Apotheker — seid Ihr streikbereit?

04.12.2018
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Die Apotheker Gregor Nelles (Mons Tabor Apotheke/Montabaur) und Alexander Fischer (Dorotheen Apotheke/Dierdorf) sind Zeitgenossen, die sich selbst so ihre Gedanken machen. Nelles beispielsweise steht beim Deutschen Apothekertag auf und fragt den Bundesgesundheitsminister geradeheraus, ob dieser die Koalitionsvereinbarung bezüglich des Rx-Versandverbotes tatsächlich nicht einhalten will. Der Mann aus Montabaur stellt vielleicht mal unbequeme Fragen, aber wollen wir wirklich immer nur 'mainstream'?

Welche Auswirkungen das hat, das sehen wir doch aktuell: Allerorten wird nach Online-Bestellmöglichkeiten und Versandhandel gerufen – ohne die Folgen zu bedenken. Viele Innenstädte kämpfen um ihre Attraktivität. Kleinere Fachhändler, allen voran die Textilhändler, haben wirtschaftliche Probleme. Immer mehr Filialisten haben sich breitgemacht. Wandern diese noch in Einkaufszentren auf der grünen Wiese ab, sind die Innenstädte tot. Welche Folgen der Arzneimittelversandhandel hat, lässt sich leicht ausrechnen. Die stationären Apotheken verlieren zunehmend an Umsatz und Ertrag, bis sich viele Standorte nicht mehr rechnen. Um dem Gemeinwohlgebot der flächendeckenden Gesundheitsversorgung nachzukommen, sind auch Apotheken außerhalb der Städte oder in Randlagen wichtig. Genau dort, wo die wirtschaftlichen Gegebenheiten zuerst in Schieflage geraten.

In der kommenden Woche (11.12.) will Jens Spahn bei der ABDA-Mitgliederversammlung in Berlin seine Vorschläge unterbreiten, die die preisliche Waffengleichheit zwischen den Versandhändlern außerhalb Deutschlands und den deutschen Apotheken wiederherstellen. Sicher scheint: Ein Rx-Versandverbot wird nicht dabei sein. Da kann die ABDA noch so viele Gutachten und Machbarkeitsstudien vorlegen.

Den meisten Bundesbürgern ist die Lage der Apotheken überhaupt nicht bewusst. Das belegt sogar die Umfrage eines Großhandelsunternehmens. Apotheker Nelles möchte unter allen Kollegen die Bereitschaft zu einem Apotheken-Streik abfragen, um auf die Situation der Apotheken vor Ort aufmerksam zu machen. Er hat einen Brief entworfen, der an die Apothekerverbände und an deren Mitglieder gerichtet ist. Lesen Sie den Brief im untenstehenden Kasten und entscheiden Sie sich: Wäre ein gesetzeskonformer Streik für Sie ein Mittel der Wahl oder nicht und ab mit Ihrer Antwort an [email protected]. Sie dürfen gern diese Seite kopieren, abstempeln, unterschreiben (JA/Nein nicht vergessen) und an den Kollegen nach Montabaur senden. Oder Sie schreiben einfach ein paar Zeilen an die vorgenannte E-Mail-Adresse, nur bitte mit vollständigem Absender. Über Nachahmer in allen Landesverbänden freuen sich die Rheinland-Pfälzer: „Die Kollegen können gern auch in ihren Landesverbänden zur Abstimmung aufrufen.“ Um Ihre Meinung nicht in eine bestimmte Richtung zu lenken, enthalten wir uns der Stimme – aber nur für heute! Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihre E-Mails ebenfalls zusenden. Gern mit dem aus Ihrer Sicht passenden ausführlichen Kommentar!

Umfrage zur Streikbereitschaft Ihrer Apotheke(n)

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

Sie wissen, dass es keine begründete Hoffnung auf eine deutliche Verbesserung des Apothekenhonorars gibt und das Rx-Versandverbot im Koalitionsvertrag vom 7.2.18 Makulatur ist.

Die Petition des Kollegen Redmann wird von Politik und Medien weitgehend ignoriert. Vielmehr bleiben massive Wettbe­werbs­ver­zerrungen zugunsten ausländischer Kapitalgesellschaften bestehen, die außerhalb des deutschen Apothekenrechts agieren. Gerade hat Europas größte Versandapotheke — die Schweizer Zur-Rose-­Group mit DocMorris — die Kapitalerhöhung um 15 Mio. CHF auf 50 Mio. CHF beschlossen.

Dies dient zur Übernahme anderer Versandapotheken und für
'organische Wachstumsinitiativen'. Und nun?

  • Wir als Inhaber stehen mit dem Rücken zur Wand.
  • Wir kommen mit sachlichen Argumenten in der jetzigen Politik nicht weiter.
  • Wir sehen nur eine Lösung, um gegen die Zerstörung des deutschen Apothekenwesens anzukämpfen: Den Apotheken-Streik!
  • Um ein Stimmungsbild der Basis zu bekommen, stellen wir Ihnen folgende Frage:

Sind Sie bzw. Ihre Mitarbeiter zu einem rechtskonformen Streik in der näheren Zukunft bereit?

( ) JA, ich werde einen Streik unterstützen.

( ) NEIN, ich werde einen Streik nicht unterstützen.

Diese Umfrage dient der Unterstützung bei künftigen Verhandlungen mit Vertretern der Politik.

Bitte antworten Sie möglichst kurzfristig an

[email protected]

Mit kollegialen Grüßen

 

Gregor Nelles und Alexander Fischer

 

RA Christoph Bach
Chefredakteur
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