Wie erfolgreich wirtschaftet Zalando?

14.03.2019
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Geschäftsbericht 2018
© Zalando
Geschäftsbericht 2018

Am 28. Februar veröffentlichte Zalando die Zahlen des ­vierten Quartals sowie des Gesamtjahres 2018. Würde man allein der Börsenkursentwicklung folgen, müssten es überragende ­Zahlen gewesen sein. Immerhin kletterte der ­Aktienkurs im Verlauf jenes Tages um sagenhafte 22,65 Prozent auf 32,11 Euro. Es war allerdings noch nie ein guter Tipp, allein Aktienkursentwicklungen zum Maßstab ­einer Unternehmensbewertung zu machen. So muss der Kurssprung zunächst einmal vor dem Hintergrund gesehen werden, dass Zalando 2018 zuvor eine Talfahrt sondergleichen hingelegt hatte. Die Zalando-Aktie stand zu Jahresbeginn 2018 bei 44,46 Euro, stieg bis zum 10. Juli auf ihr Allzeithoch von 49,87 Euro, um dann bis Jahresende (28.12.2018) auf 22,44 Euro zu fallen (–49,1 Prozent). Das relativiert den Anstieg schon ­einmal. Eigent­licher Auslöser für den sprunghaften Anstieg dürften wohl die Zahlen für das vierte Quartal gewesen sein, die deutlich besser ausgefallen sind als die der vorherigen Quartale (und die Erwartung der Börsianer). Letztlich sollte die Bewertung des Geschäftsmodells Zalando aber das Gesamtjahr zum Maßstab nehmen, denn es ist eher unwahrscheinlich, dass 2019 alle vier Quartale so verlaufen werden wie das vierte Quartal 2018.Schaut man sich die Bilanz 2018 an, so fällt auf, dass die Berliner zwar erneut den Umsatz deutlich gesteigert haben, um 20 Prozent auf 5,387 Milliarden Euro, aber die Margen sinken. Das EBIT ging um beachtliche 26,5 Prozent auf 119,2 Millionen Euro zurück, was dann einer doch eher ­bescheidenen Umsatzrendite von 2,2 Prozent entspricht. Dies erklärt sich zum einen durch die stetigen Rabattaktionen, die im Ergebnis zu einem geringeren Warenkorb pro Besteller führen, und zum anderen durch die steigenden „Fullfillment­kosten“. Dahinter verbergen sich im Wesentlichen die Logis­tik­kosten. Die nehmen naturgemäß zu, je mehr Lieferungen für den gleichen Warenwert gemacht werden müssen (von sonstigen Faktoren in diesem Bereich mal abgesehen). 2018 machten sie 27,9 Prozent des Umsatzes aus.

Zalando gibt sich gleichwohl optimistisch, die Delle des Vorjahres in diesem Jahr wieder ausbügeln zu können. Zum Teil beruht diese Erwartung auf einer systematisch betriebenen Änderung des Geschäftsmodells. Die Berliner setzen mehr und mehr darauf, dass Dritte, Hersteller, aber auch Einzelhändler, die Zalando-Plattform für das eigene Geschäft nutzen (Partnerprogramme). Dies hängt mit der Marktentwicklung zusammen, dass Mode­interes­sierte Zalando nicht nur als Einkaufsquelle, sondern quasi als Suchmaschine ­benutzen. Wer also von Onlinekäufern gefunden werden will, muss auf der 'Suchmaschine' Za­lando vertreten sein. Unter diesem Aspekt ist auch die Ausweitung der Warengruppe auf den Bereich Beauty zu sehen. Inklusive der Partnerumsätze kam Zalando 2018 auf einen Umsatz von 6,6 Milliarden Euro. Der Anteil der Partnerumsätze auf der Plattform soll bis 2023/2024 auf 40 Prozent steigen, bei einem dann geplanten Gesamt­umsatz von 20 Milliarden Euro.

Allerdings bleiben trotz dieser Änderung der Geschäftsphilosophie Risiken, denn Zalando ist, obwohl milliardenschwere Umsätze getätigt werden, vergleichsweise klein. Das bekennen die Berliner in ihrem Geschäftsbericht selbst. Der Marktanteil bei Mode beträgt in Europa gerade einmal 1,6 Prozent. Wie lange Zalando also noch die Suchmaschine für Modeinteressierte bleibt, hängt wohl auch davon ab, ob sich Amazon hier demnächst tummelt oder ob beispiels­weise Alibaba Interesse daran gewinnen könnte. Dann könnte es schnell mit der eigenen Suchmaschinenfunktion vorbei sein. So beeindruckend auf der einen Seite auch Zalandos Zahlen sind, wie vergleichsweise kümmerlich sie im weltweiten Onlinekosmos dastehen, belegt ein Vergleich mit Amazon. Die haben zuletzt 11,2 Milliarden Dollar verdient! Zalando gerade einmal gut 100 Millionen Euro.

Was uns sonst noch im 236 Seiten starken Geschäftsbericht aufgefallen ist? Zalando setzt auf Geschlechtervielfalt und Frauenförderung im Management, aber nur unterhalb des Vorstandes. 25 Prozent Frauen sollen es auf der ersten Ebene darunter werden, 30 Prozent auf der zweiten Ebene. Tatsächlich sind es bisher 11 bzw. 16 Prozent. Der Vorstand bleibt davon ausgenommen. Er besteht aktuell aus drei ­Herren, ­Robert Gentz, Rubin Ritter und David Schneider, und wird im April um zwei weitere Herren aufgestockt, Jim Freeman und David Schröder.

Die Festvergütung der Vorstände ist unverändert bescheiden (rund 200.000 Euro). Darüber können die Herren locker hinwegsehen, ihnen stehen üppige Aktienoptionsprogramme zu. 2018 erhielten sie auf diese Weise jeder 3,5 Millionen Euro. Das Vergütungssystem ist jedoch mit Wirkung zum 1. Dezem­ber 2018 umgestellt worden. Bisher gab's die Bonusaktien unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Da dies den Grundsätzen des Corporate Governance Kodexes widerspricht, ist dies geändert worden. Zukünftig muss ­Zalando erfolgreich sein, damit die Herren ihre Aktienoptionen vergolden können.

Noch bemerkenswerter: Das Festgehalt wird auf 65.000 Euro (jedoch mindest in der Höhe, die eine Befreiung von der gesetzlichen Krankenversicherung erlaubt) plus Sachleistungen in Höhe von jeweils 27.180 Euro herabgesetzt! Dafür sind die Bonusmöglichkeiten ausgeweitet worden.

Der Zeitwert der neu gewährten 5,3 Millionen Optionsrechte beträgt 57,5 Millionen Euro (maximal könnten 170 Millionen Euro erzielt werden). Vorbildlich ist, dass Gentz, Ritter und Schneider auf eine Altersversorgung durch das Unternehmen verzichten. Die Unsitte, dass hochbezahlte Manager sich auch noch ihre Altersversorgung vom Unternehmen bezahlen ­lassen, macht Zalando nicht mit. Und noch ein interessantes Detail lässt sich dem insoweit sehr transparenten Geschäfts­bericht entnehmen: 4.364 Arbeitsverträge (28 Prozent) bei Zalando sind zeitlich befristet, 52 Prozent davon betreffen Männer.

Dr. jur. Frank Schweizer-Nürnberg
Chefredakteur
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