Familie Faber-Castell gibt sich „neue Inhaberstrategie“ … und ­beendet den Familienzwist

05.08.2021
Kommentieren
Merken
Drucken

Über die sage und schreibe neunte Familiengeneration reden wir in Zusammenhang mit dem gleichnamigen Unternehmen Faber-Castell. Das findet man in der Unternehmenslandschaft nicht oft. Nicht immer funktioniert das problemlos, so auch nicht in der besagten neunten Generation der vier Kinder des ehemaligen Firmenlenkers Anton-Wolfgang Graf von Faber-­Castell. Dieser verstarb bereits im Jahr 2016. Jetzt hat man sich nach zermürbenden Grabenkämpfen endlich geeinigt. Und damit dürfte so manchem Mitarbeiter, aber auch so manchem stark in der Marke engagierten Fachhandelshaus ein Stein vom Herzen fallen.

Die Worte aus der Firmenzentrale lauten dazu wie folgt: „Die neunte Generation der Familie Faber-Castell wird das Unternehmen im Rahmen ihrer neuen Inhaberstrategie als aktiver ­Gesellschafterkreis kontrollieren. Dafür geht Charles Graf von Faber-Castell in den Aufsichtsrat der Faber-Castell AG, ­Katharina Gräfin von Faber-Castell in den Verwaltungsrat der A.W. Faber-­Castell Unternehmens­verwaltung GmbH. Die vier Geschwister – Charles Graf von Faber-­Castell, Katharina Gräfin von Faber-Castell, Victoria Gräfin von Faber-Castell und Sarah Gräfin von Faber-­Castell – hatten als Hauptgesellschafter*innen im vergangenen Jahr die Erarbeitung einer Inha­berstrategie initiiert, um die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft von Faber-Castell zu ­stellen.“

„Wir freuen uns sehr auf die Aufgabe, die Zukunft von Faber-Castell gemeinsam und aktiv als Gesellschafter*innen mitzugestalten. Wir haben gemeinsam eine moderne, familienkontrollierte Governance-Struktur erarbeitet. So werden wir nicht nur den Herausforderungen unserer Zeit, sondern auch unserer Verantwortung für ein traditionsreiches Unternehmen, eine einzigartige Marke und unsere 6.500 Mitarbeiter*innen auf der ganzen Welt gerecht“, sagen Charles, Katharina, ­Victoria und Sarah von Faber-Castell in einem gemeinsamen Statement. „Als neunte Generation spüren wir seit unserer Kindheit, wie viel positive Kraft die Marke Faber-Castell und unsere Produkte auf der ganzen Welt haben. Nun wollen wir im vertrauensvollen Miteinander und offenen Dialog zwischen Gesellschafterkreis, Aufsichtsgremien, Vorstand und der gesamten Belegschaft aktiv daran mitwirken, dass Faber-Castell nicht nur eines der ältesten Familienunternehmen ist, sondern auch eines der jüngsten und innovativsten. Faber-Castell soll auch noch in 260 Jahren kreative Fähigkeiten freisetzen und Menschen auf der ganzen Welt inspirieren.“

v. l.: Gesellschafter*innen Victoria, Katharina, Charles und Sarah von Faber-Castell (9. Generation)
© Faber-Castell
v. l.: Gesellschafter*innen Victoria, Katharina, Charles und Sarah von Faber-Castell (9. Generation)

Die neue Regelung sieht vor, dass die neunte Generation der Familie die Entwicklung des Unternehmens „in einem familienkontrollierten Modell als aktiver Gesellschafterkreis mitgestalten“ wird: „Zu diesem Zweck haben sie Leitlinien erarbeitet, die dem Vorstand einen verlässlichen Rahmen bieten, um einen nachhaltigen und profitablen Wachstumskurs für Faber-Castell zu entwickeln. Dabei soll Faber-Castell seinem Markenkern als Premium-Marke treu bleiben. Zudem soll die soziale und ökologische Verantwortung weiterhin im Mittelpunkt aller Entscheidungen stehen. Charles Graf von Faber-Castell und Katharina Gräfin von Faber-Castell werden die Positionen der Gesellschafter*innen in den entsprechenden Aufsichtsgremien vertreten. Beide treten in den Gremien ­jeweils an die Stelle von Detlef Spigiel, der beide Gremien ­verlässt. Mary Gräfin von Faber-Castell bleibt ebenfalls ­Mitglied im Aufsichtsrat der Faber-Castell AG.“

Damit zieht sich Charles von Faber-Castell aus dem operativen Geschäft zurück. Bisher war er für die Premium-Sparte verantwortlich. Die Unternehmensführung liegt damit nicht mehr in der Hand der Familie, die sich nunmehr auf die Kontrollfunktion in den entsprechenden Gremien beschränkt.Und auch nicht die Alleinherrschaft, womit der Wille von Anton-Wolfgang von Faber-Castell – der 85 % der Stimmrechte gebündelt in der so genannten 'goldenen Aktie' für das 'fähigste' seiner Kinder vorgesehen hatte – letztlich nicht umgesetzt werden konnte. Für das Management dürfte aber viel wichtiger sein, möglichst freie Hand bei den unternehme­rischen Entscheidungen zu haben, um Faber-Castell durch nach wie vor unruhiges Gewässer steuern zu können. Im Geschäftsjahr 2019/2020 lag der Gruppenumsatz nach ­eigenen Angaben bei 555 Mio. Euro. Vier Jahre zuvor, im letzten Geschäftsjahr von Firmenpatriarch Anton-Wolfgang, waren es noch 631 Mio. Euro. Wir sind gespannt auf die ­Ergebnisse im Corona-Jahr 2020/21.

Perola Müller
Chefredakteurin
Schlagwörter:
,
,
,
,
,
Kontakt
Zur Redaktion
Ausgaben und Beilagen
Neue Ausgaben und Beilagen als PDF oder direkt im Browser lesen:
Alle Ausgaben und Beilagen
Beliebte Schlagwörter miDirekt

miDIREKT Login

Dieser Inhalt ist nur mit einem entsprechenden miAbo zugänglich. Falls Sie über ein miAbo verfügen, können Sie sich hier einloggen.

Abbrechen
Wir haben Ihnen einen Link zur Erstellung eines neuen Passwortes geschickt. Bitte überprüfen Sie Ihren Posteingang.

Sie benötigen Unterstützung? - Hier geht´s zum Hilfebereich.
Wenn Sie sich über unsere Abo-Angebote informieren möchten, klicken Sie hier:
Liebe Leserinnen und Leser,
in unserem monatlichen Newsletter erhalten Sie regelmäßig einen Überblick über die wichtigsten Nachrichten, Standpunkte, Experten-Tipps, Ratgeber sowie aktuelle Verlagsaktionen, die Sie im täglichen Geschäft gewinnsteigernd einsetzen können.
Abonnieren Sie jetzt den kostenlosen markt intern-Newsletter






* Pflichtfelder

Artikel teilen

Bitte wählen Sie eine Plattform, auf der Sie den Artikel teilen möchten:

Merkliste
Sie sind noch nicht angemeldet.
Bitte melden Sie sich als User an, dann können wir Ihre Merkliste erweitern.

Abbrechen

Legende
  • frei zugängliche, gekaufte oder jene Artikel, die in Ihren Abonnements enthalten sind.
  • Artikel, die Sie mit Ihrem erworbenen Pass-Kontingent
    (Tagespass oder 5 Artikel PLUS Pass) freischalten können.
  • gesperrte Artikel, die Sie durch den Kauf eines Passes
    (Tagespass oder 5 Artikel PLUS Pass) oder Abonnements freischalten können.

Bitte beachten Sie, dass der Tagespass nur Artikel beinhaltet, die nicht älter als 7 Tage sind. Details entnehmen Sie bitte unserer Abo-Übersicht. Alle Ihre gekauften Produkte finden Sie nach Login unter MEIN MI rechts oben im Hauptmenü.