen wir: „»'markt intern' ist für das Haus Grundig der anerkannte Vermittler in allen schwierigen Fachhandelsfragen«. Mit diesem Satz setzt Max Grundig einen Schlußstrich unter eine mehrmonatige 'Sendepause'. […] Dr. hc Max Grundig, der 'markt intern' die Vermittlerrolle angeboten hat, ist damit der eindeutigen Forderung breiter Fachhandelskreise endlich nachgekommen.“

So soll es sein! Und wir freuen uns, dass unser Verhältnis seit Jahren auf einem konstruktiven und vertraulichen Miteinander beruht!

Jetzt wissen wir, dass Grundig das Jubiläum in diesem Jahr nicht großartig feiern wird (vgl. CE 42/20). Alle Maßnahmen diesbezüglich sind auf das nächste Jahr verschoben, soweit Corona sie dann zulassen wird. Gleichwohl hat sich das Team um Christian Struck, Director Marketing Communication der Beko Grundig Deutschland GmbH, bereits extrem kreative Arbeit gemacht und ein Geschichtsbuch der besonderen Art herausgebracht (derzeit noch in Druck)! Auf über 200 Seiten wird auf spannende und unterhaltsame Art und Weise nicht nur die Historie von Grundig dargestellt. Jenseits der eigenen Entwicklung wird vielmehr auch an die eine oder andere Begebenheit bzw. historische Momente erinnert, die ebenfalls in die jeweilige Zeit fielen. Entstanden ist damit ein Werk, das zumindest uns von Anfang an in den Bann gezogen hat. Denn es sind Anekdoten, wie zum Beispiel die folgenden zwei, die die Lektüre so unterhaltsam und angenehm gestalten:

  „Udo bei Grundig – […] Die Mittagspause am 29.9.69 werden die Mitarbeiter im Werk 11 wohl so schnell nicht vergessen. […] Wie sehr UDO JÜRGENS die Herzen und Gemüter junger Mädchen (nicht nur junger) erregen kann, zeigte sich, als eine 16-jährige Zuhörerin vor lauter Begeisterung ohnmächtig wurde. Hilfreiche Hände brachten sie in einen Sanitätsraum, wo sie aus ihren glücklichen Träumen wieder erwachte. Zum Erstaunen der Umstehenden war sie plötzlich wieder hellwach und erinnerte sich daran, daß sie nicht versäumen durfte, 'ihrem' UDO beim Abflug nachzuwinken. Sie zögerte keine Sekunde und war in Richtung Hubschrauberlandeplatz verschwunden.“

  „Auch wenn man es heute kaum mehr glauben mag: Bis 1987 war nicht der FC Bayern München deutscher Rekordmeister – sondern der 1. FC Nürnberg. Neun Titel hatten die Clubberer seit 1920 gesammelt. Kein Wunder, dass zeitweise niemand dem legendären 'Glubb' und seinem Mythos widerstehen konnte, nicht einmal der spätere FCB-Jahrhundert-Manager Uli Hoeneß, der Ende der 1970er-Jahre den Sponsorennamen 'Grundig' übers Feld führte – mit hohen Erwartungen auf allen Seiten, aber überschaubarem Erfolg auf dem Platz. Dass Hoeneß während seines vier Monate dauernden Gastspiels in der Albrecht-Dürer-Stadt kein einziger Treffer gelang, wurde von der Fachpresse für den Abstieg des Clubs mitverantwortlich gemacht. Hoeneß stieg wieder in seinen roten Porsche und fuhr, mit gerade einmal 27 Jahren, hinein in den Abspann seiner Karriere – und in den Beginn seiner Managerlaufbahn.“

Allein diese Beispiele zeigen aus unserer Sicht, dass Chronik nicht immer gleich Chronik ist und Struck und seinem Team hier ein wirklich tolles Werk gelungen ist. Er selbst äußert sich gegenüber 'markt intern' zur Marke Grundig wie folgt: „Es gibt wenig Marken mit so viel Tradition wie Grundig und sehr viele Menschen verbinden ganz besondere Momente und Erinnerungen mit uns. Seit 75 Jahren stehen unsere Produkte für Qualität, Innovationskraft, Design und Funktionalität. Früher wie heute ist Grundig aus keinem Zuhause wegzudenken, was ganz aktuell auch unser Radio-Gewinnspiel gezeigt hat: Die Nachfrage war bei einem Sender in Nord-Deutschland so groß, dass die Telefonleitungen zusammengebrochen sind – Grundig bewegt. Das haben wir erreicht, indem Grundig-Produkte das Beste von gestern mit dem Besten von morgen verbinden. Mit dieser Orientierung schauen wir weiter nach vorne und liefern Produkte für jedes Zimmer zu Hause. Dabei liegt unser Fokus klar auf dem Ausbau unseres wachsenden Portfolios nachhaltiger Produkte. Dass wir mit unserer Strategie den Geschmack unserer Kunden treffen, erleben wir gerade mit unserem neuen Heinzelmann-Radio, zu dem wir schon vor dem Verkaufsstart im November sehr viele Vorbestellungen erhalten haben.“

Die Entwicklung vom TV- und Hifi-Hersteller zum nachhaltigen und zukunftsorientierten Global-Unternehmen ist in der Tat beeindruckend! Ob 'Braune Ware' oder 'Weiße Ware': Grundig präsentiert sich stets produktionsorientiert. Man will nicht der Teuerste oder der Exklusivste sein. Getreu der eigenen Philosophie „Alles beginnt zuhause“ strebte das Unternehmen von Anfang an danach, Teil des Alltags der Menschen zu sein, Teil ihres Lebens zu werden. Dabei wurden immer wieder Produkte erschaffen, die Technikgeschichte geschrieben haben – und oftmals sogar auch Kulturgeschichte. Struck ergänzt: „Mit Grundig bieten wir Kunden seit 75 Jahren langlebige Qualitätsprodukte, die hohe Standards setzen. Dafür werden wir in allen Bereichen regelmäßig von den bekannten Instituten mit guten und sehr guten Ergebnissen ausgezeichnet. Unsere Geräte werden in den modernsten Fertigungsstätten hergestellt, z. B. TV-Geräte in Çerkezköy (Türkei), mit herausragender Öko-Bilanz und modernem Arbeitsumfeld.“

Und was heißt das jetzt für Sie, die langjährigen Fachhandelspartner von Grundig? Mario Vogl, Vorsitzender der Geschäftsführung der Beko Grundig Deutschland GmbH, erklärt uns dazu: „Grundig ist mit dem Fachhandel schon seit vielen Jahren eng verbunden und wir schätzen unsere zahlreichen starken Partnerschaften sehr. Wir haben immer ein offenes Ohr für das Feedback und die Bedürfnisse unserer Partner und pflegen mit ihnen einen engen, vertrauensvollen Kontakt auf Augenhöhe. Gerade für die Betreuung des Fachhandels haben wir kürzlich unser Sales-Team ausgebaut, um noch schneller und besser auf die Anforderungen des Marktes und unserer Händler reagieren zu können. Daran werden wir auch in Zukunft festhalten und dem Fachhandel weiterhin ein verlässlicher Partner sein. Gemeinsam mit dem Fachhandel möchten wir die Stärke der Marke und die Größe des Sortiments sowie die nachhaltigen Produkte nutzen, um den sich konstant ändernden Konsumentenbedürfnissen zu begegnen und alle damit verbundenen Potenziale zu nutzen. Wir freuen uns auf die Zukunft gemeinsam mit dem Fachhandel.“

Vieles passiert gerade um uns herum, das für große Sorgen und so einige Fragezeichen sorgt. Wie gut tut es daher, besonders in diesen Zeiten auf Verlässlichkeiten blicken zu können. Die Firma Grundig mit ihren 75 Jahren gehört sicherlich dazu. Und die Geschichte zeigt: Würde das Traditionsunternehmen diesen Zustand auf Ihre Kosten irgendwann wieder ändern wollen, wären wir mit die Ersten, die diesen Zustand lautstark beklagen würden. Das haben wir früher schon getan und würden es erneut wieder tun, versprochen!

RA Lorenz Huck
Chefredakteur
RAin Ulrike Kafka
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