Coronafolgen für die Büroeinrichtung: „Vertriebsaktivitäten ­werden wieder aufgenommen“!

14.05.2020
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Viel war in den jüngsten Wochen vom staatlich verordneten Homeoffice die Rede, von der Ausstattung und Einrichtung des Arbeitsplatzes zu Hause zwischen Job, Homeschooling und Kinderbetreuung. Neben der Anschaffung funktions­fähiger Hardware, neben Datensicherheit und den technischen Voraussetzungen der digitalen Anbindung der Heimarbeitsplätze rückte die Ausstattung mit Büromöbeln vielfach zunächst in den Hintergrund – der Küchentisch und der alte Bürostuhl tun es im Zweifel zunächst auch! Was aber, wenn das Homeoffice eben keine vorübergehende Notlösung bleibt, sondern zig Tausenden von Arbeitnehmern noch Monate erhalten bleiben wird? Denkbar auch, dass der/die eine oder andere Büroarbeiter/in ganz ins Homeoffice umziehen wird, wenn sich das im aktuellen Praxistest als dauerhaft sinnvolle Lösung herausstellen sollte.

Uns interessiert, was das für die Büroeinrichtungsbranche bedeutet. Erst in der letzten Woche hatte sich der Industrie­verband Büro- und Arbeitswelt e. V. (IBA) mit diesem Thema beschäftigt (vgl. B 19/20). Welche Chancen können Handel und Industrie jetzt nutzen? Über die Situation in der Branche aus Sicht eines Herstellerunternehmens sprachen wir Anfang dieser Woche mit Dr. Jochen Ihring, Geschäftsführer der DauphinHumanDesign Group GmbH & Co. KG. Sein Blick zurück auf die harten Wochen, die hinter uns liegen:

„Vor und nach Ostern war die Branche zunächst in Schockstarre. Wie einige andere Unternehmen mussten wir um Ostern herum für acht Arbeitstage in Kurzarbeit gehen. Das hatte drei Gründe: Erstens konnten viele Aufträge nicht ausgeführt werden, weil die Kunden keine Ware angenommen haben. Zweitens fehlten Teile von Zulieferern. Drittens wurden viele Aufträge kundenseitig verschoben. Bereits seit 20.4.2020 haben wir unsere Produktion wieder vollumfänglich aufgenommen. Aktuell können wir alle Marken wieder ausliefern und die Endkunden bzw. der Fachhandel nehmen die Ware zu 98 % wieder an. Auch im Handel war die Kurzarbeit verbreitet. Viele Fachhändler waren im Homeoffice, viele wollten auch keinen Kontakt und haben den Lieferanten keinen Zutritt ins Unternehmen gewährt. Jeder wollte verständlicherweise eine Quarantäne vermeiden. Unsere Beobachtung ist, dass die Vertriebsaktivitäten nun wieder aufgenommen werden.“

Dr. Jochen Ihring
© Dauphin
Dr. Jochen Ihring

Das lässt hoffen, wenngleich der gute Lauf der Büroeinrichtungsbranche durch Corona abrupt gestoppt wurde. Stotternd geht es nun wieder los, wobei Ihring zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen prognostiziert: „Durch Corona hat sich die wirtschaftliche Lage gedreht. Vor Corona war die Branche durch ­Themen wie Open Space oder Mittelzonen erfolgreich im Markt unterwegs. Nun fahren viele Unternehmen die Investitionen und Aufträge zurück. Wenn die Wirtschaft schwächelt, zieht die Büroeinrichtung mit zeitlicher Verzögerung – möglicherweise über Jahre – hinterher. Aktuell beantragen viele Unternehmen Soforthilfen, da kaufen sie keine Möbel.“ Seine Einschätzung zur Lage der Fachhandelshäuser, je nach Kunden­struktur: „Die Fachhandelsunternehmen, die neben der Büroeinrichtung mit Sortimenten wie PBS oder Büromaschinen breit aufgestellt sind, sind vermutlich aktuell in einer besseren Situation, da Umsatzrückgänge besser aufgefangen werden können. Büroeinrichtungsexperten mit hoher Kostenstruktur, zum Beispiel mit eigenen Architekten und Beratern, sind stärker betroffen, wenn der Umsatz zurückgeht. Derzeit überlegt sich sicherlich jedes Unternehmen, welche Werbeausgaben und Sachkosten geschoben werden können. Grundsätzlich glaube ich, dass Fachhandelsunternehmen mit staatlichen Kunden besser dastehen als mit einer Kundenstruktur, die durch Dax-Konzerne determiniert wird. Auch in der Automobilbranche ist es derzeit schwierig. Die Situation ist demnach stark abhängig von der Kundenstruktur der Handelshäuser.“

Umso wichtiger ist, Chancen zu erkennen und zu nutzen! Einige Büroeinrichtungshersteller sind spontan auf stark nachgefragte Produkte umgeschwenkt, wie z. B. Palmberg auf Plexiglasschutzwände (vgl. B 16/20) oder Dauphin auf Mund-Nasen-Masken (vgl. B 18/20). Ihring weiter zu aktuell attraktiven Sortimenten und Umsatzchancen:

„Ein Lichtblick sind Sortimente für das Homeoffice, insbesondere dann, wenn Unternehmen die Ausstattung für die Mitarbeiter unterstützen. Das Homeoffice wird uns noch einige Zeit erhalten bleiben. In der zeitlichen Perspektive wachsen der Wunsch und der Bedarf zum Beispiel nach einem vernünftigen Stuhl. Der Anspruch, das Homeoffice professionell zu gestalten, wird zunehmen. Wenn die Beschaffung von Unternehmensseite ausgeht, profitiert der Fachhandel eher als bei privaten Kunden. Diese bestellen tendenziell schneller im Internet. Auch andere Sortimente erleben nun einen Nachfrageschub. Mittlerweile steht auf jeder Theke eine Plexiglaswand. Nachgefragt werden sicherlich auch zunehmend Separierungs­elemente für das Büro. Insbesondere dann, wenn die Menschen in die Büros zurück­kehren.“ Für den Büroeinrichtungs-Fachhandel bedeute das: „Nach dem ersten Schock, der uns alle gelähmt hat, sehe ich gute Chancen für konzeptstarke Fachhändler. Wir unterstützen bestmöglich mit den Sortimenten, die jetzt gefragt sind. Aktuelles Beispiel sind unsere Mund-Nasen-Masken, die ausschließlich über unsere Fachhändler vertrieben werden. Unsere Partner können so ihre Kunden ansprechen und ein Produkt mit derzeit hohem Bedarf anbieten. Auch mit den Dauphin-, Trendoffice- und Bosse-Sortimenten versuchen wir Themen zu bieten, um mit den Kunden im Gespräch zu bleiben.“

Bosse-Homeoffice-Aktion
© Bosse
Bosse-Homeoffice-Aktion

In den Fokus rückt Ihring in diesem Zusammenhang folgende Produkte bzw. Sortimente: „Damit Arbeitgeber ihren Mitarbeitern innerhalb kürzester Zeit einen ergonomischen Büro­drehstuhl für das Homeoffice zur Verfügung stellen können, haben wir für unsere Marke Trendoffice eine spezielle Aktion unter dem Motto 'Work it: easy! at home' konzipiert. Der Bürodrehstuhl 'to-strike work comfort' ist damit in nur fünf bis zehn Tagen lieferbar. Kombiniert mit Schreibtischen, Regalen und Sideboards unserer Marke Bosse bieten wir unseren Kunden aktuell auch speziell konzipierte Komplettsets für das Homeoffice, die innerhalb von fünf bis 15 Tagen geliefert werden können.“ Weiterhin führt er aus: „Arbeitsplätze in den Unternehmen werden sich verändern, in Bezug auf Verhaltens­themen (Abstand), Technik (Berührungslosigkeit z. B. Türen) und Ausstattung (Hygiene). Mit unserer Marke Dauphin bieten wir bereits heute Stuhlmodelle mit Armlehnen, Bauteilen und Polsterbezügen aus innovativem MicroSilver BG Material – sowohl für den Industrie- als auch den Büroarbeitsplatz. Diese sind dadurch dauerhaft antimikrobiell wirksam, was Reinigungs- und Desinfektionsabläufe sinnvoll ergänzt.“

Ein wichtiger Impulsgeber sind zudem die Branchenmessen. Die bis dato noch für den Oktober terminierte Orgatec findet ohnehin nur alle zwei Jahre statt. Angesichts der Corona­pandemie steht derzeit jedoch noch in den Sternen, unter welchen Bedingungen und in welcher Form die internationale Plattform stattfinden können wird. Andererseits brauchen Aussteller eine größtmögliche Planungssicherheit für ein solches Invest. So ist die Branche, auch unter Mitwirkung des Industrieverbands IBA, derzeit in Gesprächen mit der Koelnmesse, wie die Orgatec 2020 aussehen könnte. Die Einschätzung von Dr. Jochen Ihring: „Zum Zeitpunkt der Orgatec im Oktober wird die Branche noch nicht wieder in der Boom-Phase sein. Hinzu kommt, dass die Messe durch die Einschränkung der Reisefreiheit der Kunden aus dem Ausland geschwächt sein wird. In vielen Ländern steigen derzeit noch die Infiziertenzahlen. Ob eine Messe in gewohnter Form mit allen Kontakten stattfinden kann, halten wir doch für sehr fraglich, auch in welcher Form das im Oktober überhaupt möglich sein wird. Sicher ist nur: So wie bisher wird es nicht sein! Andererseits ist eine Messe auch immer ein wichtiger Impulsgeber, nach dem Motto: Es geht weiter! Nun gilt es auszuloten, wie die Orgatec unter Beteiligung der Aussteller stattfinden können wird. Eine Absage der Messe halten wir aus aktueller Sicht jedoch für unwahrscheinlich. Wichtig ist für uns als Aussteller, dass die Gespräche der Messegesellschaft mit der Branche bis Anfang Juni eine Entscheidung herbeiführen, damit wir verbindlich planen können.“

Ab sofort stellen wir Ihnen wöchentlich weitere Ideen und Maßnahmen vor, wie Ihre wichtigsten Büroeinrichtungs-Hersteller die Coronakrise und deren Folgen gemeinsam mit ihren Handelspartnern meistern wollen. Mehr denn je werden diese Partnerschaften jetzt auf den Prüfstand gestellt, angefangen bei der Erreichbarkeit der Ansprechpartner, über Lieferperformance und aktuell marktgerechte Sortimente bis hin zur erfolgreichen Kundenansprache.

Perola Müller
Chefredakteurin
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