Intec-Vorstandschef Müller im 'mi'-Interview: schwierige ­Prognosen, Nachholeffekte und eine neue E-Fahrzeug-Garantieversicherung

25.05.2021
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Markus Müller, Vorstandsvorsitzender des Garantieanbieters Intec, äußerte sich in der 'mi'-Ausgabe 10/21, er gehe entsprechend den Erfahrungen des ersten Lockdowns in 2020 nach dieser langen Zeit geschlossener Showrooms von einem deutlichen Nachholbedarf aus. Gerade der Einsatz von Garantien als Verkaufsargument stärke angesichts des Sicherheitsbedürfnisses der Kunden das sich dann bietende Geschäft. Die Zulassungszahlen sind in Relation zu den Corona-­Rückgängen des Vorjahres aktuell natürlich positiv, der große Run blieb bisher allerdings aus. Hat sich Müller vertan? Nicht unbedingt, wie er im Austausch mit 'markt intern' ausführt …

'mi': Wie lief Ihr Garantie-Geschäft in den ersten vier Monaten dieses Jahres unter Pandemiebedingungen, Herr Müller?

M. Müller: „Wir sind mit dem Geschäft in den ersten Monaten dieses Jahres durchaus zufrieden. Im Vorjahresvergleich konnten wir sogar eine Steigerung von über 10 Prozent verzeichnen. Hier kann man natürlich viele Faktoren hinein interpretieren, wie der massivere Lockdown im letzten Jahr, der Nachholbedarf in diesem Jahr und so weiter. Alles in allem ist eine Steigerung der Garantie- und somit Fahrzeugverkäufe in den ersten vier Monaten zum Vorjahr ein durchweg positives Zeichen.“

'mi': Sie sagten zuletzt, dass Sie mit einem Nachholbedarf im Autohandel rechnen und dadurch auch das Garantiegeschäft angeheizt sehen. Aktuell mangelt es aber an Gebrauchtwagen, was zwar die Preise steigen lässt und bei den Händlern dadurch ggf. zu Umsatzausgleich führen kann, aber nicht zu mehr vermittelten Garantien führt. Inwiefern denken Sie, an ­Ihren Aussagen festhalten zu können, dass wir einen ähnlichen Nachholeffekt wie im Vorjahr sehen werden?

M. Müller: „Ein Nachholeffekt ist von der Größe her schwer messbar, aber er öffnet definitiv Chancen. Wir waren in den vergangenen Monaten sehr fleißig und haben viel in Marketing, PR-Maßnahmen und Produktentwicklung gesteckt. Dadurch konnten wir viele Neukunden gewinnen und unsere Produkte attraktiver gestalten. Bei meiner Prognose zum Nachholbedarf bin ich unter anderem davon ausgegangen, dass die Maßnahmen zur dritten Welle bereits im März weitgehender aufgeweicht würden. Dies ist ja bekanntlich nicht eingetreten. Eine Absatzsteigerung bei unseren Bestandskunden konnten wir trotzdem bereits in den Monaten März und April feststellen, ja, trotz der bis dato bestehenden weitreichenden Einschränkungen. Man kann somit von einem gedämpften Nachholbedarf sprechen.“

'mi': Wann wird dieser Nachholeffekt Ihrer Ansicht nach deutlicher durchschlagen?

M. Müller: „Einen deutlich spürbaren Effekt werden wir erst nach tatsächlichen Öffnungen im Handel merken. Durch die momentane Ungewissheit ist eine Prognose dazu einfach nicht möglich. Klar wird nun über Öffnungsszenarien gesprochen und die Inzidenzwerte gehen langsam wieder runter, auch, weil nun ja bald die Hälfte der Bevölkerung geimpft ist. Aber was bewirken dann die neuen Öffnungsschritte? Gehen die Werte dann wieder hoch? Ich bin weder Virologe noch Pandemieexperte und kann daher diese wichtigen Parameter nicht bestimmen. Am wahrscheinlichsten sehe ich eine Beschleunigung des Nachholbedarfs in der zweiten Jahreshälfte. Natürlich abhängig von der Dauer der momentanen Beschränkungen. Ein schlagartiger Anstieg im Gebrauchtfahrzeughandel ist möglich, aber aktuell eher unwahrscheinlich.“

Markus Müller
© Intec
Markus Müller

„Pauschal zu behaupten, dass bei weniger verkauften Neufahrzeugen gleichzeitig der Gebrauchtfahrzeughandel linear einbricht, ist, denke ich, falsch. Eine Auswirkung wird aber definitiv merkbar sein.“

'mi': Könnte dem Nachholeffekt nicht der Mangel an Halbleitern entgegenstehen? Selbst wenn der Bedarf an Neuwagen groß sein sollte – bei zu wenig Ware, können Neuwagen nicht verkauft und damit Gebrauchte nicht in Zahlung genommen werden, oder?

M. Müller: „Pauschal zu behaupten, dass bei weniger ­verkauften Neufahrzeugen gleichzeitig der Gebrauchtfahrzeughandel linear einbricht, ist, denke ich, falsch. Eine Auswirkung wird aber definitiv merkbar sein. Ich bin jedoch überzeugt davon, dass eine ausreichende Verfügbarkeit an Gebrauchtfahrzeugen auf den Plätzen der Händler steht. Die Nachfrage wird den Absatz bestimmen und die ist entsprechend dem Nachholbedarf vorhanden.“

'mi': Trotz aller Pandemiemüdigkeit: Als vorausschauendes Unternehmen müssen Sie auch an die Zukunft denken. Haben Sie neue Produkte, an denen auch der Handel partizipieren kann?

M. Müller: „Gute Frage! Selbstverständlich wird unsere 'Produkteküche' nie kalt und es stehen in den nächsten Monaten sehr interessante neue Produkte an. Dabei handelt es sich um Leistungen, die unser Gesamtangebot abrunden und für den Handel nützliche Verkaufswerkzeuge sein werden.“

'mi': Etwas konkreter: Wie reagieren Sie auf den zunehmenden Markt an Elektroautos? Haben Sie da was in ­petto?

M. Müller: „Auch darauf haben wir uns eingestellt: So ist unsere reine E-Fahrzeug-Garantieversicherung ganz neu. Die ist gerade online gegangen. Das Pendant als carGO!-Reparaturkostenversicherung folgt zeitnah. Die Garantie enthält alle relevanten Bauteile eines E-Fahrzeugs (außer Akku) und ist gerade aufgrund der immens wachsenden E-Fahrzeug-­Absätze der vergangenen Monate überfällig. Wir bieten zwei Tarife an 'E-Premium' und 'E-PremiumPlus' zu sehr attraktiven ­Preisen. Das ist noch nicht alles, wir haben weitere Neuerungen für das dritte und vierte Quartal geplant.“

Martin Brandt M.A.
Chefredakteur
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