Droht Ihnen zukünftig ein Finanzierungsengpass wegen Nachhaltigkeitsrisiken Ihres Unternehmens?

23.10.2020
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Mitte Oktober veranstaltete die IHK für MünchenundOberbayern in Kooperation mit dem ifo Institut/München eine Online-Podiumsdiskussion zum Thema 'Sustainable ­Finance: Herausforderung für die Mittelstandsfinanzierung'. Was vergleichsweise spröde und nach reinem Expertenwissen klingt, hat durchaus Konsequenzen für viele, gerade auch kleinere Unternehmen. Vereinfacht gesagt geht es darum, dass inzwischen auf europäischer Ebene Nachhaltigkeits­themen in die Finanzmarktregulierung eingeführt werden. Ein sowohl aus Sicht des ifo-Instituts-Präsidenten Prof. Dr. Clemens Fuest, des Staatssekretärs im Bundesfinanzministerium Dr. Jörg Kukies sowie des CSU-Bundestagsabgeordneten Alexander Radwan falscher Schritt. Nachhaltigkeit sei ein Thema der Umweltpolitik und müsse dort geregelt werden, bekannten sie. Solche Ziele über den Hebel der ­Finanzmarktregulierung durchzusetzen, sei verkehrt. Dagegen wehrte sich Sven Gigold, Europaabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen. Er wies darauf hin, viele Inves­toren und ­Kapitalanlagegesellschaften verlangten klare gesetzliche ­Regelungen, was grüne nachhaltige Anlagen seien.

Dass dies ein klärungsbedürftiger Punkt ist, wollten auch die anderen nicht bestreiten. Er sei aber kein Thema der Finanzmarktregulierung. Die müsse sich ausschließlich um die notwendige Eigenkapitalausstattung der Banken und darum kümmern, wie die Stabilität des Finanzsektors zu gewährleisten ist. Einigen konnten sich die Diskutanten zumindest darauf, die Regelungen müssten proportional ausfallen, sprich je kleiner die Unternehmen des Finanzmarktsektors sind, je geringer das Risiko für das Institut ist, umso weniger Auflagen sollten sie erhalten. Dass dies in der Praxis gelingt, daran zweifelt Radwan aus langjähriger Erfahrung mit der Finanzmarktregulierung ebenso wie IHK-Vizepräsident Hubert ­Johannes Winklhofer, Geschäftsführer der in vierter Generation in Familienbesitzt befindlichen iwis Motorsysteme GmbH & Co. KG. Letzterer wusste auch zu berichten, die Hausbanken seines Unternehmens hätten ihn bereits darauf angesprochen, wie mit dem Thema Nachhaltigkeit im Unternehmen umgegangen werde. Und an der Stelle zeigt sich dann schnell, dass derartige Themen durch diese Hintertür ganz viele Unternehmen erreichen. Wiederum vereinfacht ausgedrückt: Stellt die Bank aufgrund der Finanzmarktregulierung ein Nachhaltigkeitsrisiko ihres Kunden fest, verteuert dies für den Kunden den Kredit bzw. führt im schlimmsten Fall dazu, dass er erst gar keinen Kredit mehr erhält. Umgekehrt droht bei staatlicherseits vorgegebenen richtigen, weil grünen Investitionen eine Finanzblase, da mehr Geld in den Sektor fließt, als er verarbeiten kann.

Falls Sie glauben, dies alles sei noch Zukunftsmusik, müssen wir sie leider enttäuschen. Es gibt seit Dezember 2019 bereits ein Merkblatt der Bundesanstalt für Finanzmarktaufsicht (BaFin) „zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken“. Das Merkblatt verfolgt noch keine konkreten Prüfungsanforderungen“ , weist aber schon darauf hin, „prüfungsrelevante Vor­gaben werden jedoch in Umsetzung europäischer Verordnungen, Richtlinien und Leitlinien auf die beaufsichtigten Unternehmen zukommen“. Was dies wiederum für Kreditnehmer der Banken bedeutet, wird anhand der Definition der Nachhaltigkeitsrisiken im Merkblatt deutlich. Dazu heißt es dort: „Nachhaltigkeitsrisiken im Sinne dieses Merkblatts sind Ereignisse oder Bedingungen aus den Bereichen Umwelt, Soziales oder Unternehmensführung, deren Eintreten tatsächlich oder potenziell negative Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie auf die Reputation eines beaufsichtigten Unternehmens haben können.“

Wir überlassen es Ihrer Fantasie, sich vorzustellen, aufgrund welcher Entscheidungen zur Nachhaltigkeit die ­Reputation Ihres Unternehmens leiden könnte, was wiederum die Reputation der Sie finanzierenden Bank beeinträchtigen könnte. Dann sind nämlich Sie ein Risiko für Ihre Bank. Denn, so das Merkblatt, die beaufsichtigten Banken seien „einem Schadenpotenzial auch unabhängig davon ausgesetzt, dass konkrete Ereignisse eintreten, lediglich aufgrund der Unterhaltung einer Geschäftsbeziehung mit einem Unternehmen, welches möglicherweise einem Nachhaltigkeitsrisiko ausgesetzt ist“. Sodann findet sich in dem Merkblatt die Empfehlung, Positivlisten und Negativlisten zu erstellen, also Listen von Unternehmen, „in die bevorzugt investiert wird“, und solche „in die nicht oder nur noch bis zu einem gewissen Limit investiert wird“. Auf welcher Liste sehen Sie Ihr Unternehmen?

Dr. jur. Frank Schweizer-Nürnberg
Chefredakteur
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