Kundenströme bei Discountern und Drogeriemärkten entzerren und Ungleichbehandlung aufdecken — unser offener Brief hilft Ihnen

06.05.2021
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„Die Parfümerie ist im Verhältnis zur Drogerie so etwas wie das Feinkostgeschäft für den Lebensmittelhandel. Ich verstehe nicht, warum sich die Parfümerie nicht als Feinkost-Abteilung unter den Drogerien definiert. Im Lebensmittelhandel dürfen Feinkost-Geschäfte doch auch offen halten. Unabhängig davon muss man sagen, dass bei der Definition systemrelevanter Sortimente eine große Willkür zu beobachten ist und es wirklich nicht mehr nachzuvollziehen ist, warum Müller Spielsachen und Aldi Sport­artikel verkaufen darf. Zudem ist es eine große Schwachstelle, dass in den Discountern nicht kontrolliert wird, wie hoch die Besucherzahl ist. Wer dort die Schlangen sieht, fragt sich teilweise schon, wie es dort um die Sicherheit bestellt ist.“

Reinhard D. Wolf, Parfümerie Wolf/Bielefeld, sieht gleich mehrere Aspekte der Social-Distancing-Maßnahmen, durch die der inhabergeführte Fachhandel gegenüber Lebens­mittel-­Discountern und Drogeriemarkt-Ketten be­nach­teiligt wird. Von Normalität für Familienbetriebe wird trotz zunehmender Impf-Erfolge noch auf unabsehbare Zeit nicht die Rede sein können, auch da sie lange nicht über so einflussreiche Lobbyisten wie Discounter wie Aldi, Lidl oder Drogeriemarkt-Ketten wie Rossmann, Müller oder dm verfügen.

Brief von Christian Klotz an u. a. MdB Peter ­Ramsauer (Auszug):

„Söder und die Regierung haben seit März 2020 alles getan, um mittelständische Unternehmen wie Fachgeschäfte, Gastronomiebetriebe und Hotels rücksichtslos zu vernichten. Aber die fünf großen Konzerne werden einseitig gefördert. Diese verzeichnen 25 % Umsatzsteigerung und verkaufen alle Sortimente der Innenstadt.“

Politisch Verantwortliche entscheiden seit Beginn der Pandemie stets zugunsten angeblicher Lebensmittelmärkte. Warum angeblich? Weil deren Anteil an anderen innenstadtrelevanten Sortimenten in den letzten Jahren ständig erhöht wird. Zu denjenigen, die Politiker über die Ungleichbehandlung von Familienbetrieben sowie die besondere Sonderbehandlung von Handelsketten persönlich aufklärt, gehört Christian Klotz. Der Inhaber von Fachgeschäften, in der Branche manchen noch durch die damalige Parfümerie Klotz bekannt, ist seit Jahren im Stadtmarketing aktiv und hat dabei jede Menge Erfahrungen in der Kommunalpolitik gesammelt. In einem weiteren Brief klärte er Bernhard Kern, Landrat des Berchtesgadener Landes, auf. Christian Klotz an den Landrat:

Offener Brief von Modehaus Blum-Jundt/­Emmendingen (Auszug):

Die Menschen haben uns verstanden.

Das bundesweite Echo der Medien und Social-media-Rückmeldungen, Telefonate, Gespräche mit Kunden im Modehaus Blum-Jundt bestätigen dies in überwältigender Form.

Hierfür DANKEN wir allen für ihre positiven Rückmeldungen. Dies hat uns in der schwierigen Situation, in der wir uns befinden, sehr gut getan.

Die Aktion 'Klopapier-Flagship-Store' hat seine Wirkung erreicht: Aufmerksamkeit auf die Lage von Geschäften unserer Art in den Innenstädten und deren Ungleichbehandlung! Wir sind nach allem, was man weiß, nicht die Infektionstreiber.

Die Politik hat nichts verstanden.

„Die fünf großen Konzerne bzw. Discounter dürfen alles verkaufen und rüsten gewaltig ihre Innenstadt-Sortimente auf. In den kleinen Fachgeschäften stapelt sich die Ware und darf nicht verkauft werden. In den großen Märkten – autogerecht mit gratis Parkplätzen – stehen jeden Tag tausende von Kunden an der Kasse. Das bewerte ich als höchste Infektionsgefahr. Kleine Fachgeschäfte dürfen nur ein bis zwei Kunden pro Stunde bedienen. Von Fachhändlern geht kein Infektionsrisiko aus.“

Über die Aufklärungsarbeit von Zuständigen hinaus setzen Familienbetriebe auf kreative Formen der Öffentlichkeitsarbeit. Dem Ideenreichtum scheinen dabei keine Grenzen gesetzt zu sein. So eröffnete am 19. März in ­Baden-Württemberg der 1. Klopapier-­Flagshipstore. Annette und MarcelJundt, Inhaber des traditionsreichen Modehauses Blum-Jundt/Emmendingen, erweiterten ihr Fachgeschäft für Mode und Wäsche um unter anderem Klopapier und Nudeln. Ausnahmsweise wurden in dieser Angelegenheit die Behörden schnell aktiv – zu Lasten des inhabergeführten Fachhandels, denn ganz schnell mussten mit dem neuen Sortiments-Schwerpunkt 60 % des Umsatzes erzielt werden.

'mi'-Fazit: Es ist wichtig, Flagge zu zeigen. Aufklärungsarbeit hilft Ihnen. Zu dem, was wir leisten, gehören z. B. Pressemitteilungen, Leserbriefe, offene Briefe sowie unsere Anfragen an unterschiedliche Ministerien. Unser Tipp: Rufen auch Sie unseren offenen Brief ab, der in unserem Ressort Sport- und Schuhfachhandel bereits erfolgreich eingesetzt wird. Inhalt: Sie thematisieren die hohen Kundenansammlungen, wenn diese Ihnen z. B. in Aldi- und Lidl-Filialen auffallen, auf öffentlichkeitswirksame Art. Voraussetzung Nr. 1: Sie halten Kundenschlangen auf möglichst drei Fotos zu unterschiedlichen Zeitpunkten fest. Wichtig: Gesichter müssen unkenntlich gemacht werden. Voraussetzung Nr. 2: Sie vertrauen einem Redakteur einer Tages- oder Wochenzeitung, der Ihren Brief veröffentlicht. Positive Verstärkung erhält Ihre Aktion, wenn Sie Ihre Aktivitäten gemeinsam mit Fachgeschäfts-Kollegen aus Ihrem Gewerbeverein oder Ihrer Werbegemeinschaft umsetzen. Senden Sie uns das Stichwort 'PK/Offener Brief an Aldi, Lidl' an [email protected]. Wehren Sie sich gemeinsam mit Ihren Kollegen gegen die Ungleichbehandlung.

Dr. Andreas Leistikow
Chefredakteur
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