COVID-19-Impfungen in Apotheken

23.11.2021
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„Statt Golfplatz am Samstag Impfen am Samstag.“ – NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ist ein Freund klarer Worte. Wir 'markt intern'ler kennen dies aus einer 'mi'-Redaktionskonferenz, bei der er kein Blatt vor den Mund nahm und sich zu vielen, nicht nur Gesundheitsthemen, als gut informierter und pragmatischer Diskussionspartner zeigte. Nun ist er beim Medica Econ Forum der Techniker Krankenkasse wohl über das Ziel hinausgeschossen, hat damit den Zorn der Ärzteverbände auf sich gezogen. Das Zitat ist zwar aus dem Kontext gerissen. Denn zunächst hatte Laumann gefordert, dass die Hausärzte angesichts der Nachfrage nach Corona-Booster-Impfungen mehr impfen sollen. Schließlich hätten sie immer gesagt, dass sie das allein schaffen. Doch die folgende provozierende These traf auch Ärzte und Praxisteams, die seit Monaten freiwillig (!) den freien Mittwochnachmittag gestrichen haben und am Wochenende besondere Impfaktionen begleiten oder sogar selbst initiieren. Laumann hat es vielleicht nicht so gemeint, wie es klang – und sich für die pauschalisierende Aussage umgehend entschuldigt.

Doch die Fakten lassen sich nicht wegdiskutieren: Die Zahlen der Corona-Infizierten und der Corona-Patienten gehen steil nach oben. 3G, 2G und 2G+ sollen die aktuelle Welle brechen. Dabei soll natürlich das Boostern helfen. Doch die Politik hat die Impfzentren schließen lassen, das Tempo der Impfungen, die derzeit überwiegend in Arztpraxen und in den wenigen verbliebenen Impfzentren erfolgen, ist kein Renner. Einen Weg zu mehr Tempo wird der Vorschlag von Noch-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die Ärzte mit mehr Geld (28 € Honorar statt 20 €, am Wochenende 36 €) zu belohnen, sicher nicht ebnen. Am Limit ist am Limit – und was bleibt nach Einberechnung der Kosten für die Mitarbeiter davon wirklich übrig? Das ist nicht die Form der Wertschätzung, die uns schnell weiterbringt!

Nach den Stimmen pro Grippeimpfung in den Apotheken preschen nun einige Gesundheitspolitiker mit der Forderung nach Booster-Impfungen in Apotheken vor. Passend dazu hat der Apothekerverband Nordrhein unter seinen Mitgliedern erfragt, wie es um die Bereitschaft zur Durchführung dieser Impfungen in Apotheken bestellt ist. An der Umfrage haben sich rund 20 % der 500 impfenden Apotheken in Nordrhein, also etwa 100 Inhaber, beteiligt. Mit über 97 % haben sich nahezu alle impfenden Apotheken bereit erklärt, auch für Impfungen gegen das Coronavirus zur Verfügung zu stehen. 70 % der Befragten gaben an, bis zu 50 Impfungen in der Woche anbieten zu können. 20 % meinten, zwischen 50 und 100 Impfungen durchführen zu können. Und 10 % sehen sich in der Lage, sogar mehr als 100 Impfdosen verabreichen zu können. Insgesamt wären nach Angaben des AVNR mindestens 25.000 Impfungen pro Woche allein in Nordrhein möglich. Wenn man die Angaben der Umfrageteilnehmer hochrechnet, dürfte diese Zahl noch zurückhaltend sein.

„Jetzt zählt jede Booster-Impfung und das so schnell wie möglich. Hier sind sich alle Experten einig“, erklärt Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverband Nordrhein. Die Ärztevertreter, das zeigt schon ein kurzer Blick in die Ärzte Zeitung, können sich dafür weniger begeistern. Ein paar Zeilen weiter werden allerdings die große Arbeitsbelastung und die ausgebrannten Teams thematisiert, die auf dem Zahnfleisch gingen. Derweil verstecken sich manche Weißkittel an der Basis hinter Aussagen wie „wir erhalten nicht genug Impfdosen“. Impfstoffe sind, das bestätigen die Großhandlungen, derzeit reichlich verfügbar – die Arbeitsbelastung der Praxen ist in vielen Fällen schlicht zu hoch.

Wie werden Sie es nun halten, in der aktuellen Welle der Pandemie? Auffrischimpfungen durchführen, falls die Politiker sich dafür entscheiden und Ihnen die entsprechenden rechtlichen Voraussetzungen sowie ein angemessenes Honorar bieten? Wie läuft denn aktuell die Zusammenarbeit mit den Hausarztpraxen vor Ort – würde sich daran etwas ändern? Bereits jetzt gibt es zahlreiche Kooperationen zwischen Apotheken und Arztpraxen – ohne den lauten Kammer-Funktionsträgerstreit. Schreiben Sie uns eine E-Mail an [email protected] oder rufen Sie einfach in der Redaktion an. Wir sind auf Ihre Rückmeldungen gespannt.

RA Christoph Bach
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