Zalando reagiert auf Mi-Kritik zum Frauenanteil in der Leitungsebene

08.11.2019
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Der Zalando-Vorstand (v. l. n. r.): David Schröder, Jim Freemann, Rubin Ritter, ­Robert Gentz, David Schneider
Foto: Zalando SE
Der Zalando-Vorstand (v. l. n. r.): David Schröder, Jim Freemann, Rubin Ritter, ­Robert Gentz, David Schneider

Erstmals im Mai 2018 hatten wir berichtet, dass der Onlineanbieter Zalando für den Unternehmensvorstand einen „Frauenanteil von Null Prozent“ bis 2022 beschlossen hat. Der Zielwert des Frauenanteils in der ersten Ebene unterhalb des Vorstands wurde vom Aufsichtsrat zugleich von 15 auf 20 Prozent bis zum 30. Juni 2022 erhöht (vgl. Mi 11/18). Mitte Juni hatten wir dann auf die Stellungnahme des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf unsere entsprechende Anfrage, wie dies dort beurteilt wird, hingewiesen. Das Ministerium hatte uns mitgeteilt, nach derzeitiger Rechtslage sei „die Fest­legung der Zielgröße null Prozent zulässig. Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, dass die Unternehmen verpflichtet werden sollen, die Festlegung der Zielgröße null Prozent zu begründen, und dass ein Verstoß gegen die Begründungspflicht entsprechend den Bestimmungen des § 335 Handelsgesetzbuch sanktioniert werden soll“ (vgl. Mi 13/18). Losgelöst von geplanten gesetzgeberischen Maßnahmen hat Zalando inzwischen auf die Mi-Kritik reagiert.

Am 15. Oktober haben die Berliner verkündet: „Bis Ende 2023 strebt das Unternehmen ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen auf den sechs obersten Führungs­ebenen des Unternehmens an, dazu gehören auch der Aufsichtsrat und der Vorstand. Die neue Zielvorgabe, die so auch im Geschäftsbericht festgehalten wird, ist ein 40/60/*-Korridor. Dieser sieht vor, dass der Anteil von Männern und Frauen auf der jeweiligen Ebene zwischen 40 % und 60 % liegen soll. Durch den Stern (*) werden nichtbinäre Geschlechter in die Zielvorgabe mit einbezogen.“ Zalando-Vorstand Rubin Ritter wird sodann so zitiert: „In den letzten elf Jahren lag unser Fokus klar auf der Etablierung und dem Wachstum unseres Geschäfts und wir haben nicht genug Anstrengungen unternommen, um dem entstandenen strukturellen Ungleichgewicht entgegenzuwirken. Uns ist bewusst, dass es unseren Führungsteams an Diversität fehlt, und wir arbeiten intensiv daran, das zu ändern.“

Da sind wir dann mal gespannt, welche Vorstände bis 2023 gehen müssen, um Frauen Platz zu machen, oder ob die fünf Herren durch mindestens zwei Damen ergänzt werden. Glaubt man Zalando, wird die Maßnahme sich jedenfalls positiv aufs Geschäft auswirken. „Vielfalt auf allen Unternehmensebenen“, zitiert das Unternehmen seine Aufsichtsratsvorsitzende Cristina Stenbeck, „führt zu besseren Entscheidungen, fördert eine kreative Kultur und steigert im besten Fall die Gesamtleistung. Ich bin davon überzeugt, dass diverse Teams eher dazu in der Lage sind, einzigartige Produkte und relevante Erlebnisse für Kunden zu kreieren sowie Wert für Stakeholder zu schaffen.“

Die in der vergangenen Woche vorgelegten Ergebnisse des dritten Quartals und des Jahresverlaufs sehen durchaus ansprechend aus. Im dritten Quartal legten die Berliner beim Umsatz mit 1,5 Milliarden Euro erneut deutlich zu (+26,7 Prozent). Im Jahresverlauf kletterte der Umsatz auf 4,5 Milliarden Euro (+20,7 Prozent). Auch das bereinigte EBIT hat sich deutlich verbessert und erreicht im Jahresverlauf 114,5 Millionen Euro. Vor Steuern steht ein Ergebnis von 46,5 Millionen Euro zu Buche. Das Management hält für das Gesamtjahr an seinem Ausblick fest, den Umsatz zwischen 20 und 25 Prozent steigern und ein bereinigtes EBIT „in der oberen Hälfte der Spanne von 175 und 225 Millionen Euro“ erreichen zu wollen. Zum Vergleich: Bei der Bilanzvorlage 2017 hatte Zalando als Ziel bis 2020 ausgegeben, die Umsätze auf neun Milliarden Euro zu verdoppeln (vgl. Mi 11/18). Bei der Bilanzvorlage 2018 wurden 20 Milliarden Euro als Ziel für den Gesamtumsatz bis 2023/2024 genannt (vgl. Mi 06/19).

Dr. jur. Frank Schweizer-Nürnberg
Chefredakteur
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