Wer sich für Todesanzeigen interessiert

04.12.2018
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Immer wieder kommt es vor, dass während einer Beerdigung Einbrüche in das Haus der trauernden Familie verübt werden. Ganoven verschaffen sich die hierzu erforderlichen Informationen aus den Todesanzeigen der Tageszeitungen. Doch nicht nur dieser Personenkreis studiert solche Inserate aus 'beruflichen Gründen'. Auch das Finanzamt hat ein weitergehendes Interesse an den Traueranzeigen. Diese Erfahrung musste ein Trauerredner aus Schleswig-Holstein unlängst machen. Er wurde aufgefordert genau anzugeben, wie sich seine Einnahmen des Jahres 2017 zusammensetzen und gebeten, dem Finanzamt einen Ausdruck seiner Einnahmekonten vorzulegen. Sowohl der Trauerredner als auch sein Berater ahnten nichts Gutes. Anhand des Terminkalenders und des korrekt geführten Fahrtenbuchs wurde die Vollständigkeit der Einnahmen überprüft. In der Tat fehlten mehrere kleinere Beträge, die der Trauerredner in bar vereinnahmt hatte. Diese wurden im Rahmen einer Selbstanzeige nacherklärt. Im Zuge des weiteren Verfahrens, bei dem es noch verschiedene Rückfragen seitens des Finanzamts gab, stellte sich heraus, dass die Beamten mehr als ein Jahr lang alle Traueranzeigen der örtlichen Tageszeitung gesichtet hatten. Besonderes Interesse galt jedoch nicht der eigentlichen Todesanzeige, sondern den Danksagungen, mit denen sich Hinterbliebene auch bei Bestattungsinstituten, Ärzten, Pflegediensten aber eben auch bei Trauerrednern bedanken. Da diese — ähnlich wie Bestatter — einen örtlich begrenzten Betätigungskreis haben, geben die Anzeigen in der lokalen Presse durchaus einen Großteil der Kunden wieder. ­Zumindest kann das Finanzamt mit solchen Angaben ­zuverlässige Stichproben zum Beispiel über einen Zeitraum von einigen Monaten durchführen und fehlende Einnahmen zum Anlass für Zuschät­zungen nehmen. Somit liefert auch dieses 'analoge Medium' der Behörde wichtige Informationen und nicht nur das Internet, dessen Verkaufsplattformen und soziale Medien ebenfalls regelmäßig von Spezialisten der Finanzverwaltung ausgespäht werden. Allerdings hilft es den Finanzbeamten ungemein, dass viele ­Tageszeitungen einen Internetauftritt besitzen, bei dem auch ­Familienanzeigen über einen längeren Zeitraum und ohne entsprechendes Abonnement einsehbar sind.

StB Günter J. Stolz
Chefredakteur
Dipl.-Kfm. Karl-Heinz Klein
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