Reise-Flaute lässt den Markt für Luxusprodukte einbrechen

23.07.2020
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Die Innenstädte leer, die Luxustouristen zuhause: Europas Edelmodemarken brechen in der Coronakrise die Umsätze weg. Angst vor Ansteckung auf der einen Seite, Maskenpflicht und Social Distancing auf der anderen verhageln manchem Endverbraucher die Freude am Einkauf. Das gilt besonders für Prestige- bzw. Luxus-Produkte, denn hier will der Konsument ein Wohlfühl-Erlebnis, wenn er kauft. Neben kauffreudigen Inländern haben sich vor der Pandemie chinesische, aber auch arabische und russische Touristen als am High-End-Segment interessierte Zielgruppen erwiesen. Dem­entsprechend fatal ist es, dass die Coronakrise den Zustrom insbesondere chinesischer Touristen fast zum Erliegen gebracht hat. Kräftige Einbußen gab es bei Parfums, denn die Chinesen, die nach Deutschland kommen, gelten als kauffreudige und zahlungskräftige Klientel. So manche Parfümerie – nicht nur in einer Großstadtlage – hat den Umsatz schmerzlich vermisst, den die Asiaten brachten. Das Budget, das international Reisende in Deutschland ausgeben, bewegt sich normalerweise bei 2 bis 3 Mrd. Euro – kein Pappenstiel, von dem sich auch die Luxuskosmetik ihren Teil gesichert hat.

An der Wichtigkeit der Zielgruppe hat sich prinzipiell nichts geändert. Im aktuellen Thesenpapier 'Chinesische Reisende als bleibende Kundinnen im deutschen Einzelhandel' zeigen ECC Köln und VR Payment, wie rasant der Tourismus aus Fernost an Relevanz gewinnt und wie der deutsche Einzelhandel davon profitieren kann. Auf Basis aktueller Studienergebnisse und weitreichender Diskussionen mit Handelsvertretern und China-Experten werden darin konkrete Maßnahmen zur Gewinnung und Bindung chinesischer Kunden skizziert. Dabei wird deutlich: Auch wenn der internationale Reiseverkehr durch die Corona-Pandemie im Moment zu wünschen übrig lässt, sollten sich Händler durchaus schon heute auf die Bedürfnisse dieser kaufkräftigen Kunden­gruppe einstellen.

„Die Anzahl chinesischer Touristen wird weiterhin rasant zunehmen. Einzelhändler, die das Potenzial dieser Kundengruppe erkennen und sich darauf entsprechend vorbereiten, haben ganz klar einen Vorteil“, schlussfolgert Dr. Kai Hudetz, Geschäftsführer IFH Köln und Gründer des ECC Köln. „Digitale Bezahl- und Ökosysteme spielen in China eine viel bedeutendere Rolle als hierzulande. So können selbst kleine Händler chinesische Touristen über die zentralen Plattformen Alipay und WeChat ansprechen und gezielt in ihr Geschäft führen – wenn sie diese Plattformen für sich zu nutzen wissen“ , sagt Carlos Gómez-Sáez, CEO von VR Payment.

Deutschland ist heute bereits das beliebteste europäische Reiseland für Chinesen. Laut der Deutschen Zentrale für Tourismus e. V. werden 2030 rund 5 Mio. Übernachtungen von chinesischen Touristen erwartet. Das ist ein Anstieg von rund 67 % im Vergleich zu 2018. Gleichzeitig machen es die kulturellen Unterschiede dem deutschen Handel oft nicht einfach, die Bedürfnisse der Kundengruppe aus China zu erkennen und zu erfüllen.

Die Ergebnisse des Thesenpapiers zeigen: Um chinesische Touristen in deutschen Geschäften willkommen zu heißen, ist die Akzeptanz chinesischer mobiler Zahlungsverfahren wie Alipay oder WeChat Pay entscheidend. Zudem sind deutsche Händler gefordert, neue Wege zu gehen, um online Sichtbarkeit bei chinesischen Kunden zu erlangen. Beliebte Plattformen sind hier Dianping.com oder Ctrip.com. Darüber hinaus bietet der grenzüberschreitende Online­handel nach China ein großes Marktpotenzial. Um Waren aus dem Ausland online zu bestellen, nutzen chinesische Konsumenten am liebsten E-Commerce-Plattformen wie Kaola.com oder Tmall.com, aber auch WeChat Stores. Für den deutschen Einzelhandel gilt es, diese Marktpotenziale on- und offline zu nutzen.

'mi'-Fazit: International Reisende können für den Parfümerie-­Fachhandel wieder zu einer wichtigen Kundengruppe werden, wenn sie zielgerichtet angesprochen werden. Obwohl derzeit in den Großstädten Frankfurt, München und Berlin eher Flaute herrscht, was die Präsenz asiatischer Touristen anbelangt, heißt es, für bessere Zeiten gerüstet zu sein. Zudem spielt das Internet in den Zeiten der Pandemie noch einmal eine wichtiger Rolle, um die online-affine Zielgruppe anzusprechen. Wer sich auf chinesische Käufer spezialisiert, kommt nicht darum herum, auf den einschlägigen Plattformen präsent zu sein. Wie sind Ihre Erfahrungen mit internationalen Zielgruppen wie Chinesen, Russen oder Arabern? Berichten Sie uns, gerne an [email protected] oder Tel.: 0211 6698-150.

Dr. Andreas Leistikow
Chefredakteur
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