COVID-19-Verordnungen: Getränkeangebot für Kunden oder: Mit Mund-Nasen-Schutz trinkt es sich schlecht

15.09.2021
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Bei vielen Augenoptikern gehört es zum guten Ton, wartenden Kunden oder während eines längeren Beratungsgespräches ein Getränk (z. B. Kaffee) anzubieten. Doch mit Mund-Nasen-Schutz trinkt es sich bekanntlich schlecht, weshalb viele Kollegen seit Corona auf einen solchen Service verzichten. „Wir würden sehr gern unseren Kunden wieder Getränke anbieten“, schreibt uns nun Augenoptikermeister Michael Schrodke/Zscherben. Ist es denn statthaft, es beispielsweise den Fluggesellschaften oder der Bahn gleichzutun „oder verstößt dies gegen die geltenden Corona-Regeln?“ Mit dieser Frage schickt der Kollege Ihre 'markt intern'-­Redaktion auf eine Deutschlandtour durch alle 16 Bundesländer, denn die Regelungen zur Maskenpflicht sind in den Landesverordnungen geregelt. Am Ende legt sich die überwiegende Zahl der Antwortenden auf ein klares JEIN fest. Einige richtungsweisende Aussagen haben wir zusammengestellt.

 Baden-Württemberg etwa empfiehlt Unternehmen, darauf zu achten, dass sie „durch das Anbieten von Speisen und Getränken keine zusätzliche Infektionsgefahr verursachen“. Die genaue Handhabung sollten sie in einem Hygienekonzept unter Beachtung des Schutzes anderer Personen festlegen. In  Rheinland-Pfalz ist man in puncto Verköstigung etwas strenger. Es ist zwar erlaubt, die Maske abzunehmen, um etwas zu essen oder zu trinken, doch sollte „das aktive Anbieten von Erfrischungen angesichts der geltenden Regelungen unterbleiben, es sei denn, die Kundin bzw. der Kunde ist geimpft, genesen oder getestet“. Der  Berliner Senat weist darauf hin, dass die Möglichkeit, die Maske zum Zwecke der Nahrungsaufnahme kurzzeitig abzunehmen, „nicht explizit vorgesehen ist“. Allerdings sei man sich bewusst, dass dies – etwa zur Nahrungsaufnahme – notwendig sein könne. Die Behörden seien deshalb gehalten, „diesen Umstand bei einer eventuellen Ahndung von vermeintlichen Verstößen gegen die Maskenpflicht im Rahmen ihres Ermessens zu berücksichtigen“. In  Sachsen ist laut der Corona-Schutzverordnung des Landes das Abnehmen der Maske zulässig, „wenn dies aus sonstigen unabweisbaren Gründen erforderlich ist“. Die Landesregierung empfiehlt, „insbesondere älteren oder geschwächten Kunden bei längeren Beratungsgesprächen auch ein Getränk anzubieten“. Das dürfe allerdings nicht dazu führen, „dass die Kunden dem Augenoptiker dauerhaft ohne einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz gegenübersitzen und sich dadurch die Infektionsgefahr deutlich erhöht“. Die Corona-Verordnung von  Bremen sieht dagegen keine Ausnahme von der Maskenpflicht für Zwecke der Verköstigung vor. Begründung: „Wenn die Maskenpflicht Teil eines Schutz- und Hygienekonzepts ist, müsste dieses auch darlegen, wie sichergestellt wird, dass während der Verköstigung die Infektionsgefahr nicht ansteigt.“ In  Bayern geht man gelassener mit dem Thema um. Nach § 2 Absatz 1 Satz 2 Nr. 6 der Vierzehnten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (14. BayIfSMV) – was für ein Wortungetüm – entfällt die Maskenpflicht aus sonstigen zwingenden Gründen. Ein solcher zwingender Grund wäre unter anderem die Einnahme von Speisen und Getränken. Die Maske darf daher abgenommen werden, soweit und solange dies zum Verzehr von Speisen und Getränken erforderlich ist.“ Auch in  Hessen hat man Verständnis für die Belange der Unternehmen. „Das kurzzeitige Absetzen der Maske, um beispielsweise etwas zu trinken oder wenn es die Dienstleistung erfordert, ist möglich“, lautet die knappe Antwort des Ministeriums für Soziales und Integration. Dabei sei darauf zu achten, dass der Mindestabstand zu anderen Personen gewahrt ist. Die Kollegen in  Nordrhein-Westfalen haben für den ratsuchenden Augenoptiker noch den einen oder anderen Tipp parat: „Sofern ein Anbieten von Snacks für erforderlich gehalten wird, kann das erhöhte Infektionsrisiko durch geeignete andere Maßnahmen, z. B. Anbieten von Snacks im Außenbereich, Abtrennung des Bereiches, in dem die Speisen und Getränke eingenommen werden, 3-G-Regelung wie in der Gastronomie, kompensiert werden.“ Im Übrigen ist in NRW das Abnehmen der Maske zur Einnahme von Speisen und Getränken gestattet, sie sollte allerdings auf ein Minimum beschränkt bleiben.

'mi'-Fazit:  Das Abnehmen der Maske zum Konsum von Getränken und/oder Snacks ist in fast allen Bundesländern grundsätzlich gestattet  Je nach Situation und Handhabung kann sich eine Verköstigung als problematisch erweisen  Wer auf Nummer sicher gehen will, dass er nicht gegen Corona-Auflagen verstößt, sollte darauf verzichten, Kunden von sich aus ein Getränk/einen Snack anzubieten  Die vollständigen Antworten der oben aufgeführten Bundesländer können Abonnenten auf der 'mi'-Website unter www.markt-intern.de/optik einsehen – bitte zu den Arbeitshilfen scrollen.

Dipl.-Wirtschaftsjurist Marko Schucht
Chefredakteur
Ass. jur. Carsten Schmitt
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