'mi'-Protestaktion nach Berliner Video-Schalte: Jetzt erst Recht!!

11.02.2021
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In der vergangenen Woche hat 'markt intern' einen offenen Brief an die Bundesregierung geschickt, den natürlich auch Ihr 'mi'-Chefredakteur namentlich unterzeichnet hat. 'mi' fordert darin für alle mittelständischen Fachhändler, Fachhandwerker und Dienstleister: Eine überfällige, faire und nachvollziehbare Lockerungsstrategie! Hier ein paar Auszüge:

„Als im März 2020 der erste Lockdown stattfand, nachdem die Strategie der Eindämmung des Virus gescheitert war, ertrugen die von Schließungen Betroffenen die Widrigkeiten, auch wo sie im Einzelfall zu Ungerechtigkeiten führten, mit größtmöglicher Souveränität. Heute hat sich die Situation gewandelt: Eine Fortführung des Lockdowns entmündigt die davon Betroffenen. Einzelhändler, Friseure, Gesundheitsdienstleister, Gastronomen, Hoteliers, Kulturschaf­fende – sie alle werden durch den anhaltenden Lockdown zu Störenfrieden erklärt, ob Sie, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, das persönlich wollen oder nicht. Die politischen Entscheider drücken denen, die ihre Hände in den Schoß legen sollen, ihr Misstrauen aus. Das Misstrauen gilt allen, die vor Ort Werte aus ihrer Tätigkeit heraus schöpfen und dies aufgrund (auch) Ihrer Entscheidung nicht tun dürfen. Im Frühjahr 2020 war es ein Ausdruck bürgerlicher Courage, innezuhalten. Jetzt ist es eine moralische Bankrotterklärung. Wir fragen Sie: Was rechtfertigt die Schließung weiter Teile der Wirtschafts- und Kulturbetriebe, z. B. des Einzelhandels, der Gastronomie und der Museen, wenn man ­zulässt, dass Menschen sich an Wühltischen von Discountern drängeln? Wie kommt man dazu, den Spielbetrieb im Profifußball freizugeben, solange Gottesdienste mehr oder weniger verboten sind, Heiratswillige sich ihren Ring fürs Leben nicht anpassen lassen können und Kinder nicht zur Schule dürfen? [...]

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, niemand von uns hat eine Situation, wie sie sich derzeit abspielt, schon einmal erlebt. Wir lernen von Tag zu Tag dazu. Warum lassen Sie uns nicht auf dem Erlernten aufbauen? Wo befinden sich die größten Ansteckungsherde? Nicht im Juwelier- oder Schuhfach­geschäft, ebenso wenig in Museen. Möglicherweise unweit davon, in engen Gassen, in dicht besetzten Transportmitteln. Was spricht dagegen, dass Innenstädte Konzepte vorlegen, die dafür sorgen, dass Abstände auch im öffentlichen Raum eingehalten werden? Sind Sie ganz sicher, dass hierzu ein paar Hunderttausend Ordnungskräfte fehlen? Könnte es nicht auch ein Mangel an politischer Fantasie sein, ein Mangel an Vertrauen in die Ordnungskraft der Gewerbe­treibenden und der Kulturschaffenden vor Ort? [...]

Die Zumutung der Pandemie, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, wird umso schwerer zu bewältigen, je mehr die Gegensätze sich zuspitzen. Momentan tragen Sie durch Ihre Maßnahmen zu einer solchen Zuspitzung bei. Durch ein Öffnungsszenario, das die Verantwortung zu gleichen Teilen auf alle Gruppen der Gesellschaft verlagert, würde sie verringert. Noch ist dafür Zeit! Helfen Sie mit, diese Zeit zu nutzen!“

Dass die Forderung alles andere als abwegig ist und rein gar nichts mit den wirren Gedanken der Coronaleugner zu tun hat, zeigt u. a. das: Unabhängige Studien belegen mittlerweile, dass – anders als in der politischen Argumentation ins Feld geführt – im Einzelhandel kein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht. „Bei der Arbeit im Einzelhandel kommt es nicht zu einer erhöhten ­Infektionsgefährdung durch das SARS-CoV-2-Virus“, lautet das eindeutige Fazit einer gemeinsamen Untersuchung der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Demnach infizierten sich im Erhebungszeitraum von Mitte März bis Ende Oktober nur rund 0,6 % der über 330.000 Beschäftigten in den untersuchten Einzelhandelsunternehmen. Der Wert liege sogar unter dem Mittel der entsprechenden ­Altersgruppe in der Allgemeinbevölkerung und die Ursache der gemeldeten Infektionen habe überwiegend im außerbetrieb­lichen Bereich gelegen! Auch gebe es keine wesentlichen Unterschiede in den betrachteten Handelsbereichen. Selbst im dauerhaft geöffneten Lebensmitteleinzelhandel sei die Infektionshäufigkeit unauffällig geblieben. Ein Grund dafür liege in den konsequent umgesetzten Hygienekonzepten der Unternehmen, so Dr. Stefan Mayer von der Präventionsabteilung der BGHW.

Die bislang pauschal angeführte Vermutung eines erhöhten Infektionsrisikos aufgrund längerer Kontaktdauern können BGHW und BAuA ebenfalls widerlegen: „Die hohe Anzahl an Kontakten zwischen Beschäftigten und Kundinnen und Kunden legte bislang die Vermutung erhöhter Infektionsrisiken nahe. Epidemiologische Daten aus unterschiedlichen Kontaktszenarien zeigten jedoch, dass kurze Kontaktdauern, wie sie im Einzelhandel typisch sind, im Allgemeinen geringere Infektionsrisiken bergen als längere Kontaktdauern. Die Kontaktdauer von 15 Minuten, die als Grenz­wert für Hochrisikokontakte gilt, wird in Abhängigkeit vom regionalen Infektionsgeschehen auch beim Kontakt Beschäftigter mit Infizierten über die Arbeitsschicht nicht unweigerlich erreicht. Sechs bis zehn Minuten summierte Kontaktdauer wurden beispielhaft für Szenarien abgeleitet, die bei lokalen Ausbrüchen auftreten könnten.“ In einer „weiteren, methodisch unabhängigen Analyse von Krankenkassendaten“ sei zudem festgestellt worden, „dass Erkrankungsrisiken für den Einzelhandel insgesamt unauffällig blieben“. Die Mitteilung zur Studie finden Sie auf den Seiten der BGHW unter https://t1p.de/bghw-corona-studie.

Eine Anmerkung sei uns gestattet: Vielleicht war die Bericht­erstattung über den offenen Brief von 'mi' an die Bundeskanz­lerin in der vergangenen Woche sogar die Initialzündung für den Verband der Deutschen Möbelindustrie VDM, hier ebenfalls aktiv zu werden. Könnte ja sein! ;-) Fakt ist jedenfalls: Der Hersteller-Verband hat ordentlich Geld in die Hand genommen und am Montag in der F.A.Z. eine ganzseitige Anzeige geschaltet. Inhalt: Ein offener Brief an die „sehr geehrte Frau Bundes­kanzlerin Dr. Merkel“. Betreff: „Konzept für eine sichere und ­gerechte Öffnungsstrategie“. Der hat dann für respektablen ­Widerhall in den Endverbrauchermedien, TV, Print, digital, gesorgt. Also: Toll, dass gleich von mehreren Seiten den politischen Entscheidern Einblick in den derzeit tristen sowie vereinzelt existenzgefährdenden Geschäftsalltag der stationären und hybriden Fachhandelsbetriebe der Möbel- und Küchenbranche gewährt, wenn nicht gar abgenötigt wird! Nicht so ganz nachvollziehen können wir allerdings bei der Forderung des VDM an Angela Merkel, dass die Öffnung der Möbelhäuser und Küchenstudios erst zum 1. März erfolgen soll. Warum nicht gleich, heißt zum 16. Februar? In Anbetracht des Auftragseinbruchs seit ­Anfang des Jahres zählt schließlich jeder Tag, an dem Beratung und Verkauf in den Geschäften wieder stattfinden kann!

Der offene Brief von 'markt intern' ist nur eine Komponente einer komplexer angelegten 'mi'-Protestaktion. Sie erinnern sich: Den Beginn machten zwei Poster-Grafiken, die wir Ihnen bereits in Mö 03/21 vor- und gleichzeitig zum eifrigen Gebrauch zur Verfügung stellten. In einem Erweiterungsschritt haben wir sodann für Sie Mustervorlagen von Protest­briefen an die Ministerpräsidenten der Länder erstellt. Es handelt sich keinesfalls um einen fertigen Brief, sondern um ein Muster, eine mittlerweile umfangreiche 'Schreib- und Argumen­tationshilfe' für Sie. Alle im Text erwähnten Argumente sind im Gespräch mit Lesern und Unternehmern, wie Sie es sind, entstanden. Wir greifen hiermit die Idee auf, gemeinsam mit vielen weiteren Betroffenen aus ganz Deutschland Ihren deutlichen Unmut über die aktuelle Situation zu artikulieren, andererseits aber auch die umgehende Öffnung Ihres Unternehmens zu fordern, natürlich unter Sicherstellung aller hygienischer Voraussetzungen in Ihrem Geschäftsbetrieb.

'mi'-Fazit':  Jetzt erst Recht! Da sich Bundes- und Landesregierungen gestern noch nicht auf eine Öffnung der Laden­geschäfte verständigt haben, gilt für Sie: Nutzen Sie in den nächsten Wochen bis zu deren erneuten Treffen am 4. März mit noch größerem Nachdruck alle Bausteine der 'mi'-Protest­aktion! Bringen Sie damit die Interessen aller verantwortungsbewussten Geschäftsinhaber an den Schaltstellen der Macht zum Vortrag! Uns ist klar, dass keine einzelne Person die politischen Geschicke in unserem Land in der Hand hält, auch nicht Angela Merkel. Sinngemäß gilt die Botschaft für alle Spitzen der Exekutive in Bund und Ländern. Es geht uns mit dem offenen Brief um ein mittelstandspolitisches Signal. Denn der Dialog über Öffnungsstrategien, den wir anmahnen, muss öffentlich geführt werden, weit über die Spitzen der Exekutive hinaus Sie alle sind herzlich eingeladen, sich dem Brief anzuschließen und/oder diesen zu teilen. Der aktuelle Stand der Aktion ist einsehbar unter https://www.markt-intern.de/themen/corona/corona-protestaktion/  Nutzen Sie zudem die von 'mi' zur Verfügung gestellten Mustervorlagen von Protestbriefen an den Ministerpräsidenten/die Ministerpräsidentin Ihres Landes. Auch diese Vorlagen finden Sie unter der vorgenannten Adresse im 'mi'-Netzwerk miDIREKT  Genauso liegen dort die oben angesprochenen Poster-Grafiken nach wie vor für den kostenlosen Download und anschließenden Einsatz in Ihrem Schaufenster/Ihrer Homepage oder Zeitungsinseraten etc. zum Abruf bereit!  'mi' ist und bleibt auch im 50. Jubiläumsjahr mehr als nur Information!

RA Georg Clemens
Chefredakteur
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