Einzelhandel hoch, Parfümerie-Branche runter?

10.01.2019
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2018 meldet der deutsche Einzelhandel zum neunten Mal in Folge eine Umsatzsteigerung. Das Statistische Bundesamt geht von einem Wachstum zwischen 3,1 und 3,3 % im Vergleich zu 2017 aus. Es ist eine Schätzung, da die Daten auf Basis der ersten elf Monate erhoben wurden. 2017 lag das Plus bei 4,3 %, 2016 bei 2,9 %. Preisbereinigt betrug das Wachstum im vergangenen Jahr voraussichtlich knapp 1,5 %. Das ist zwar kein üppiges Wachstum, aber einen Umsatzrückgang gab es zuletzt im Krisenjahr 2009, als die weltweite Finanzkrise auf die Kauflaune durchschlug. Höhere Einkommen und die Rekordbeschäftigung beflügeln derzeit den privaten Konsum. Die Löhne steigen aufgrund guter Tarifabschlüsse schneller als die Preise, was die Kaufkraft vieler Verbraucher stärkte. Zudem erreichte die Zahl der Beschäftigten mit 44,8 Millionen ein Rekordhoch. In der Parfümerie-Branche sieht es dagegen gar nicht gut aus. Zwar liegen noch keine offiziellen Zahlen vor, aber auch das Weihnachtsgeschäft hat vielfach nicht die erhoffte Befreiung gebracht. Branchen-Experten gehen daher mindestens von einem Umsatz-Minus von 2 % aus – und das trotz der auch in diesem Jahr wieder erfolgten Preiserhöhungen. Es besteht durchaus ein Zusammenhang zwischen Preismarketing und einer nicht zufriedenstellenden Umsatzentwicklung. Lesen Sie dazu auch im Kasten die heutige Kolumne von Frank Schnitzler. Die Zahlen für den November sehen Sie im Kasten unten links.

Frank Schnitzler
Frank Schnitzler

Schnitzlers Kolumne — Luxusfeeling statt Tiefpreis „Unsere Parfümeriebranche hat gegenüber früheren Zeiten einige neue Probleme, wie z. B. die permanenten Rabatt-­Orgien. Es stimmt, dass der deutsche Verbraucher ein Schnäppchenjäger ist. In absoluter Zahl sollen es ca. 20 % sein. Doch er wird ja dazu gebracht. Hier haben Hersteller auch Fehler gemacht, indem diese zu große Mengen produzieren und in den Markt drückten. Das erinnert an die Gier der Banken. Hier sage ich: Vorsicht! Denn ein ständig rabattierter Preis verliert an Bedeutung, an Seriosität und Strahlkraft. Will ein Kunde ein Verwöhnungsprodukt grundsätzlich dauerhaft zum Tiefst­preis haben? Bei Lebensmitteln sage ich ja, bei Kosmetikprodukten sage ich klar: NEIN! Viele schon heute im Dauertiefpreis angebotene ­Produkte werden sehr bald den Markt verlassen. Dass sich hier immer mehr Eigenmarken mit bester Qualität und guter Marge für den Händler lohnen, ist eine logische Folgerung. Die von deutschen Marktführern neuerdings meisterhaft in Szene gesetzte Werbung, oftmals ohne Produkte, zeigt einen richtigen Weg in die Zukunft. Der vergessene Totalservice an Kunden mit Luxusfeeling und Wohlfühlatmosphäre bringt auch die Kunden wieder in die Geschäfte, bei denen der Preis nicht an erster Stelle der Kauf­entscheidung steht. Davon gibt es viele, ich weiß, wovon ich spreche. Es gibt so viele Produkte, die Qualität und zufriedenstellenden Preis bedienen. Sicherlich wird es weiterhin Rabattaktionen geben müssen. Allerdings sollten hier intelligentere Wege beschritten werden. Das macht etwas mehr organisatorische Arbeit, wird aber vom Kunden dauerhaft mit Kauftreue belohnt. Denn der Weg zu einem höheren Durchschnittsbon pro Kunde ist mir aus Erfahrung gut bekannt. Lassen Sie uns jetzt gemeinsam überlegen, wie wir wieder mehr Kunden in unsere Geschäfte bringen.“

Dr. Andreas Leistikow
Chefredakteur
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