Beilage CE 22/20 | 29. Mai 2020

HiFi Klubben sucht Franchise-Partner

Der Name HiFi Klubben kommt nicht von ungefähr. Mit einem kleinen Hifi-Geschäft startet Peter Lyngdorf 1980 in Dänemark (Aarhus). Als Treffpunkt für Musikinteressierte kommt bald die Idee eines sog. Klubs auf. Die Kunden werden zu „Klubberern“, also Klub-Mitgliedern mit besonderen Vorzügen. Laut Unternehmensangaben gibt es inzwischen ganze 825.000 Mitglieder. 101 HiFi Klubben-Geschäfte existieren aktuell in Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen und den Niederlanden. Vertrieben werden Marken wie Dali, Bowers & Wilkins, NAD, Denon, Sonos und B&O.

Mitten in der Krise will das dänische Unternehmen nun in Deutschland expandieren – mit eigenen Geschäften und mit Franchise-Partnern. Aktuell gibt es deutschlandweit fünf HiFi Klubben-Stores in Hamburg (3), Köln (1) und Bonn (1). Über Erfahrung im Franchise-Bereich verfügt das Hifi-Unternehmen: In Skandinavien gibt es bereits 30 Franchise-Stores.

Hifi-Klubben.jpg
© HiFi Klubben
Oliver Schroll

Oliver Schroll, als Country-Manager seit letztem Jahr verantwortlich für das Deutschland-Geschäft, erklärt: „In Deutschland ist klassisches Hifi in den vergangenen Jahren stark unter Druck geraten und traditionelle Hifi-Geschäfte haben es zunehmend schwer, mit großen digitalen Konzepten mitzuhalten. HiFi Klubben hat trotz dieser Phase gerade ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr abgeschlossen. Wir sind überzeugt, dass wir ein Retail-Konzept am Markt haben, das eine Nische ausfüllt, die auch zukünftig profitables Business verspricht.“ Selbstbewusste Worte in einer mehr als schwierigen Zeit.

Wir wollen mehr über die Hintergründe und die Vorgehensweise der Dänen erfahren. Zum einen wissen wir aus Fachhandelskreisen, dass der eine oder andere durchaus schon mal an Alternativen denkt, und zum anderen interessiert uns, was das Unternehmen in Deutschland konkret vorhat. Denn schließlich expandiert damit ein Wettbewerber. Wir haken bei Schroll nach. Er erklärt uns zunächst zu den geplanten Stores: „Unser Distributionsmodell ist geostrategisch geprägt. Heißt, dass wir in allen großen Clustern des Landes vertreten sein möchten – also in Deutschlands Metropolregionen Hamburg, München, dem Ruhrgebiet, Rhein-Main und Berlin. Wenn wir nun noch die sechs wichtigen kleineren Gebiete hinzuziehen, kommen wir auf elf Regionen, in denen wir rund 60 % der Bevölkerung erreichen würden. Wir konnten in den letzten Jahren in Deutschland wertvolle Erfahrungen mit unserem Onlineshop sammeln und wissen recht gut, wo es für HiFi Klubben Sinn macht, unser Marken-Image vor Ort in einem Store erlebbar zu machen … Unser Plan ist es, in zwei bis drei Jahren auf insgesamt 20 bis 24 Geschäfte zu kommen. Im Moment haben wir insbesondere Düsseldorf im Blick, um diese Metropoloregion distributiv zu vervollständigen und maximale Synergieeffekte zu erzielen. Wie viele Ladengeschäfte letztendlich von Franchise-Nehmern geführt werden, steht indes noch nicht fest … Wir sind nicht festgelegt auf eine Distributionsform, deswegen können wir hier für Deutschland keine konkreten Zahlen nennen.“

HiFi Klubben sucht für die Franchise-Schiene „Menschen mit einem professionellen Retail-Background, die außerdem eine starke Führungspersönlichkeit mitbringen“, so Schroll weiter. „Ohne unbedingt Branchenspezialisten sein zu müssen, sollten Franchise-Nehmer eine große Hifi-Leidenschaft mitbringen. Im Prinzip freuen wir uns über jeden, der sich nicht oder nicht mehr im typischen Elektrofachhandel sieht und sich nicht mit den Konzepten großer Mega-Stores mit Elektronik-Vollsortiment identifizieren möchte …“

Ein fertiger Shop kostet, so erklärt uns Schroll, mit Ladenbau und Waren in der Regel zwischen 250.000 und 700.000 €. HiFi Klubben gewährt einen Warenkredit, der Rest sei abhängig vom Franchise-Nehmer und der gewählten Finanzierung. Die Entry- und Franchise-Fee sei generell Verhandlungssache und stark abhängig vom Potenzial der Region. Fest stehe indes beispielsweise die Marketing-Gebühr von 4,3 % auf den Umsatz. Neben den oben aufgeführten Marken bietet HiFi Klubben dem Franchise-Nehmer mit seiner Eigenmarke Argon Audio Preiseinstiegsmodelle in allen Produktkategorien an. Sales Support, Marketing, IT etc. sind über ein zentrales Kundenservicebüro sichergestellt. Die Warenversorgung erfolgt über das Zentrallager in Dänemark.

„Alle Shops sind über ein innovatives Intranet verbunden, das neben aktuellen KPIs und Online-Trainings auch unsere knapp 800 Mitarbeiter miteinander verbindet und so ein Netzwerk von geballtem Hifi-Wissen schafft. Nicht zuletzt profitieren Franchise-Nehmer von unserer Omni-Channel-Strategie. Unser Webshop wächst kontinuierlich und steuert bis zu 25 % des gesamten Umsatzes bei – Tendenz steigend. Dabei werden auch regionale Web-Sales mit Angeboten der lokalen Geschäfte organisiert. Ziel ist es, die Kunden aus den digitalen Kanälen auf die lokalen Stores aufmerksam zu machen. HiFi Klubben honoriert aber auch die Marketing-Wirkung einer Filiale, indem sämtliche Online-Umsätze, die von Kunden aus dem Einzugsgebiet eines Geschäfts erzeugt werden, an dieses weitergereicht werden.“

Schroll selbst spricht es eingangs an: die aktuellen Schwierigkeiten auf dem deutschen Hifi-Markt für den stationären Fachhandel. Warum glaubt er daran, dass HiFi Klubben gerade in der aktuellen Zeit erfolgreich ist? „Unser Business-Modell ist profitabel, daran glauben wir alle. So hat auch die Corona-Krise gezeigt, dass unser Omni-Channel-Ansatz zukunftsweisend ist. So lassen sich auch schwere Zeiten im hart umkämpften Markt erfolgreich und krisensicher umschiffen: breit aufgestellt, nah am Kunden und damit bestens gerüstet.

Wahrscheinlich wird die Coronakrise die ohnehin schon laufende Konsolidierung des Hifi-Marktes nochmals beschleunigen und die Handelslandschaft wird nach Corona eine andere sein als zuvor. Sicherlich werden wir Marktbegleiter verlieren und Kunden werden es noch schwerer haben, eine Anlaufstelle für gute Hifi-Beratung zu bekommen. Durchsetzen wird sich meines Erachtens, wer sich auch schon vorher für die Omni-Channel-Ausrichtung gerüstet hat. Ich bin davon überzeugt, dass die Menschen aufgrund der Kontaktbeschränkungen nun wieder nach sozialen Kontakten streben und sich auch Shopping-Konzepte suchen werden, die dies widerspiegeln. Einkaufen wird Teil des Socializings. Ich glaube, dass Konzepte Erfolg haben werden, die den Kunden als Teil einer Community ansehen. Es wird zugeschnittene Events geben, Private Shopping … Die Menschen wollen nicht die anonyme Großfläche, sondern Erlebnisse und enge Beziehungen zu Beratern.“

Fassen wir zusammen: HiFi Klubben setzt auf persönliche Kundenbeziehung, auf Omni-Channel und „Klub-Charakter“. Das ist kein Hexenwerk und schon gar nicht neu. Viele Kollegen im Hifi-Handel bauen schon lange auf genau diese Wege. Auf ihre besondere Persönlichkeit setzen alle Hifi-Händler, die wir kennen. Die Kunden kennen sie in der Regel beim Namen, weil sie lang eingesessene Händler sind und Hifi-Händler eh in der Regel anders – nämlich äußerst individuell – auftreten. Schroll spricht nicht zuletzt aus diesem Grund gerade diejenigen an, die raus aus der Elektrofachschiene und sich spezialisieren wollen oder gar auch branchenfremde Unternehmer. Auch Omni-Channel ist gängige Praxis und kein Argument allein für HiFi Klubben. Allein der Klub-Charakter könnte die Kunden anlocken, mit gezielten Aktionen auf sich aufmerksam zu machen und zu halten. Denn eine bevorzugte Behandlung, und sei es auch nur das Gefühl, diese dort bekommen zu können, wird den einen oder anderen Kunden durchaus locken können.

Interessierte Unternehmer müssen sich intensiv mit der Franchise-Materie befassen. Neben vielen Vorteilen eines jeden Franchise-Konzeptes wie ein erprobtes Geschäftsmodell, eine ggf. etablierte Marke, Arbeitsteilung und ein gutes Netzwerk, gibt es auch einige Dinge, die gut überlegt sein wollen. Der Franchise-Geber lässt seine Expansion letztlich vom Franchise-Nehmer finanzieren. Dieser trägt das volle finanzielle Risiko und ist durch einen einheitlichen Auftritt in seiner eigenen individuellen Unternehmereigenschaft beschränkt.

Alle etablierten Hifi-Händler bekommen mit der Expansion einen neuen Wettbewerber hinzu. Im Herbst dieses Jahres soll der erste HiFi Klubben-Store in Düsseldorf öffnen. Verfolgen Sie die Entwicklung genau, um rechtzeitig auf die ggf. neuen Anforderungen, die auf Sie zu kommen können, reagieren zu können. Ob das der richtige Zeitpunkt ist, zu expandieren, wird sich zeigen. Wir werden die Entwicklung verfolgen.

News aus Wirtschaft und Branche — kurz eingeblendet

Neues Digitalformat DENON LIVE Der Hifi-Hersteller Denon hat zu Mitte Mai 2020 ein neues Digitalformat DENON LIVE an den Markt gebracht. In Form von 90-minütigen Livestreams sollen neueste Informationen zu Produkten präsentiert werden. Für Fragen zu spezifischen Themen steht Denon zur Verfügung. Wechselnde Live-Gäste sorgen für Diskussionen zu aktuellen Themen aus dem Audiobereich und damit auch für Unterhaltung. Die Talkrunden werden via Facebook und YouTube übertragen. Händler und auch weitere Audio-Fans können dafür vorab ihre individuellen Fragen zum jeweils angebotenen Thema mit dem Betreff „Denon Live“ an [email protected] senden oder auch spontan im Live-Chat stellen. Für all diejenigen, die die Live-Chats verpasst haben oder an künftigen Terminen nicht teilnehmen können: Die Talkrunden sind auch im Nachgang auf dem jeweiligen Denon-Kanal abspielbar.

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