Exklusive 'markt intern'-Umfrage 'Preiserhöhungen in der Küchenbranche' — Der Prolog

29.04.2021
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Ohne lange Vorrede direkt 'ins Branchen-Getümmel': In Ihrer Ausgabe Mö 13/21, verehrte Leserin, geehrter Leser, rückten wir erstmalig den Themenkomplex 'Lieferschwierigkeiten und Preiserhöhungen' schwerpunktmäßig in den ­Fokus unserer Berichterstattung. 'mi' zeigte die Hintergründe auf: Die Probleme in den internationalen Lieferketten und die Engpässe bei der Versorgung mit Rohstoffen und Halbleitern sowie die Störungen der Logistik u. a. durch Container-Knappheit. Über die drohenden Auswirkungen dieser Komponenten in Anbetracht einer überaus hohen Nachfrage der Endverbraucher nach Produkten der Küchenbranche muss nicht groß volks- und betriebswirtschaftlich philo­sophiert werden. Fraglich blieb, ob, wann und wie die auf Ihr Möbelhaus/Küchenstudio durchschlagen würden. In Mö 13/21 kündigten wir eine Umfrage unter Ihren Lieferanten an. Bevor wir uns im weiteren Verlauf dieser 'mi'-Ausgabe den Resultaten der exklusiven 'mi'-­Erhebung widmen, werfen wir vorab noch ergänzend einen Blick auf den Rohstoff Holz – den Basis-­Werkstoff der ­Küchenmöbler.

Der Anfang allen Übels erschließt sich Ihrem 'mi'-Chefredakteur Tag für Tag aufs Neue, wenn er aus dem Wohnzimmerfenster seines Hauses im Sauerland direkt auf die Fichtenwälder schaut. Richtig muss es allerdings heißen, auf die ehemaligen Fichtenwälder. Denn: Auch den 'Flachland-Tirolern' unter ­Ihnen ist es dank der Berichterstattung der Endverbrauchermedien nicht verborgen geblieben, welche historischen Schäden Klimawandel, Trockenheit und zum Schluss die Invasion des Borkenkäfers am deutschen Wald angerichtet haben. Nüchtern in Fakten gepackt liest sich das dann so: Insektenschäden machen über die Hälfte des gesamten Schadholzeinschlags aus. Im Jahr 2020 wurden in den deutschen Wäldern 80,4 Millionen ­Kubikmeter Holz eingeschlagen, teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) mit. Nie zuvor seit der deutschen Vereinigung ist in Deutschland mehr Holz geschlagen worden als 2020. Gegenüber dem bisherigen Höchstwert von 68,9 Millionen Kubikmetern im Jahr 2019 stieg der Holzeinschlag noch einmal um 16,8 %. Diese Entwicklung ist durch vermehrte Waldschäden infolge des durch Trockenheit und Hitze begünstigten Insektenbefalls begründet: So machte der Schadholzeinschlag aufgrund von Insektenschäden über die Hälfte (53,8 %) des gesamten Holzeinschlags im Jahr 2020 aus.

'Wo ist das Problem? Holz gibt's dann ja wohl im Überfluss!' könnte man meinen. Aber: Dem ist nicht so. Die weltweite Nachfrage nach Holz, insbesondere in China und den USA, ist immens. Befriedigt wird sie durch mittlerweile global aufgestellte Sägewerk-Konzerne. Die räumen derzeit die abgestorbenen Wälder in Deutschland leer. Die Konzerne speisen die Waldbauern mit 40 bis 80 € pro Kubikmeter ab und verhökern die gleiche Menge auf dem Weltmarkt für an die 500 €. Ironie des Schicksals: Ihr 'mi'-Chefredakteur kennt Zimmereien hier im Sauerland, die beispielsweise ­keine Dachstühle für Wohnbauprojekte fertigen und liefern können. Sie kommen einerseits nicht an das nötige Holz, können aber andererseits 'live und in Farbe' ­beobachten, wie der Wald direkt hinter ihrem Unternehmen mit hoch automatisierten Harvestern abgeräumt, die Stämme in Container verfrachtet und in die weite Welt verschickt werden. Von dort kommt das Holz dann Monate später und zu erhöhten Preisen zu ihnen zurück.

Markus Sander
© Häcker Küchen
Markus Sander

Nicht wesentlich anders geht es deutschen und europäischen Spanplattenherstellern. Bei denen wird die Rohstoff­problematik auch zusätzlich noch von der seit geraumer Zeit im Gange befind­lichen Umrüstung auf formaldehydreduzierte Produkte überlagert. Und dann der Turbo: Die Corona-Pandemie! An dieser Stelle lassen wir uns das aus erster Hand von einem unmit­telbar davon betroffenen Küchenmöbler beschreiben. In der AMK-­Wirtschaftspressekonferenz am Montag sagte Markus Sander, Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing Häcker Küchen, in seiner Funktion als Vorstandssprecher der AMK: „Durch die ganze Möbelindustrie, ob das Polstermöbler oder Küchenmöbler sind: Zwei Drittel der Hersteller sind schon von den Themen Versorgung und Sicherheit der Versorgung ­negativ betroffen. Wenn ich für uns einmal das Thema Spanplatte nehme, was ja eines der wichtigen Themen ist, neben Beschlägen und allem was aus Stahl gemacht wird, dann ist es schon so, dass die Spanplattenindustrie zum Start der Corona-­Pandemie die Produktion herun­tergefahren hat und jetzt versucht, auf höchstem Niveau wieder alles aufzuholen. Die wurde sicherlich von der großen Nachfrage etwas überrascht und musste jetzt auch mit Personaleinstellung reagieren.“ Markus Sander weist auf andere Faktoren hin, die die ­ohnehin schwierige Lage noch zusätzlich befeuern: „Vielleicht gibt's auch da einen gewissen 'Hamster-Effekt', dass jemand etwas nicht bekommt und es dann besonders auf Lager legen möchte. Das heizt die Situa­tion auch noch ein bisschen an.“ Zudem: „Und dann fragt man sich: »Holz haben wir doch genug, das liegt doch überall herum. Guckt Euch mal die Wälder an!« Ja, das stimmt. Aber wer in der Spanplatten-Produktion schon einmal war, weiß eben auch, da wird Melamin gebraucht, da werden Methanole gebraucht. Und da gibt's durchaus Versorgungsengpässe. Eine Spanplatte besteht eben nicht nur aus Holz, sondern auch aus einer Menge Leim.“ Abschließend lautet sein Zwischen-Fazit zu dem Themenkomplex: „Die Versorgung ist also eines der Top-Themen im Moment. Es führt auch dazu, dass Preise natürlich steigen, dass Preise erheblich steigen. Und diese Preissteigerungen werden auch zum Teil schon ­weitergegeben. Die Lieferzeit wird sich durch diese Versorgungsengpässe eben nicht verringern. Das ist eine schwierige Situation.“ Und genau an diesen eminent wichtigen Punkten für Sie als Küchenfachhändler und unmittelbarer Kunde ­Ihrer Lieferanten setzt die 'mi'-Umfrage an.

RA Georg Clemens
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