Ausbildung von Steuerfachangestellten

09.04.2019
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Unserem Berufsstand wird in Zukunft ein höheres Engagement im Bereich der Ausbildung abverlangt. Dies ist zumindest das erste Ergebnis unserer Recherchen zur Ausbildungssituation der Steuerfachangestellten. Wir haben dazu jede der 21 Steuerberaterkammern um entsprechende Auskünfte gebeten. So wurde durch uns nach der Anzahl der Mitglieder, der Kanzleien und deren Mitarbeiter gefragt und wir wollten wissen, wie viele Auszubildende es in den letzten beiden Jahren gab und wie viele davon ihre Prüfung erfolgreich abgeschlossen haben. Ferner haben wir uns nach der Höhe der vorgeschlagenen Ausbildungsvergütung erkundigt. Leider haben nur 16 Kammern geantwortet. Die Kammer in Kiel hat zwar geantwortet, aber keine Angaben übermittelt und auf die Bundessteuerberaterkammer verwiesen. Die Kammer in Magdeburg ließ uns wissen, dass die Angaben zu den Auszubildenden entweder nicht vorliegen oder nicht zur Veröffentlichung geeignet seien. Fünf Kammern haben nicht geantwortet.

Laut der Berufsstatistik 2018 der Bundessteuerberaterkammer gab es zum Stichtag 1.1.2019 insgesamt 55.205 Steuerberaterpraxen, davon 38.202 Einzelpraxen, 6.818 berufliche Zusammenschlüsse und 10.185 Steuerberatungs­gesellschaften (siehe 'steuerberater intern' 07/19). Nach Angaben der Bundessteuerberaterkammer waren zum 31.12.2018 insgesamt 21.408 Auszubildende und Umschüler registriert. Das Engagement im Bereich der Ausbildung scheint jedoch sehr unterschiedlich zu sein. Im ­Bezirk der Rostocker Kammer gibt es bei 874 Mitgliedern 422 Auszubildende, was einem Verhältnis von rund 0,5 entspricht. Dagegen gibt es in Stuttgart bei 8.442 Mitgliedern nur 1.001 Ausbildungsverhältnisse (Faktor 0,12). Eine bundesweite Erhebung der Mitarbeiteranzahl in allen Kanzleien und deren Altersstruktur scheint jedoch zu fehlen. Hierdurch lässt sich der zukünftige Fachkräftebedarf nur schwer beziffern. Lediglich die Kammer in Rostock konnte aufgrund eigener Erhebungen die Beschäftigten ­ihrer Mitglieder beziffern. Nur konkrete Erhebungen zur Anzahl und Struktur der Angestellten lassen zuverlässige Prognosen zu, wie viele Fachangestellte in den nächsten Jahren altersbedingt ausscheiden und durch erfahrene und eingearbeitete Fachkräfte zu ersetzen sind. Zu berücksichtigen ist hierbei auch, dass leider nicht alle frisch ausgebildeten Steuerfachangestellten dem Berufsstand zur Verfügung stehen. Teilweise streben diese ein Studium an oder werden in andere Branchen abgeworben, teilweise sogar von der Finanzverwaltung.

Unklar ist, warum viele Kanzleien keine Ausbildungs­plätze zur Verfügung stellen. Dies kann unterschiedliche Gründe haben. Teilweise sind es schlichtweg fehlende räumliche oder personelle Kapazitäten. Hiervon dürften ganz kleine Kanzleien betroffen sein. Der Geschäftsführer einer Kammer machte jedoch am Redaktionstelefon seinem Ärger Luft und beklagte sich darüber, dass viele große Kanzleien nicht oder kaum ausbilden, aber dann kleineren Kanzleien über die Vergütung Personal abspenstig machen. Mit intensiven Erhebungen müsste festgestellt ­werden, was Kanzleien daran hindert, Ausbildungsplätze anzubieten und wie dieses Hindernis beseitigt werden kann.

Die uns genannte Ausbildungsvergütung lag zwischen 650 € (Rostock, Erfurt) und 1.000 € (München). In den meisten Kammerbezirken erhalten die Auszubildenden 800 bzw. 850 € im ersten Lehrjahr. Dies ist im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen nicht immer attraktiv. Auszubildende zu Bank-, Versicherungs- oder Industriekaufleuten erhalten in der Regel eine Ausbildungsvergütung von ca. 1.000 €. Je nach Ausbildungsbetrieb kommen noch umfangreiche Sozialleistungen oder attraktive Personalrabatte hinzu. Auch im öffentlichen Dienst werden mittlerweile bedeutend höhere Vergütungen gezahlt. Die Anwärter des mittleren Dienstes der Finanzverwaltung erhalten während ihres zweijährigen Vorbereitungsdienstes Bezüge von bis zu 1.150 € sowie attraktive Reisekostenerstattungen während ihrer Zeit an der Finanzschule und teilweise Weihnachtsgeld. Wer sich für den dreijährigen Vorbereitungsdienst für den gehobenen Dienst einschließlich eines Studiums an der Verwaltungsfachhochschule/Fachhochschule für Finanzen entscheidet, bekommt noch höhere ­Anwärterbezüge und einen qualifizierten Studienabschluss. Zwar steht für Schulabsolventen nicht immer die Höhe der Vergütung bei der Berufswahl im Vordergrund. Langfristig lassen sich jedoch große Lücken in diesem Bereich nicht nur durch flache Hierarchiestrukturen, ein gutes Arbeitsklima oder ­eine wohnortnahe Ausbildung ausgleichen. Eine deutliche Anhebung der Ausbildungsvergütung wird daher zumindest mittelfristig nicht zu umgehen sein. Wir wollen uns auch weiterhin mit der Frage befassen, warum nicht mehr Steuerfachangestellte ausgebildet werden und wie die Situation deutlich verbessert werden kann. Dabei sind wir jedoch auf Ihre Mithilfe und Ihr Feedback angewiesen. Daher bitten wir Sie, sich an unserer Umfrage zur Ausbildungssituation in Steuerkanzleien zu beteiligen unter www.markt-intern.de/steuerberaterumfrage/. Die Daten werden gemäß Redaktionsdatenschutz streng vertraulich behandelt; bei Kommentaren erfolgt eine namentliche Nennung nur mit Einverständnis des Absenders.

StB Günter J. Stolz
Chefredakteur
Dipl.-Kfm. Karl-Heinz Klein
Chefredakteur
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