Restlaufzeiten bei der Großhandelsware

23.03.2021
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Verfallene oder vom Verfall bedrohte Arzneimittel wirken sich unmittelbar auf die Rendite der Apotheke aus. Dieses Problem können Sie durch organisatorische Maßnahmen im Griff behalten. Beispielsweise indem Sie die Verfalldaten der eingelagerten Packungen automatisiert verfolgen und diese entsprechend der gültigen Retourenregelungen zum optimalen Zeitpunkt retournieren. Aber es gibt doch einige Fälle, die sich Ihrer Organisation entziehen: In der vergangenen Woche griffen wir Leser-Zuschriften auf, die sich mit den teilweise sehr knappen Restlaufzeiten der Arzneimittel beschäftigen, die Sie aktuell vom Großhandel beziehen. Ein Kollege hatte sich die Arbeit gemacht und mehr als 20 Zeilen aus seinen Bestellungen innerhalb von 10 Tagen an 'markt intern' geschickt. Diesen sind Verfalldaten gemeinsam, die teilweise schon im Juni oder Juli liegen, längstens im Oktober. Der Apotheker hat dem in seiner Übersicht die maximal möglichen Laufzeiten von 12 bis 60 Monaten gegenübergestellt. Er fragt zu Recht: „Warum erhalten wir denn keine aktuelleren Packungen?“ Insbesondere ist ein Verfall 06/2021 bei einer 98er Packung vollkommen inakzeptabel. Haben Sie keinen Patienten, der die Packung sofort anbricht, müssen Sie diese am besten gleich wieder zurückgeben.

Nun wissen wir aus aktuellen Telefonaten mit Apotheken­inhabern, wie die Laufzeiten bei Direktbestellungen einiger der aufgeführten Arzneimittel aussehen: Deutlich besser, sprich: Diese sind bedenkenlos lagerfähig. Also haben wir die Vertreter der führenden Großhandlungen in Deutschland angeschrieben und nachgefragt:   „Warum sind die Restlaufzeiten vieler über den pharmazeutischen Großhandel bezogener Arzneimittel aktuell so kurz?  Handelt es sich dabei um eine temporäre Auswirkung der Pandemie-­Situation?  Welche Möglichkeiten haben die Apotheken um abzuklären, wie lang die Restlaufzeiten der bei Ihnen vorrätigen Arzneimittel sind?  Gibt es für die Apotheken die Möglichkeit, ausdrücklich Ware mit längerer Laufzeit zu bestellen?“

Zugegeben, die Frage, ob es sich um eine Auswirkung der Pandemie handelt, ist nicht wirklich fair: Natürlich müssen Großhandlungen die vorgehaltene Ware ebenfalls bewirtschaften und liefern nach dem FIFO-Prinzip (First In – First Out) die älteren Packungen zuerst aus. Was auch vollkommen korrekt ist, schließlich profitieren die Apotheken von einem großen Bestand und toller Verfügbarkeit ihres Großhandels – solange die Apotheke vor Ort und deren Patienten gut versorgt werden können.

Die erste Antwort erreicht uns aus Mannheim. Für den PHOENIX Pharmahandel antwortet Senior Manager Corporate Communications Jacob-Nicolas Sprengel: „PHOENIX kann gegenwärtig bei den über das Unternehmen bezogenen Arzneimitteln keine allgemein veränderten Restlaufzeiten feststellen. Aufgrund einer durch die Pandemie veränderten Nachfragesituation sind Sortimentsverschiebungen zu beobachten. Hierdurch kann es zu kürzeren Restlaufzeiten aufgrund einer geringeren Nachfrage kommen. So werden vermehrt Großpackungen nachgefragt, wodurch etwa N1-­Packungen länger im Lager verbleiben und somit kürzere Restlaufzeiten aufweisen können. Dies trifft ebenfalls auf Erkältungs- und Reisepräparate zu, da diese gegenwärtig weniger nachgefragt werden. Zugleich achtet PHOENIX bei Anlieferungen durch die Indus­trie und bei der internen Bestandspflege kontinuierlich auf ausreichende Restlaufzeiten.“

Ausführlicher erklärt Matthias Dehmel, Bereichsleiter Marketing und Unternehmenskommunikation, für die ­Sanacorp/Planegg: „Wir finden es richtig gut, dass 'markt intern' sich dieses wichtigen Themas, das auch für den Großhandel sehr aufwendig und unerfreulich ist, öffentlichkeitswirksam annimmt. Einen ursächlichen Zusammenhang mit der Pandemie können wir hier definitiv nicht erkennen, da die sog. 'Kurzläufer' bei Mittel- und Langsamdrehern seit Jahren ein mehr als lästiges Dauerthema sind. Die beispielhaft aufgeführten Verfalldaten in der Artikelliste des Apothekers können wir nach Bestandsabgleich in unserer Planegger Niederlassung mit Stand 15. März 2021 uneingeschränkt bestätigen. Höchste Qualität zum Nutzen unserer Mitglieder und Kunden ist unser absoluter Anspruch. Das bedeutet für Sanacorp aber nicht nur die Sicherstellung einer optimalen Warenverfügbarkeit, sondern auch bestmögliche Restlaufzeiten. Dazu suchen wir regelmäßig und intensiv das Gespräch mit den relevanten Lieferanten. In Abhängigkeit des jeweiligen Lagerumschlages sind regelmäßige Bestelltaktungen mit der Industrie vereinbart. Um aber nicht in die Defekte zu laufen, müssen wir häufig die Medikamente annehmen, die angeliefert werden, bedauerlicherweise auch Kurzläufer. Um Kundenreklamationen zu vermeiden, pflegen wir bei vielen kritischen Produkten die sog. 'Therapiereichweite'. Artikelbezogene Restlaufzeiten sind in unseren Systemen nicht eingepflegt, da deren manuelle Erfassung extrem aufwendig und fehleranfällig wäre. Daher können Apotheker derartige Informationen auch nicht prophylaktisch abfragen. Auch ist es für Apotheker nicht möglich, explizit Präparate mit besonders langer Restlaufzeit zu bestellen. Bei über 100.000 Lagerartikeln wäre das kaum darstellbar.“

Tanja Wilcke-Pasternacki, Leiterin Unternehmenskommunikation, antwortet für GEHE/AHD: „Wir kennen die Problematik rund um die kurzen Restlaufzeiten, da diese auch im Großhandel das Handling erschweren. Wir arbeiten fortwährend an bestmöglichen Lösungen für unsere Kunden und ­suchen gerne im Dialog nach individuellen Möglich­keiten. Auch mit den Herstellern stehen wir permanent im Austausch. Die genauen Hintergründe für kurze Restlaufzeiten sind allerdings sehr individuell und können oft nicht allgemein, sondern nur bezogen auf das entsprechende Produkt/Sortiment beantwortet werden. Um hier verlässliche Aussagen zu erhalten, ist es sicherlich sinnvoll direkt mit den Herstellern in Kontakt zu treten um mehr über die Hintergründe zu erfahren und konkrete Antworten zu Ihren Fragen zu bekommen.“

Zugleich haben wir weitere Meldungen über kurze Laufzeiten von Apotheken erhalten. Auffällig ist dabei: Bei Direktbelieferungen schwankt die Bandbreite von wenigen Monaten Restlaufzeit bis hin zur maximal zulässigen Haltbarkeit – bei ein und demselben Hersteller. Sie können sicher sein: da werden wir detailliert nachhaken!

RA Christoph Bach
Chefredakteur
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