Coronavirus: „Einfach zuhause bleiben geht nicht — behördlich angeordnet schon!“

02.03.2020
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Das Coronavirus macht schon ein wenig Angst, sehr verehrte Damen und Herren. Bestätigte Infektionen in Ihrem Umfeld werden dazu führen, dass Kitas und Schulen vorsorglich geschlossen bleiben. Dürfen symptomfreie Eltern dem Job fernbleiben, quasi aus Selbstschutz? Wie sieht die Situation bei einer Quarantäne aus – z. B. zuhause? Das Coronavirus sorgt auch im Erwerbsleben für Verunsicherung. Die Angst vor dem Erreger führt am Arbeitsplatz u. U. zu Problemen – in erster Linie nicht arbeitsrechtlich. Hier gibt es Regeln. Sondern eher im psychisch-sozialen Bereich. Zwei- bis dreimal am Arbeitsplatz gehustet und dazu eine Ansichtskarte von einem Bekannten, der vor kurzem China bereiste, an der Pinnwand reichen aus, dass die ganze Stimmung im Büro kippt. Hier hilft eine offene Gesprächskultur, also sofort darüber reden, bevor getuschelt wird.

Wer in Quarantäne und berufstätig ist, kann nicht mehr arbeiten gehen. Wie sieht es dann arbeits­rechtlich aus? ­Erhält man weiterhin vom Arbeitgeber sein Gehalt? Ja! Sind Mitarbeiter tatsächlich krank und werden krank­geschrieben, gelten die normalen Regeln für Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Bei vorsorglicher Unterquaran­tänestellung greift das „Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten“. Die Folge: Das Nettogehalt müssen Sie als Arbeitgeber dann weiterhin zahlen, können sich den Betrag aber später von der Behörde zurückholen, welche die Quarantäne angeordnet hat.

Und wie sieht es bei Quarantäne im Homeoffice oder bei Heimarbeitsverträgen aus? Grundsätzlich gilt hier: Wenn man arbeiten kann und die Arbeitsmittel dabeihat, dann muss weitergearbeitet werden. Wer also gerade von einer Geschäftsreise kommt, seinen Laptop und seine Unter­lagen im Gepäck hat und bisher nicht erkrankt ist, muss auch auf der Isolierstation ran. Das gebiete die Treuepflicht zum Arbeitgeber. Ist man hingegen krank oder fehlen Arbeitsmittel oder Maschinen, kann und muss man in Quarantäne nicht tätig werden. Arbeitnehmer, die ohne konkreten Grund eigenmächtig zu Hause bleiben, müssen hingegen damit rechnen, dass Sie als Arbeitgeber eine Abmahnung aussprechen. Mit reiner Vorsicht oder Angst kann das Fernbleiben nicht begründet werden, solange es nicht krankhaft ist.

Können Arbeitnehmer von Ihnen als Arbeitgeber Schutzkleidung bzw. einen Mundschutz verlangen? Hier ist die Antwort: „Es kommt darauf an.“ Grundsätzlich müssen Sie Ihre Beschäftigten im Job vor ernsthaften körperlichen ­Bedrohungen bewahren. Wer beispielsweise im Rettungsdienst arbeitet, kann zweifelsohne eine Atemschutzmaske verlangen. Bei Verkäufern, Kellnern oder Versicherungsvertretern sieht es da schon anders aus. Sind diese im Job keiner größeren Gefahr durch das Coronavirus ausgesetzt als im Privatleben, müssen Arbeitgeber keine Schutzkleidung anbieten. Aber Arbeitnehmern, die Kundenkontakt haben, können Arbeitgeber das Tragen einer Schutzmaske nur schwerlich verbieten. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Sind beispielsweise Kitas geschlossen, können Alleinerziehende bei vollem Gehalt ausnahmsweise zuhause bleiben, wenn es keine andere zumutbare Unterbringungsmöglichkeit für die Kleinen gibt. So ist es im BGB geregelt. Sind dagegen in einer Familie beide Elternteile berufs­tätig, sollte man sich evtl. untereinander absprechen und ggf. die Arbeitgeber in die Überlegungen mit einbinden. Nicht selten wird dann auch als Ausnahme gestattet, den Sprößling mit an den Arbeitsplatz zu nehmen.

Dr. Claudia Ossola-Haring
Chefredakteurin
Peter Vogt
Chefredakteur

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