Beispielloses Engagement eines Sport-Fachhändlers — und ein Mutmacher-Beispiel für alle Betroffenen der Flutkatastrophe

20.09.2021
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Seit der Flutkatastrophe am 14. Juli 2021, von der auch eine Reihe von Familienbetrieben aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen massiv betroffen sind, wurde und wird viel geholfen und gespendet. Eine außergewöhnliche Form des Spendensammelns hat Edzard Wirtjes, Inhaber von Spaß mit Sport/Leer, umgesetzt. In Zusammenarbeit mit der United Offshore Support GmbH/Leer, einem Logistik-Unternehmen der Windkraftbranche, sowie mit seinen Kollegen aus der Gruppe Lex – die Laufexperten organisierte er eine Fahrt mit einem auffälligen Fahrrad: Einem Velomobil, Aufschrift: Unterwegs von Leer nach Altenahr.

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Bereits vor dem Start war der Spendentopf mit großen Einzelspenden prall gefüllt. Am 6. August 2021 fuhr Edzard Wirtjes mit seinem Velomobil los. Die Strecke: Leer, Bochum, Köln und das Ziel: Altenahr. Länge: Fast 400 Kilometer. Ergebnis der Sammelaktion: Über 40.000 Euro. Die übergab der aktive Sport-Fachhändler am Sonntag, den 8. August 2021, an den stellvertretenden Bürgermeister ­Stephan Knieps der von der Flutkatastrophe massiv betroffenen Stadt Altenahr.

Für Edzard Wirtjes ist das Ziel der Aktion wichtig: „Dass spontan Menschen an der Strecke gespendet haben, hat mich sehr gefreut. Ich hatte ein mobiles Kartenzahlungsgerät dabei. Vor dem Zielort Altenahr bin ich auch in der Nähe der ebenfalls stark von der Flutkatastrophe betroffenen Städte Rheinbach und Euskirchen gewesen. Die Eindrücke, die man sieht, wenn alles kaputt ist, das war in Altenahr schon sehr schlimm. Geschäftslokale waren als solche nicht mehr erkennbar. Wir müssen uns dies vorstellen: Alle Familienbetriebe haben in der Zeit der Zwangsschließungen hart bzw. teilweise um ihre Existenz gekämpft. Die Fachhändler, die von der Flutkatastrophe betroffen sind, haben dieses Schicksal noch zusätzlich erfahren müssen.

Unser Ziel ist jedoch: Wir wollen Mut machen. Und ich möchte alle Fachhändler bzw. Gewerbetreibenden in den Flutkatastrophen-Gebieten ermuntern: Macht weiter, organisiert Euch und bereitet zusammen mit den Zuständigen einen Neuanfang vor.“

Wirtschaftsförderung Bad Neuenahr-Ahrweiler,
10. September 2021

„Für Einzelhandels-, Gastronomie- und Dienstleistungsbetriebe in Ahrweiler sind im Bereich der Friedrichstraße entlang der Stadtmauer drei Zeltgebäude (je 7,5 x 30 bzw. 50 Meter) sowie sieben Doppelcontainer (ca. 6 x 5 Meter) mit insgesamt bis zu 29 Ladeneinheiten angedacht, die durch vereinzelte Verkaufs- oder Imbisswagen ergänzt werden können. Die jeweiligen Flächen zwischen den Gewerbeeinheiten können zur Aufstellung von Sitzgelegenheiten und als Begegnungsort genutzt werden. Durch denkbare Illuminationen und Dekorationen werden attraktive Aufenthaltsorte geschaffen.“

Wir erfahren von einem ersten Lichtblick in der Region der Flutkatastrophengebiete. In Bad Neuenahr startet eine Zeltstadt. Aus der werden die betroffenen Familienbetriebe Waren an Bewohner verkaufen. Gisela Dieringer und ­Brigitte Gafinen, Inhaber von Schuhhaus Rollmann/Bad Neuenahr, erlitten an beiden Standorten ihrer Fachgeschäfte in Bad Neuenahr einen Totalschaden. Es gibt jedoch Hoffnung. ­Giesela Dieringer am 'mi'-Draht: „Wir werden Ende Oktober eine Verkaufsfläche von ca. 40 m² in der Zeltstadt Bad Neuenahr betreiben. Es wird ein Zelt über zwei Etagen sein mit Toiletten, Security, Gastro-Service usw. Gesamtfläche weiß ich nicht mehr genau, aber ich glaube, über 2.000 m². In Ahrweiler werden Zelte entlang der Stadtmauer entstehen. Es geht also weiter.“

Die Wirtschaftsförderung Bad Neuenahr-Ahrweiler führt hierzu aus: „Für Einzelhandels- und Dienstleistungsbetriebe ist in Bad Neuenahr ein 20 Meter breites und 50 Meter langes, doppelstöckiges Einkaufszentrum mit bis zu 39 Ladeneinheiten auf dem Parkplatz City-Ost (Moses-Parkplatz) angedacht. Ergänzt wird die Pop-Up-Mall um zwei jeweils baugleiche Gastronomie-Zelte in der Größe 12,5 x 20 Meter. Die beiden Zelt-Gebäude lassen sich auf je zwei Etagen in bis zu 16 Gewerbeeinheiten (teilweise mit Terrassenzone im Erd­geschoss) einteilen. Die zwischen den Zelten geschaffene ­Fläche kann als öffentlicher Boulevard genutzt werden, der zum einen als Begegnungsort und zum anderen als Event-­Fläche dienen kann.“

Edzard Wirtjes hierzu und zu seinen Erfahrungen auf seiner Spendensammeltour: „Die Zeltstadt für Gewerbetreibende ist ein wichtiges Signal auch an die Bevölkerung. Ich wünsche mir eine Aufklärung für alle Kunden, die die Leistungen der Familienbetriebe herausstellt. Wir Fachhändler leisten alle viel. Auch die Kollegen aus den Flutkatastrophen-Regionen haben einen enormen Einsatz an Beratungsleistungen vor dem 14. Juli 2021 gezeigt. Besonders diejenigen, die beim Schuh- bzw. Laufschuhkauf individuell auf jeden Kunden eingehen, leisten etwas, was bei Kunden mehr als bisher wieder wertgeschätzt werden muss. Anfänge sind erkennbar. Aber das reicht noch lange nicht. Ich wünsche mir, dass die politisch Verantwortlichen aus den Fehlern, unter denen wir Familienbetriebe leiden mussten, lernen. Es ist keine Gleichbehandlung zwischen Großvertriebsformen wie Aldi, Lidl usw. und uns Fachhändlern betrieben worden. Das gilt auch heute noch. In einer Aufklärung über das, was Familienbetriebe leisten, sehe ich einen wichtigen Anfang eines sehr langen Weges. Den müssen unsere politisch Verantwortlichen einschlagen. Ziel muss es sein, dass Verbraucher bzw. Kunden das wertschätzen, was wir leisten.“

'mi'-Fazit: Am 14. September 2021 ist die Flutkatastrophe zwei Monate her. Bis heute ist viel passiert. Trotz allem Elend, was auch betroffene Familienbetriebe erleben muss­ten und immer noch erleben, gibt es sie, die Hoffnungs­träger. Giesela Dieringer und Brigitte Gafinen aus Bad ­Neuenahr sind zwei von vielen. Zu ihnen zählen auch ­Christian und Verena Lange, Inhaber von Schuhhaus ­Bollig und Lange/Euskirchen. Ihr Schuh-Fachgeschäft erlitt einen Totalschaden. Zurzeit wird es saniert. Seit Ende August betreiben Christian und Verena Lange ein Pop-up-Kinderschuh-Fachgeschäft in Euskirchen. Mut machen und helfen, das leistet Sport-Fachhändler Edzard Wirtjes mit seinem Engagement im Rahmen seiner Gruppe Lex – die Laufexperten. Dem Fachhändler aus Leer ist es auf ungewöhnliche Art gelungen, einen besonderen Beitrag für Betroffene der Flutkatastrophe zu leisten. Wir finden das großartig. Mehr Mut machende Beispiele folgen.

Dipl.-Kffr. Elisabeth Kraemer
Chefredakteurin
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